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Gedanken zum Schabbat

Unsere heutige Wochenlesung umfasst den Beginn des dritten Buches der Tora, ein Buch, das vielen Lesern relativ kompliziert erscheint, weil es vor allem umfangreiche Erläuterungen in Bezug auf Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen enthält. Und doch steht hier einer der schönsten und bedeutendsten Verse: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“.

Mose

Wochenlesung –  וַיִּקְרָא– Wajikra – Und Er rief ; 3.Mose 1,1 – 5,26 ; Jesaja 43,21 – 44,23

Es gibt einen Unterschied zwischen Talent und Berufung, zwischen dem, worin wir gut sind, und dem, wozu wir berufen sind. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Worin besteht der Unterschied? Mehr darüber in dieser Wochenlesung.

 

Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.   


 

Wir können in vielen Bereichen talentiert sein, aber die Richtung und Bedeutung unseres Lebens erhalten wir durch das Gefühl einer Berufung – durch etwas, das wir tun sollen. Dies muss nicht unbedingt unsere Einkommensquelle sein, obwohl es das sein kann. Das erste Wort im dritten Buch der Tora hat eine große Bedeutung. Es heißt „Wajikra“ – „Und Er rief“.

So steht geschrieben: „Und er rief Mose, und der HERR redete zu ihm von der Stiftshütte aus und sprach“. Die Bibel sagt uns, dass Gott ständig zu Mose sprach. Warum also ist es notwendig, das Wort „Wajikra“ hinzuzufügen? Die Antwort lautet, dass Gottes Ruf an Mose in diesem Fall anders war als seine bisherigen Worte. Der anschließende Dialog drehte sich um Details und Vorschriften, die in den folgenden Versen dargelegt werden. Doch dem ging ein entscheidender Ruf voraus – eine erneute Berufung Moses, die über seine erste Berufung am Dornbusch hinausging. Damals hatte Gott ihm seine lebensbestimmende Aufgabe übertragen, das Volk aus der Sklaverei in die Freiheit zu führen.

Warum war nun ein zweiter Ruf notwendig? Wahrscheinlich, weil das Buch Wajikra auf den ersten Blick nicht direkt mit Mose verbunden zu sein scheint. In der rabbinischen Tradition wird es „Tora der Priester“ genannt, da es hauptsächlich Vorschriften für die Priester enthält. Mose jedoch war kein Priester – dieses Amt erhielt sein Bruder Aaron. Der Ruf zu Beginn des dritten Buches ist daher wie eine Botschaft Gottes an Mose, in etwa: „Du bist zwar kein Priester, aber du bist das Bindeglied, durch das ich dem Volk Israel alle meine Gebote übermittle – auch diejenigen, die die Priester betreffen“.

Wir neigen dazu, das Konzept der Berufung als selbstverständlich anzusehen, doch das ist es nicht. Berufung ist im Kern eine Aufgabe, die von Gott übertragen wird – ein Konzept, das seinen Ursprung in Seinem Wort hat, die Bibel.

Die Vorstellung, dass Gott Menschen als seine Partner und Gesandte beruft, ist revolutionär. Die Geschichte Israels begann mit Gottes Ruf an Abraham, er solle sein Land, seine Heimat und sein Elternhaus verlassen. Seither berief Gott unsere Vorväter, rief Mose, die Propheten und viele andere. Eine der bewegendsten Berufungsgeschichten ist die des Propheten Samuel. Seine Mutter Hanna hatte ihn von Kindheit an dem Dienst im Heiligtum von Schilo geweiht, wo er als Gehilfe des Priesters Eli diente. Eines Nachts hörte er eine Stimme, die seinen Namen rief. Er glaubte, dass Eli ihn gerufen hatte und eilte zu ihm, doch Eli sagte ihm, er habe nicht gerufen. Dies geschah mehrmals, bis Eli erkannte, dass Gott selbst den Jungen rief. Er wies Samuel an, beim nächsten Mal zu antworten: „Rede, Herr, denn dein Diener hört“. (1.Samuel 3) Samuel hätte nie erwartet, dass Gott ihn berufen würde – doch so geschah es. So begann sein Leben als Prophet, Richter und Gesalbter der ersten beiden Könige Israels, Saul und David.

