„Der Tempelberg muss für Israel oberste Priorität haben“

Knessetdebatte unterstreicht zentrale Rolle des Tempelbergs in der jüdischen „Verbindung zum Land Israel“

von Ryan Jones |
Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

Die zentrale Bedeutung des Tempelbergs wurde letzte Woche während einer Sitzung in der Knesset deutlich, als es um den Zustand der Mughrabi-Brücke ging, dem einzigen Zugangspunkt zu der heiligen Stätte für Juden und Christen.

Die Mughrabi-Brücke, eine große, größtenteils hölzerne Konstruktion, die sich neben der Klagemauer befindet, ist in einem schlechten Zustand und Experten befürchten, dass sie in naher Zukunft einstürzen könnte.

Das kommt bei den Abgeordneten der Knesset nicht gut an, besonders bei den bibelgläubigen Juden unter ihnen.

 „Die Frage des Aufstiegs auf den Tempelberg muss für Israel höchste nationale Priorität haben“, sagte der Abgeordnete Simcha Rothman von der Fraktion des religiösen Zionismus. „Der Tempelberg symbolisiert unsere Verbindung zum Land Israel.“

Rothman erwähnte in seinen Ausführungen, die von Israel365 übertragen wurden, die Tragödie bei einer religiösen Veranstaltung in Meron vor ein paar Monaten. Er wies darauf hin, dass die Frage der Mughrabi-Brücke weit über die öffentliche Sicherheit hinausgehe.

„Wir sind in unser Land zurückgekehrt. Wir sind zurückgekehrt mit dem berühmten Ausdruck ‚der Tempelberg ist in unseren Händen‘. Aber das muss zur Realität werden. Die Erreichbarkeit des Tempelbergs muss im Mittelpunkt stehen und darf kein Nebenschauplatz sein. Dies muss ein wichtiger Aspekt unserer nationalen Infrastruktur sein“, betonte Rothman.

Der Abgeordnete fragte weiter, wie die Mughrabi-Brücke nach dem Bau des Dritten Tempels den jüdischen Verkehr zur heiligen Stätte bewältigen könne.

„Der Eingang zum Tempelberg kann keine provisorische Struktur sein“, erklärte Rothman. „Wir müssen darüber nachdenken, wie die Menschen auf den Tempelberg gehen werden, wenn der Tempel wieder aufgebaut ist.“

Die Mughrabi-Brücke. der einzige Zugang zum Tempelberg für Nicht-Muslime, ist einsturzgefährdet.

 

Bitterer Widerspruch, stille Revolution

Der Tempelberg in Jerusalem ist heute eine Quelle bitterer Widersprüche. Mit großer nationaler Freude kehrte die heilige Stätte 1967 in jüdische Hände zurück, doch heute wird sie faktisch von einer in Jordanien ansässigen islamischen Stiftung, dem Waqf, verwaltet.

Darüber hinaus schützt das israelische Gesetz technisch gesehen die Religionsfreiheit und die religiöse Meinungsäußerung an der Stätte, wie überall im Lande, obwohl die israelische Polizei in der Praxis Juden und Christen verbietet, auf dem Tempelberg zu beten oder das Gelände mit Bibeln zu betreten. Dies geschieht aus Angst vor einem gewalttätigen Ausbruch von Muslimen.

Der israelische Nachrichtensender Channel 12 berichtet, dass in den letzten Monaten eine kleine Gruppe jüdischer Männer mit stillschweigender Billigung der Polizei regelmäßig Gebetsstunden auf dem Tempelberg abhält.

„Seit Monaten betet dieses inoffizielle Gebetsquorum jeden Morgen auf dem Tempelberg“, sagte der Channel 12-Korrespondent für religiöse Angelegenheiten, Yair Cherki, der die unauffällige Gebetsversammlung filmte. „Das ist eine Revolution, die sich leise und allmählich unter dem Radar entfaltet.“

Um unter dem Radar zu bleiben, tragen die jüdischen Gläubigen keine Gebetsbücher, keine Gebetsschals, Tefillin oder andere offenkundig religiöse Embleme. Dennoch wissen die Waqf-Beamten von der täglichen morgendlichen Versammlung, haben aber bisher kein Aufheben darum gemacht, was ebenfalls einen Bruch mit dem Status quo darstellt.

 

Im Glauben nach vorne schauen

Am Sonntag war Tischa BeAv, das Datum des hebräischen Kalenders, an dem das jüdische Volk weltweit der Zerstörung des Tempels und anderer Tragödien gedenkt, die ihre Nation heimgesucht haben.

Aber es ist auch eine Zeit des Glaubens, des Ausblicks auf eine Zukunft, in der die biblischen Prophezeiungen erfüllt werden und der jüdische Tempel wieder auf dem Tempelberg steht.

Das Tempel-Institut ist eine Organisation, die gegründet wurde, um all die Utensilien und Protokolle vorzubereiten, die benötigt werden, wenn dieser Tag kommt. Und jedes Jahr bringen sie einen Videoclip heraus, der zeigt, wie das Leben nach dem Wiederaufbau des Tempels aussehen könnte.

Der englischsprachige Clip zeigt einen durchschnittlichen religiösen israelischen Mann bei seinem Morgenkaffee, bevor er enthüllt, dass er ein Tempelpriester ist, und zeigt seinen jungen Sohn, der ihm hilft, sich für seinen täglichen Dienst in den heiligen Höfen vorzubereiten.