all

all

Gedanken zum Schabbat

„Verfluchen oder segnen?“ Was passiert, wenn Worte nicht uns gehören?

Balak

Wochenlesung –  בָּלָק– Balak – Balak ; 4.Mose 22,2 – 25,9 ; Micha 5,6 – 6,8

 

Was passiert, wenn jemand, der eigentlich gegen Israel sprechen will, plötzlich Worte der Segnung über Israel ausspricht – und es nicht aufhalten kann? Warum fürchtet sich ein König nicht vor Schwertern, sondern vor Worten? Und, können auch wir heute lernen, auf die göttliche Stimme in uns zu hören, bevor wir sprechen? Die Wochenlesung Balak stellt uns überraschende Fragen: Wer hat Macht über unsere Worte? Was geschieht, wenn wir uns öffnen – und Worte sprechen, die nicht von uns stammen? Was kann diese uralte Geschichte über die Kraft der Worte, über Eitelkeit und Hinhören, über göttliche Führung und innere Wahrhaftigkeit heute noch sagen?

Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.   


 

In dieser Wochenlesung verlassen wir das Lager Israels und begegnen dem Lager der Nachbarn, der Moabiter. Es stellt sich heraus, dass die Moabiter große Angst vor dem Volk Israel haben, ja dieses Volk sogar regelrecht satt haben: „Und Moab fürchtete sich sehr vor dem Volk, denn es war zahlreich, und Moab ekelte sich vor den Kindern Israels.“ Der König von Moab, Balak – nach dem die Parascha benannt ist – fürchtet sich vor den Israeliten. Er ist ratlos und zerbricht sich den Kopf darüber, wie man gegen dieses starke Volk kämpfen kann. Er beschließt, weder diplomatisch noch militärisch vorzugehen. Seine Denkweise ist anders, ein Ansatz, bei dem er „um die Ecke denkt“. Er will das Volk Israel mit Worten schwächen.

Zugegebenermaßen ist dies ein völlig origineller Gedanke, manche würden sogar sagen, er habe den Verstand verloren. Aber Balak weiß sehr wohl, dass dieses Volk, das aus Ägypten gezogen ist, ein Volk des Wortes ist. Seine Kraft liegt im Wort. Das ist ein Volk, das mit seinem Gott durch das Wort einen Bund geschlossen hat. Ein Volk, das seine Religion, seinen Glauben und seine Identität über Tausende Jahre nur durch das Wiederholen der Worte, das Lesen der Worte und ihrer Weitergabe von Generation zu Generation bewahrt hat. Und Balak trifft die Entscheidung, sich an den großen Zauberer Bilam zu wenden und bittet um dessen Hilfe.

Er bittet ihn, das Volk Israel mit Worten zu verfluchen – Balak glaubt, dass alles, was der Zauberer sagt, sich auch erfüllt: „Wen du segnest, ist gesegnet, und wen du verfluchst, ist verflucht.“ Bilam ist ein Mann von Rang. Er hört die Stimme Gottes und nutzt sie. Er ist in der ganzen Gegend für seine prophetische Kraft bekannt, was er sagt, trifft ein. Als Bilam von den Gesandten des Königs Balak gebeten wird, zu kommen und das Volk zu verfluchen, antwortet er ihnen: „Bleibt hier über Nacht, dann werde ich euch Antwort bringen, wie der Ewige zu mir sprechen wird.“ Er wartet auf die Antwort Gottes und Gott antwortet ihm tatsächlich: „Du sollst nicht mit ihnen gehen, du sollst das Volk nicht verfluchen, denn es ist gesegnet.“

Bilam hört auf Gott und weigert sich, mit den Gesandten zu gehen, woraufhin eine noch größere und angesehenere Gesandtschaft zu ihm geschickt wird. Wieder bittet Bileam darum, „eine Nacht darüber zu schlafen“, um Gottes Antwort zu hören. Und Gott, der Herz und Nieren prüft, versteht, dass Bilam gehen will, er sehnt sich nach der Ehre und dem Ansehen von außen und er will unbedingt zeigen, was er kann. Daher lautet Gottes Antwort diesmal: „Wenn die Männer gekommen sind, dich zu rufen, steh auf und geh mit ihnen! Doch nur das Wort, das ich dir sagen werde, sollst du tun.“ Bilam hört und folgt dem Ruf.

Bilam kommt zum Treffen mit König Balak und öffnet seinen Mund, um dessen Willen zu tun, um zu gefallen und sein Ansehen zu steigern. Und der Mann, dessen ganzer Ruf auf seinen Worten basiert, öffnet den Mund und was kommt aus seinem Mund? Lobpreisungen über das Volk Israel. Dreimal versucht Balak sein Glück mit Bilam, wechselt den Ort, baut einen Altar nach dem anderen, aber Bilam, der Zauberer, der Magier, der Mann mit dem reinsten inneren Gehör, hört immer wieder die Worte, die Gott ihm in den Mund legt und spricht sie.

