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Gedanken zum Schabbat

Noach, ein Jenseits der Natur?

Noach

Wochenlesung – נֹחַ – Noach – Noah ; 1.Mose 6,9 – 11,32 ; Jesaja 54,1 – 55,1

Sind wir von Natur aus gut oder schlecht? Dies ist eine jahrhundertealte Frage, über die sich die größten Denker uneinig sind. Was sagt uns diese Wochenlesung zu diesem Thema?

 


Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

Die Bibel lehrt uns, dass wir sowohl gut als auch schlecht sein können. Die Geschichte, die mit der Erschaffung der Welt beginnt und mit der Geschichte von Noach (Noah) und der Sintflut endet, hat eine spiralförmige Struktur. Zunächst erschuf Gott ein geordnetes Universum, dann den Menschen. Doch als es an den Menschen war, zu erschaffen, erschufen sie eine Welt des Chaos: „Die Erde war voller Gewalttat“ (1. Mose 6:11) und das so früh schon nach der Weltschöpfung. Deshalb beschloss Gott, die Schöpfung durch eine Flut zu vernichten.

Gott bringt die Welt in gewisser Weise an ihren Anfang zurück, in die Zeit, als „Und die Erde war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern“. Nach der Flut beginnt die Menschheit mit Noach und seiner Familie, die nun die Rolle von Adam und Eva übernehmen, von Neuem. Die Kapitel 8 und 9 im ersten Buch Mose sind also eine zweite Runde der Kapitel 1 und 3, aber mit zwei wichtigen Unterschieden.

Der erste Unterschied betrifft ein Schlüsselwort, das in beiden Geschichten sieben Mal vorkommt, jedoch in beiden Geschichten unterschiedlich ist: In Kapitel 1 lautet das Wort „gut“, während in Kapitel 9 das Wort „Bund“ ist.

Der zweite Unterschied besteht darin, dass in beiden Geschichten erwähnt wird, dass der Mensch im Bilde Gottes geschaffen ist, jedoch die Konsequenzen unterschiedlich sind. In Kapitel 1 heißt es: „Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie“. In Kapitel 9 heißt es hingegen: „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden, denn im Ebenbilde Gottes hat Er den Menschen gemacht“. (1. Mose 9,6)

Kapitel 1 sagt: „Ich“ bin nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen. Kapitel 9 sagt: „Du“, mein potenzielles Opfer, bist nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen. Kapitel 1 erzählt von menschlicher Macht, Kapitel 9 von den moralischen Grenzen dieser Macht. Wir können töten, aber wir dürfen es nicht. Wir haben die Macht, aber nicht das Recht.

Gott schuf den Menschen in der Überzeugung, dass sie sich auf natürliche Weise für das Gute entscheiden würden. Sie müssten nicht vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ essen, denn der natürliche Antrieb würde sie zum rechten Verhalten führen. Aber das ist nicht geschehen: Adam und Eva sündigten, Kain beging einen Mord und innerhalb weniger Generationen stürzt die Welt ins Chaos.

Nun heißt es in der Bibel, „Gott sah, dass die Bosheit des Menschen groß war auf der Erde und alles Sinnen seines Herzens böse war“ (1. Mose 6,5) Der Rest der Schöpfung war „gut“, wie es in der Schöpfungsgeschichte heißt, doch der Mensch war es nicht. Und hier liegt das Problem. Die Lösung laut der Bibel ist der Bund, der moralische Gesetze in die Welt bringt. Ein moralisches Gesetz ist kein Naturgesetz. Naturgesetze regeln die Konstanz in der Natur, moralische Gesetze wie „Nicht stehlen, betrügen, rauben“ regeln das menschliche Verhalten.

Mit dem Bund beginnt eine neue Ära, in der der Schwerpunkt von der natürlichen Güte auf den moralischen Bund übergeht. Die menschliche Kultur wandelt sich von Natur zu Gesetz. In diesem einfachen Übergang wird die Ethik geboren.

Gottes heiliges Wort lehrt uns, dass unsere menschliche Natur weder gut noch schlecht ist, doch dass uns die Fähigkeit innewohnt, sowohl gut als auch schlecht zu sein. Wir haben eine natürliche Neigung zu Mitgefühl, aber auch einen mächtigeren Antrieb zur Angst, der zu Gewalt führen kann. Daher führt die Bibel vom Schöpfungsmythos mit Adam über die Geschichte von Noach weiter vom Naturzustand zum Gesetz, vom „Guten“ zum Bund und von der Macht zu den moralischen Grenzen der Macht. Die Gene allein reichen nicht aus. Wir brauchen auch moralische Gesetze, die uns Gott in seinem Wort vorgelegt hat.

 

Schabbat Schalom!

 

 

Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :

  •  Jerusalem – Beginn 16:09 Ausgang 17:26
  •  Tel Aviv – Beginn 16:31 Ausgang 17:28
  •  Haifa – Beginn 16:19 Ausgang 17:26
  •  Beersheva – Beginn 16:32 Ausgang 17:29
  •  Eilat – Beginn 16:29 Ausgang 17:30

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Patrick Callahan

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