Liebe Freunde, ich versuche ab und zu etwas über die wöchentliche Parascha zu schreiben. Nicht mehr als ein Punkt und ein Winkel, worüber wir unter Freunden oft diskutieren. Wir reden und lieben Bibel. Noch eine „Reaktion zur Thora“. Vor 25 Jahren hat mein Vater zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Die Wochenlesungen der fünf Bücher in der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft Licht auf den gesamten biblischen Text und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken bewegt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Die Wolke und der Nebel sind übliche Wege der Offenbarung des biblischen Gottes. In diesem Wochenabschnitt, der letzte im Buch 2.Mose, kommt in den letzten Versen des Buches ein Paradox mit der Wolke vor.
„Da bedeckte die Wolke die Stiftshütte, und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung. Und Mose konnte nicht in die Stiftshütte gehen, solange die Wolke darauf blieb und die Herrlichkeit des HERRN die Wohnung erfüllte. Wenn sich aber die Wolke von der Wohnung erhob, so brachen die Kinder Israel auf und reisten weiter. Wenn sich aber die Wolke nicht erhob, so brachen sie nicht auf bis zu dem Tag, da sie sich erhob. Denn die Wolke des HERRN war bei Tag auf der Wohnung, und des Nachts war Feuer darauf vor den Augen des ganzen Hauses Israel, während aller ihrer Reisen.“
Israels Stämme widmeten ihr Eigentum, ihre Energie und Zeit der Errichtung der Stiftshütte. Als aber die Arbeit endlich beendet war, stand das Volk vor einem technischen Problem. Keiner durfte hinein. Wenn die Wolke, also Gottes heilige Gegenwart in der Stiftshütte ist, ist das sozusagen die passende Zeit, mit Gott in der Stiftshütte zu sprechen und anzubeten. Aber gerade zu diesem Zeitpunkt kann Mose nicht in die Stiftshütte hinein, denn die Wolke bedeckte die Stiftshütte und verweigerte Mose den Zugang in Seine Wohnung – „denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung“.
Aber sobald sich die Wolke erhob und Gott die Stiftshütte verließ, war dies ein Signal, dass die Stiftshütte eingepackt werden sollte und die Kinder Israels aufbrechen mussten. Dem biblischen Text zufolge besteht also keine Gelegenheit, in der die Stiftshütte, Gottes Wohnung, den eigentlichen Zweck zu erfüllt – Gott zu treffen. Wenn Gott in seiner Wohnung ist, dürfen die Menschen nicht hinein und sobald Gott von der Stiftshütte in den Himmel aufsteigt, muss das Volk das Zelt einpacken und weiterziehen. Also keine Option für eine Anbetung. In beiden Fälle ist kein Eintritt für Mose und seinen Priester in die Stiftshütte möglich.
Wie kann man also verstehen, was Gott damit sagen will? „Und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung.“ Gottes Herrlichkeit wohnt in der Wolke in der Stiftshütte. Wie heißt es, als Gott Mose die Zehn Gebote auf dem Berg Sinai gab: „Mose aber ging in den Nebel hinein, denn darinnen war Gott“. In den deutschen Bibelübersetzungen wird dieser Vers mit Dunkel oder Finsternis übersetzt, aber im hebräischen Bibeltext steht dafür Nebel – הָעֲרָפֶל. Nebel und Wolke ist dasselbe. Solange die Wolke Gottes Wohnung bedeckte, durfte Mose nicht hinein, aber sobald Mose von Gott gerufen wird, darf er in die Wolke hinein, so wie Mose von Gott auf den Berg Sinai gerufen wurde und in den Nebel hineinging. Ohne Gottes Ruf kein Eintritt.
Was können wir daraus schließen? Wir müssen auf Gottes Ruf warten und dann können wir Gottes Herrlichkeit in der Wolke treffen, spüren und anbeten. Und Gottes Ruf kommt sehr schnell. In 3. Mose lautet der erste Vers: „Und Er rief Mose und der HERR redete zu ihm von der Stiftshütte aus“. Daher heißt Levitikus, das dritte Buch in der Torah Vajikra (וַיִּקְרָא) „Und er rief“. Und mit diesem Ruf beginnt in 3. Mose der Opferprozess in der Wohnung Gottes. Regeln, die in jeder Beziehungen zwischen Menschen wichtig sind und so auch zwischen Gott und uns.
Die Wolke zeigt uns Gottes Unbegreiflichkeit, denn eine Wolke kann man nicht anfassen. Die Wolke zeigt uns auch Gottes Nähe. Die Wolke, Gottes Gegenwart, blieb nicht nur oben auf dem Berg Sinai, sondern sie kam herab und bedeckte die Stiftshütte und diese war das Herz im Lager der Kinder Israels. Schon damals sagte Gott: „Ich bin mitten unter euch“. Und die Wolke zog auch mit und führte das Volk, war also die Führung Gottes. In der Wolke oder im Nebel fühlst du dich alleine, du siehst deine übliche Umgebung und Welt nicht mehr. Mysteriös. Deine Sinne machen Überstunden in der Unbegreiflichkeit. Das fühlen viele Menschen zur Zeit im Land, alles ist unbegreiflich, und dies drängt Menschen näher zu Gott, denn unsere Sinne sind schärfer.
Wolken sind wie ein himmlischer Schleier der Gegenwart Gottes, sein Wagen und der verborgene Platz Seiner Stärke. Es gefiel Gott, seine Gegenwart in einer Wolke zu offenbaren. Wolken sind wichtig für das Lebewesen. Denn sie speichern das verdunstete Wasser aus Flüssen, Seen und Weltmeeren, tragen es weiter und verteilen es als Regen schließlich auf andere Teile dieser Erde. So ist Gott wichtig für unser Leben und Segen, aber das hat auch Regeln, die Gott uns aufweist.





Vielen lieben Dank für die Auslegung des Bibelwortes, es hat mir viel Aufschluss gegeben und mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich lerne immer wieder gern dazu.🫠