Das Konzept der Berufung gibt es noch immer. Es bewegt nach wie vor Menschen, die an Gottes Vorsehung glauben. Ich beobachte seit eineinhalb Jahren, wie unscheinbare Menschen sich dazu berufen fühlen, für die Freilassung der Geiseln einzutreten. Anfangs war es ein natürlicher Impuls, ihre Familienmitglieder zu retten. Doch allmählich erkannten sie, dass es um viel mehr ging, sie wurden zu Gesandten dieser Zeit, und durch ihr Handeln verwirklichten sie ihre Berufung. Wir alle haben die Heimkehr der Geiseln gesehen. Abgemagert, gequält, mit dem Wissen um das Schlimmste und den Verlusten, die sie erlitten haben. Doch trotz Schmerz und Leid erhoben sie sich über ihr persönliches Trauma zu einer höheren Mission: die Rückkehr ihrer noch gefangenen Brüder und Schwestern aus den Höllentunneln.

Ein herausragendes Beispiel ist Eli Sharabi, dessen abgemagerter Körper und tiefe Trauer unübersehbar sind. Nach seiner Rückkehr erfuhr er vom Tod seiner Frau und seiner beiden Töchter. Während seiner Gefangenschaft hatte er 44 Kilogramm Gewicht verloren. Und doch – kaum zurück in Israel – gab er Interviews, erzählte, was sie durchgemacht hatten, und beschrieb die enorme seelische Kraft, die er den jungen Geiseln in dieser Dunkelheit in Gefangenschaft geben konnte. Er war ihnen ein Vater und spendete ihnen Hoffnung auf das Leben.

Kurz nach seiner Rückkehr reiste er mit einer Delegation befreiter Geiseln in die USA, traf sich mit Präsident Trump, schilderte ihm ihr Schicksal und bat ihn, sich für die noch Gefangenen einzusetzen. Seitdem reist er unermüdlich um die Welt, erzählt, beschreibt und ruft zur Hilfe auf – zur Heimkehr aller. Das ist wahre Berufung – ohne persönliche Berechnung.

Wenn wir unsere eigene Berufung im Leben finden wollen, sollten wir aufhören zu fragen, „Was will ich vom Leben?“, und anfangen zu fragen „Was will das Leben von mir?“ Wie entdeckt jemand seine Berufung? Es gibt einige Merkmale dafür, die wir aus der Bibel lernen:

  • Sie ist einzigartig für die betreffende Person.
  • Die Person hat die Fähigkeiten, sie zu erfüllen.
  • Sie bringt Freude, neue Energie und Lebenssinn.
  • Sie wird nicht sofort erkennbar – oft führt der Weg durch Irrtümer, bevor man sie findet.

Jeder von uns hat von Gott eine Aufgabe erhalten – sei es ein Akt der Güte, ein Geschenk, das wir geben sollen, eine Liebe, die wir teilen können, eine Last der Einsamkeit, die wir lindern können, einen Schmerz, den wir heilen können, oder ein zerbrochenes Leben, das wir helfen können zu reparieren. Wenn wir Gottes Ruf hören, fühlen und erkennen – und uns auf den Weg machen – gibt uns der Allmächtige Vater im Himmel unserem Leben Bedeutung und Ziel.

 

Schabbat Schalom!

 

Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :

  •  Jerusalem – Beginn 18:21, Ausgang 19:37
  •  Tel Aviv – Beginn 18:43, Ausgang 19:39
  •  Haifa – Beginn 18:32, Ausgang 19:39
  •  Beersheva – Beginn 18:42, Ausgang 19:38
  •  Eilat – Beginn 18:30, Ausgang 19:37

 

 

Wenn ihr mehr über die Wochenabschnitte lesen möchtet, könnt ihr mein Buch „Und wählt das Leben“ erwerben.  

 

About the author

Patrick Callahan

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