Tacheles mit Aviel – Achtung! Beinahe wurde Psalm 150 verboten

Tacheles, offen und unverblümt sage ich meine Meinung. Wer mich kennt, weiß das. Mit Klartext und ohne Umschweife werde ich Themen auf den Kern der Sache bringen.

Tacheles: Musik an der Kotel muss erlaubt sein.
Tacheles: Musik an der Kotel muss erlaubt sein. Foto: Lee Aloni/FLASH90

Gestern früh wurde ich mit Meldungen via WhatsApp, Twitter, Telegram und alles Mögliche überflutet: „Achtung Freunde! Neue Regeln an der Klagemauer und wer sich nicht daran hält kann mit sechs Monaten Gefängnisstrafe rechnen.“ Die orthodox-sephardische Schass-Partei will nächste Woche einen neuen Gesetzentwurf vorlegen: wer an der Klagemauer musiziert oder nicht angemessen angezogen ist, kann mit einer Haftstrafe von sechs Monaten rechnen. Gitarren, Geigen, Trompeten und Trommel sollen zukünftig an der jüdischen Klagemauer verboten sein. Dies und vieles mehr will der umstrittene Parteichef Arie Deri so schnell wie möglich im israelischen Parlament durchsetzen. Erst vor wenigen Wochen entschied das Oberste Gericht in Israel, dass der Parteichef der strengreligiösen Schass, Arie Deri, sein Amt als Innen- und Gesundheitsminister nicht behalten kann. Die Richter stuften die Ernennung aufgrund von Deris Verurteilung wegen Steuervergehen im vergangenen Jahr als unangemessen ein.

Ist Arie Deri der Verteidiger der Kotel?

Die Empörung im Volk war überwältigend und dies drängte Schass in weniger als drei Stunden auf ihre vorgeschlagenen Gefängnisstrafen zu verzichten. Selbst Likudchef und Premierminister Benjamin Netanjahu war von der Initiative seiner orthodoxen Verbündeten überrascht. Die Haftstrafen wurden im Gesetzentwurf für die Klagemauer erst einmal aufgehoben. Dies kündigte der Sprecher der  orthodoxen Schass-Partei an. Benjamin Netanjahu musste das Volk persönlich und direkt in einem Video beruhigen: „Habt keine Angst, die Kotel (Klagemauer) wird so bleiben wie sie ist. Keiner rührt den Status quo der Klagemauer an. Und sollte jemals ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, dann ohne Gefängnisstrafen.“ Das heißt, wer will kann Gott weiterhin mit der Gitarre an der Klagemauer verherrlichen. Dies war bisher immer möglich.

„Damit sollte mehr Respekt für die Heilige Stätte errungen werden“, hieß das offizielle Statement der jüdischen Orthodoxie. Aber eigentlich will das orthodoxe Rabbinat damit die gemischten Gebete von Männern und Frauen verhindern, wie auch Frauengebete mit Gebetsmantel, Gebetsriemen und Thorarolle auf dem Platz vor der jüdischen Tempelmauer. Also eher ein Schlag gegen die Reformjuden, die einer neuen Richtung folgen, der die jüdische Orthodoxie nicht zustimmen kann. Dies machte Schass in ihrer Erklärung klar: „Die Kotel braucht kein Gesetz. Die meisten Juden respektieren die Heiligkeit des Ortes, mit Ausnahme der Frauen der Provokation, die ihn unter der Schirmherrschaft des Obersten Gerichtshofs immer wieder in ein politisches Schlachtfeld verwandeln“. Frauen dürfen nicht wie Männer an der Kotel beten und singen.

Polizisten bewachen die Frauen der Organisation
Polizisten bewachen die Frauen der Organisation „Women of the Wall“ beim Gebet an der Klagemauer.

Alle mein drei Jungs haben ihre Bar Mitzwa Feiern (13. Lebensjahr) und das Lesen aus der Thorarolle an der Klagemauer gemacht. Mit Musik, Gitarre und Trommeln. Kein Problem, das war bisher immer normal und wird es auch wahrscheinlich so bleiben. Einer der führenden Journalisten, Amit Segal, der selbst ein religiöser Jude ist, erinnerte seine Leser an Psalm 150: „Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligtum, lobet ihn in der Feste seiner Macht! Lobet ihn wegen seiner mächtigen Taten, lobet ihn ob seiner großen Majestät! Lobet ihn mit Posaunenschall, lobet ihn mit Psalter und Harfe! Lobet ihn mit Pauken und Reigen, lobet ihn mit Saitenspiel und Flöte! Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit lauten Zimbeln! Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja!“

Was damals zurzeit König Davids erlaubt war, wollten einige in der Regierung verbieten. Die Gemüter im Land tobten. In den sozialen Netzwerken wurde der absurde Gesetzesentwurf von allen Schichten im Volk kritisiert. „Die jüdische Klagemauer ist ein heiliger Platz für alle im jüdischen Volk und gehört nicht der jüdischen Orthodoxie.“ Selbst in der Likud Partei war man über diesen Vorschlag verärgert. Aber dieser Vorfall zeigt, dass Benjamin Netanjahu wachsam sein muss und ein waches Auge auf seine orthodoxen Verbündeten haben muss. Andere betonten, dass er in dieser Amtszeit wahrscheinlich öfters das Feuer seiner Verbündeten löschen muss. Feuerwehrmann Bibi.

Die Kotel ist das spirituelle Zentrum des Judentums.
Die Kotel ist das spirituelle Zentrum des Judentums.

Die Überreste der jüdischen Tempelmauer dürfen das Volk nicht spalten, damit spielen wir direkt in die Hände unserer Feinde. Dort wo einmal der erste und zweite Tempel stand, muss das Volk in Zion und in der Diaspora vereint auftreten. Ansonsten war die Wiedervereinigung Jerusalems im Sechstage Krieg 1967 umsonst. Was hilft es Israel und dem jüdischen Volk, in einer vereinten heiligen Stadt Jerusalem zu leben, wenn das Volk nicht vereint ist.  Die biblische Tempelmauer ist das Herz und Seele des jüdischen Volkes und darf auf keinen Fall zur Disharmonie im Volk führen. Das war nicht Gottes Sinn für seine Wohnstätte in Jerusalem.

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Patrick Callahan

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2 Kommentare zu “Tacheles mit Aviel – Achtung! Beinahe wurde Psalm 150 verboten”

  1. Serubabel Zadok sagt:

    Die orthodoxen Juden gehen mit dem neuen Gesetzentwurf für die Kotel eindeutig zu weit. Wollen die Gott spielen? Das ist eine Anmaßung, was die sich einbilden. Diese orthodoxen Gesetzesentwerfer gehören eingesperrt. Frauen sind nicht weniger wert als Männer und dürfen und sollen Gott ebenfalls verehren, so wie die Männer.

  2. marie.luise.notar sagt:

    Das war nicht Gottes Sinn für seine Wohnstätte in Jerusalem…abschließende Bemerkung von A.Schn…..Es war auch nicht Gottes Sinn, dass über die biblischen Anweisungen hinaus die sog. Überlieferungen eingeführt, trainiert und gelebt werden..dazu mehr in Offenbarung 22..18 Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu ihnen (etwas) hinzufügt, wird Gott ihm die PLAGEN zufügen, die in diesem Buche beschrieben sind.
    19 Und wenn jemand (etwas) hinwegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, wird Gott seinen Anteil an den Bäumen des Lebens und an der heiligen Stadt hinwegnehmen, die in diesem Buche beschrieben sind.
    EIGENTLICH HAT ISRAEL JA SCHON GENUG PLAGEN

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