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Gedanken zum Schabbat

Wochenlesung – שְׁמִינִי– Schemini – Am achten Tag – 3.Mose 9,1 – 11,47  2. Samuel 6,1 – 7,17
Zwei Feuer und eins war fremd. In der Antike glaubten die Menschen, dass Feuer von Gott gesandt wurde.

Schabbat

Das Zeugnis der Realität lehrte sie, dass alle Dinge von der Erde angezogen werden, das heißt: Die Schwerkraft wirkt auf alles, was existiert, außer auf Feuer. Feuer ist das Einzige, was der Schwerkraft trotzt und in den Himmel zu Gott aufsteigt. Das Feuer spielte eine zentrale Rolle im Ritual. Das Feuer diente als Vermittler zwischen dem Opfernden und Gott.


Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

„Da sprach Mose: Was der HERR geboten hat, das sollt ihr tun, nur so könnt ihr die Herrlichkeit des HERRN sehen!“ heißt es in 3.Mose 9,6. Im Klartext bedeutet dies: Um Gottes Ehre (Kavod – כבוד) zu sehen, muss der Mensch Gottes Gebote halten, rein sein. „Da erschien die Herrlichkeit des HERRN allem Volk. Und es ging Feuer aus von dem HERRN und verzehrte das Brandopfer und die Fettstücke auf dem Altar. Als das Volk dies sah, jubelte es und fiel auf sein Angesicht.“ (Vers 24). Das plötzliche Feuer auf dem Altar war ein Zeichen dafür, dass Gott das Feuer entfachte und damit im Volk gegenwärtig war. Ein positives Feuer. Sein Feuer richtete keinen Schaden an, denn Er hatte das Feuer geschickt – zum Wohle der Menschen.

Bei Aarons Söhnen Nadav und Avihu sah die Sache dagegen anders aus. Zunächst heißt es, dass sie sündigten, aber ihre Sünde wird nicht ausdrücklich erwähnt. Bis heute gibt die Tatsache, dass beide sterben mussten, in der jüdischen Bibelauslegung Rätsel auf.

Im „Schlüssel zur Thora“ erwähnte mein Vater einen Midrasch, demnach „den beiden Söhnen die Ungeduld als Schuld zugeschrieben wird, denn die beiden konnten es nicht mehr mitansehen, dass ihr greiser Vater Aaron und dessen greiser Bruder Mose immer noch nicht die Führung des Volkes auf sie übertragen hatten“.

Ich möchte aus einer anderen Perspektive an die Sache herangehen. In Kapitel 10 steht: „Aber die Söhne Aarons, Nadav und Avihu, nahmen ein jeder seine Räucherpfanne und taten Feuer hinein (וַיִּתְּנוּ בָהֵן אֵשׁ) und legten Räucherwerk darauf und brachten fremdes Feuer vor den HERRN, das er ihnen nicht geboten hatte.“ Das Feuer entfachte sich also nicht selbstständig wie bei ihrem Vater, sondern Nadav und Avihu zündeten das Feuer selbst an. „Da ging Feuer aus von dem HERRN und verzehrte sie, dass sie starben vor dem HERRN.“ Das war ein fremdes Feuer, was Gott nicht gekannt hatte und damit ein negatives Feuer.

Man beachte obendrein, dass Aaron erst opferte, nachdem ihm Mose befahl, ein Opfer darzubringen. Bei Nadav und Avihu hingegen steht nicht geschrieben, dass sie von Mose den Befehl erhalten hatten, ein Opfer darzubringen. Es steht geschrieben, dass sie eine Pfanne mit Kohle nahmen, um Feuer anzuzünden – ein fremdes Feuer. Ihre Absicht mag positiv gewesen sein, sie wollten Gott ein Opfer darbringen, doch das Resultat war negativ. Die beiden jungen Priester haben das getan, was Gottes Aufgabe war, nämlich das Feuer anzuzünden.

Es gab also zwei verschiedene Feuer, eines wurde auf mysteriöse Weise entfacht und das andere auf natürliche Art mit einer Feuerfackel. Aarons Feuer symbolisierte Gottes Gegenwart und das andere Feuer war ein gewöhnliches Feuer, das der Mensch zum Heizen und Kochen nutzte. Küchenfeuer ist kein heiliges Feuer. Was ein Feuer heilig macht, ist ein Feuer von Gott, das sich sozusagen selbst entzündet, nur auf dem Altar brennt und Gott die Opfer darbringt.

Das wirft natürlich die Frage auf, was hat sich die junge Priestergeneration dabei gedacht? Warum haben sie das Feuer selbst entzündet und Moses Autorität ignoriert? Was wollten sie zeigen? Dass Feuer nur eine Naturgewalt ist, die Gott erschaffen hat und keine göttliche Macht repräsentiert. Haben Nadav und Avihu den Umgang mit Feuer entdeckt, das technologische Wissen? Sagt man nicht, dass Wissenschaft Gott begräbt? Wissen ersetzt Gott und entfernt Menschen von Gott. Oder haben die beiden den geheimnisvollen Umgang mit Feuer von ihrem Vater abgeguckt und ohne geistliche Genehmigung selbst durchgeführt? Darin lag ihr Trotz gegenüber Gott und Mose. Das ist aus dem hebräischen Bibeltext so zu verstehen und ergibt einen geistlichen Sinn. Der menschliche Verstand will alles realistisch verstehen und lässt keinen Raum für Glauben übrig. Gott dienen ist keine Technik, sondern Glaube, Liebe und Vertrauen.

Gottes Anwesenheit unter den Menschen hat nichts mit den Opfern und nichts mit dem Erscheinen des Feuers zu tun, sondern vielmehr mit dem Glauben an Gott selbst. Wer glaubt, dass Gott ihm nahe ist, spürt seine Gegenwart. Wer das nicht glaubt, dem nützt auch kein Opfer, keine Gebete, kein Ritual, keine Gemeinde, kein Drängen und kein Überreden. Das gilt auch für das Untertauchen im Wasser, Reinigung und Taufe. Nicht das Wasser, sondern der Glaube macht den Menschen neu. Ohne Glaube macht alles keinen Sinn. Oft zünden wir uns selbst einen „Gott“ im geistlichen Sinne an, der nichts mit dem wahren Gott Israels gemeinsam hat. Wie viele Menschen um uns herum kennen wir, die Gott nur technisch dienen, denn so sind sie aufgewachsen, sie kennen nichts anderes, wie die beiden jungen Priester. Das ist fremd für Gott, so wie das fremde Feuer!

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Patrick Callahan

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