Dreimal sagt Bilam das Gegenteil von dem, was von ihm erwartet wird, was den König so sehr ärgert, dass er ihn fortschickt. Und Bilam antwortet ihm: „Werde ich nicht das bewahren und sprechen, was der Ewige in meinen Mund gelegt hat?“ Die Segnungen, die Bilam spricht und die Flüche, die er nicht ausspricht, sie sind nicht seine. Der, der segnet und der, der verflucht, ist Gott, Bilam ist nur sein Mund, ein Kanal wie ein Telegram-Kanal, ein Sprachrohr. König Balak versucht, Bilam als Werkzeug für seinen Sieg zu benutzen, aber Bilam beweist wiederholt, dass er selbst ein Werkzeug eines anderen Königs ist, eines größeren, stärkeren, allmächtigen Königs: Des Königs der Könige, des Gottes Israels.

Unsere Parascha Balak handelt von Zuhören und Sprechen. Was passiert, wenn ich wirklich auf die innere Stimme höre, auf die göttliche Stimme? Welche Antworten gebe ich auf das, was draußen und auch in mir selbst geschieht? Und was passiert, wenn ich nicht wirklich der inneren Stimme zuhöre, sondern meiner Eitelkeit, meiner Stellung, dem, was andere über mich sagen könnten, wie ich aussehe oder wie ich klinge?

Welche Antworten gebe ich dann? Diese Geschichte erinnert uns daran, dass Worte Gewicht und Kraft haben. Worte wirken, sie können erheben und stärken, aber auch schwächen und zerstören. Mit Worten erschuf Gott die Welt und mit Worten können auch wir unsere Welt erschaffen. Wie kann ich die richtigen Worte wählen? Wie kann ich vermeiden, automatisch oder aus Gewohnheit zu reagieren? Um die Antwort zu finden, braucht es echtes Zuhören. Nicht in Eile, nicht aus Gewohnheit, nicht aus emotionalem Aufruhr, nicht, weil es erwartet wird. Manchmal muss man einfach „eine Nacht darüber schlafen“, wie Bilam es tat. Warten. In sich hineinhören. Nicht aus Impuls heraus handeln. Dann – vielleicht – gelingt es, die innere Stimme, Gottes Stimme, zu hören. Und dann – vielleicht – kommt auch die präzise Antwort.

Manchmal passiert es mir, dass ich im Begriff bin, etwas zu sagen oder zu schreiben und plötzlich kommen ganz andere Worte über meine Lippen oder aus meiner Feder, als ob sie sich selbst schreiben, ohne dass ich sie geplant hätte. In solchen Momenten spüre ich eine tiefe Verbindung, eine Offenheit, als ob sich in mir ein neuer, überraschender Kanal geöffnet hätte, aus dem unerwartete, überraschende und verbindende Antworten kommen. Das sind die Momente, in denen ich die Zeile aus dem Gebet in mir verwirklicht fühle: „Adonai, öffne meine Lippen und mein Mund möge dein Lob verkünden.“ Wenn eine echte Verbindung besteht, wie sie Bilam hatte, wenn das Herz wirklich versteht, dann öffnen sich die Lippen, und die richtigen Worte kommen – erhebende und gute Worte.

Bilams Segen ist einer der schönsten in der gesamten Bibel, so schön, dass Israel ihn bis heute täglich im Gebet verwendet: „Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel.“ (4.Mose 24)

 

Schabbat Schalom!

 

Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :

  •  Jerusalem – Beginn 19:07, Ausgang 20:29
  •  Tel Aviv – Beginn 19:30, Ausgang 20:31
  •  Haifa – Beginn 19:20, Ausgang 20:33
  •  Beersheva – Beginn 19:28, Ausgang 20:29
  •  Eilat – Beginn 19:13, Ausgang 20:23

 

 

Wenn ihr mehr über die Wochenabschnitte lesen möchtet, könnt ihr mein Buch „Und wählt das Leben“ erwerben.  

 

About the author

Patrick Callahan

This is an example of author bio/description. Beard fashion axe trust fund, post-ironic listicle scenester. Uniquely mesh maintainable users rather than plug-and-play testing procedures.

Mitglieder

Israel Heute Mitgliedschaft


Digital Monatlich Digital Jährlich Print + Digital (Deutschland) Print + Digital (International)
Preis
6.90
/ Monat

(€82,80 Jährlich)
51,00
/ Jahr
63,00
/ Jahr
73,00
/ Jahr
Voller Zugang zu allen Mitglieder-Inhalten
Gedrucktes Magazin (6 Ausgaben pro Jahr)
Magazin als E-Paper
Exklusive Zoom-Veranstaltungen
Werbefreies Lesen
Kostenloser Probemonat
Ersparnis gegenüber dem Monatsabo - 38,41% / €31,80 23,91% / €31,80 11,84% / €31,80
Effektiver Jahrespreis €82,80 €51,00 €63,00 €73,00

Schreibe einen Kommentar

Anmelden