Wochenlesung – שְׁלַח– Schlach – Schicke! 4.Mose 13,1 – 15,41 ; Josua 2,1 – 24
Alle zwölf Kundschafter haben dasselbe im Land gesehen, doch nach ihrer vierzigtägigen Reise durch Kanaan kommen sie mit unterschiedlichen Eindrücken zurück. Die einen sehen mehr das Risiko und die Gefahren und andere sind sich vollkommen sicher, das Land mit Gottes Hilfe einnehmen zu können. Wie in unseren Tagen – die einen befürchten einen Mehrfrontenkrieg, den Israel nicht überleben wird und deswegen streben sie nach einer diplomatischen Vereinbarung mit dem Libanon. Die anderen sind sich völlig sicher, das Land mit Gottes Hilfe verteidigen zu können.
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Dieser Wochenabschnitt ist der vierte im 4. Buch Mose. Eine beliebte Parascha über die zwölf Kundschafter in dem Land, von dem das Volk Israel über Generationen hinweg immer nur gehört hat. Jetzt haben zwölf Israeliten die einmalige Chance, erstmals dieses Land zu betreten, über das Mose ununterbrochen gesprochen hat – „ein Land in dem Milch und Honig fließt!“ Ein Paradies auf Erden. Gott spricht zu Mose und sagt: „sende Männer aus, dass sie das Land Kanaan auskundschaften (ְיָתֻרוּ), das ich den Kindern Israel geben will“. Um das Volk Israel von einem Auszug aus Ägypten samt Sklaverei zu überzeugen, musste Mose dem murrenden Volk immer wieder ein Traumziel vermarkten, und das war „ein Land, in dem Milch und Honig fließt“. In der Ferne sind solche Slogans immer leichter zu servieren, aber dann kommt der Moment, wo Vorstellung und Realität zusammentreffen.
Das kreierte eine Hoffnung und Fantasie unter den Menschen im Volk. Und war der Moment da, an dem Mose zwölf Vertreter aus den zwölf Stämmen auswählt und diese ins Gelobte Land schickt. „Besehet das Land, wie es ist… ob es gut oder schlecht ist“. Die Frage drängt sich auf, weshalb Mose, der permanent vom Gelobten Land geschwärmt hatte, nun den Kundschaftern aufträgt, sie sollen das Land „ansehen, ob es gut oder schlecht ist“ (Vers 18)? Kann es sein, dass auch Mose im letzten Moment nicht sicher ist? Schließlich hat auch er etwas vermarktet, was er niemals gesehen hat. Oder will Mose, dass sich alle zwölf Stämme selbst einen Überblick über die zukünftige Heimat machen sollen? Wenn Mose blind aus Ägypten ausgezogen ist und nur auf Gott vertraute, warum zieht er nicht blind in das Gelobte Land ein und vertraut nur auf Gott? Wozu sind die Kundschafter also nötig?
Nach vierzig Tagen kommen die Jungs wieder zurück und berichten Mose, was sie im Land gesehen haben. Sie berichteten Mose, Aharon und der gesamten Gemeinde in der Wüste Pharan, bei Kadesch, am südlichen Eingang des Landes, 60 km südöstlich des heutigen Rafah-Grenzübergangs: „Wir sind im Land gewesen, wo wirklich Milch und Honig fließt, aber…“.
„Das Volk im Land ist stark, die Städte sind sehr fest und groß. Die Enakskinder (Riesen) haben wir gesehen. Die Amalekiter wohnen im Süden. Die Hetiter, Jebusiter und Amoriter wohnen im Gebirge und die Kanaaniter am Meer und am Jordanfluss“, argumentierten zehn Kundschafter. Schon damals klagte die Mehrheit der Kinder Israels, wie gefährlich das Land „from the River and the Sea“ (vom Fluß bis zum Meer) sei. Die anderen zwei – Kaleb und Josua – waren anderer Meinung und sagten: „Lasset uns hinaufziehen und erben (וְיָרַשְׁנוּ) das Land, denn wir können es überwältigen!“ Kaleb kam aus dem Stamm Juda und Josua aus dem Stamm Ephraim. Nun diskutierten beide Seiten im Volk, wie heute in Israel. Die Kriegsgegner sagten: „Wir können nicht hinaufziehen gegen das Volk, denn es ist stärker als wir!“ Zehn Kundschafter vertrauen ihren Augen und zwei Kundschafter vertrauen Gott. Dasselbe Szenario ist in unserer Zeit ebenso im Land zu beobachten. Soll Israel in einen Krieg im Norden ziehen, um das Land zu verteidigen oder nicht?
Und dann heißt es: „Und sie brachten das Land, das sie erkundigt hatten, in Verruf bei den Kindern Israel“. Das Gelobte Land, in dem Milch und Honig fließt, ist auf einmal zu gefährlich, um es zu erobern. Die zehn Kundschafter haben das Traumziel und Gottes Verheißung in Verruf gebracht. Sie sagen: „das Land frisst seine Einwohner“ – אֶרֶץ אֹכֶלֶת יוֹשְׁבֶיהָ. Ein Begriff, der im Volk Israel bis auf den heutigen Tag verwendet wird. Wegen der Uneinigkeit der jüdischen Gesellschaft sagen wir immer wieder, dass dieses „Land seine Einwohner frisst“, im Sinne das Land gibt seinen Bewohnern weder Ruhe noch Frieden. Die Einwohner im Land zanken sich ständig. Dies erklärt vielleicht, warum Mose sagte, „Seht das Land, ob es gut oder schlecht ist“.
Wir müssen aufpassen, auch wenn wir Kritik gegen unsere Volksführung haben, das Land nicht in Verruf zu bringen. Auch wenn die Politik nicht unserer Vorstellung entspricht, müssen wir dennoch aufpassen, das Land nicht in Verruf zu bringen. Es ist sehr leicht, über alles im Land zu murren, denn vieles läuft hier falsch, und das muss man auch zugeben. Dennoch müssen wir Vorsicht walten lassen, damit wir das Land nicht in Verruf bringen. Wir müssen uns daran erinnern, wie Gott damals das Volk Israel bei der Landeinnahme überraschte und ihm half. So wird dies Gott auch in der Gegenwart wiederholen. Es kommt immer darauf an, wem wir uns anschließen wollen, den zehn oder den zwei Kundschaftern.





2.Mose 14,13+14
Mose aber antwortete dem Volk: Fürchtet euch nicht! Steht und seht die Rettung des HERRN, die er euch heute bringen wird! Denn die Ägypter, die ihr heute seht, die werdet ihr weiterhin in Ewigkeit nicht mehr sehen.
Der HERR wird für euch kämpfen, ihr aber werdet still sein [4].
[4] untätig bleiben
Es gibt Zeiten für Israel, da befiehlt der HERR: kämpfe, ich hab sie dir in deine Hand gegeben und ich werde mit dir sein. Dann aber auch Zeiten wo der HERR sagt: werde still, ich kämpfe für dich.
Da die Masse des Volkes Israel aber leider noch im Unglauben sind, ist das Vertrauen auf Waffen und Manneskraft zu groß. Der Glaube an den Gott, der dem Volk dieses Land gegeben hat und es wieder auferweckt hat, zu klein. Aber eines Tages wird der HERR eingreifen, wenn es aussichtslos zu sein scheint und alle Welt wird erkennen, dass Gott der HERR ist und Israel sein Augapfel.