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Gedanken zum Schabbat

Schon in biblischer Zeit war es nicht leicht, zwischen falschen und wahren Propheten zu unterscheiden. Und heute? 

Mose

Wochenlesung – רְאֵה – Re´eh – Siehe ; 5. Mose 11,26 – 16,17 ;  Jesaja 54,11 – 55,5

 

Parascha „Siehe“ ist der vierte Wochenabschnitt in 5. Mose. Wie überwindet man Versuchungen, die uns aus allen Ecken überfallen? Kann man sich davor schützen, in das Netz der falschen Propheten zu fallen?


Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

Unser Wochenabschnitt beginnt mit dem Gesetz der Zentralisierung der Anbetung. Das Gesetz befiehlt, die Anbetung fremder Götter zu bereinigen und dann die rechtmäßige Anbetung des Gottes Israels an einem Ort zu zentralisieren. Während der Wüstenwanderung der Kinder Israels war die Verehrung und Anbetung Gottes überall erlaubt. Diese Zeit, in der das Volk den Herrn überall verehrte, wird in unserem Abschnitt als eine Zeit religiöser Anarchie dargestellt: „Ihr dürft nicht so handeln, wie wir es heute hier tun, dass jeder nur das tut, was recht ist in seinen Augen.“ (5. Mose 12,8) Die Botschaft ist klar. Das Leben braucht Ordnung, es braucht Grenzen, und deshalb verlangt Gott, dass die Anbetung nicht wie bisher überall, sondern an einem Ort, im Tempel, stattfindet. In Jerusalem, auf dem Berg Morija. Zum anderen haben die Priester so einen besseren Überblick, wie der Gottesdienst im Tempel abläuft.

Gott bereitet die Kinder Israels auf mögliche Versuchungen vor, in denen Menschen versuchen, sie zu fremder Anbetung zu verführen und ihnen falsche Versprechungen zu machen. Und das bringt mich zum Thema der falschen Propheten in diesem Wochenabschnitt. Falsche Propheten gab es zu allen Zeiten und gibt es auch heute. Es sind Menschen, die im Namen Gottes mit Zuversicht und Autorität sprechen und laut Bibel sogar Zeichen und Wunder wirken können, um ihre Worte zu rechtfertigen. Sie sind charismatisch, ihre Worte sind eindrucksvoll, sie versprechen eine nahe Erlösung. Alles klingt oft so gut, dass es kaum wahr sein kann. Wie kann man da widerstehen?

Die Prophetengeschichte erzählt, dass der Prophet Jeremia mit dem falschen Propheten seiner Generation, Hananja, konfrontiert wurde. Jeremia und Hananja sprachen im gleichen Stil, in ähnlicher Rhetorik. Das irritierte die Zuhörer. Warum sollte man Jeremia glauben, der ein fernes Heil versprach, wenn es einen anderen (falschen) Propheten gab, der ein nahes Heil „in nur zwei Jahren“ versprach? Falsche Propheten und andere irreführende Führer haben schon immer Menschen verführt. Heute leben wir in einer Zeit, in der Israels Volksführer Benjamin Netanjahu als falscher Prophet und falscher Messias verleumdet wird, weil er das Volk spaltet und in den Abgrund führt. Andere sehen in bestimmten Rabbinern falsche Propheten, die bei jedem Erdbeben oder jeder anderen Katastrophe die LGBT-Gemeinde oder Israels Linke im Volk verurteilen.

Dies ist überall zu beobachten, nicht nur in jüdischen, sondern auch in christlichen und messianischen Kreisen. Auch selbsternannte Propheten erzählen ihren Anhängern alles Mögliche, und diese glauben und vertrauen ihnen. Aber niemand überprüft diese „Propheten oder Prediger oder Redner“, ob ihre Versprechungen wahr sind und ob sie in den letzten Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren tatsächlich eingetroffen sind. Diese modernen „Propheten“ wissen, wie man die Nerven kitzelt und was die Menschen hören wollen, sie spielen auf den richtigen Saiten.

Und da sind wir bei der Versuchung. Versuchung ist ein ständiges Problem, es ist ein Verlangen nach etwas, das wir sehr begehren, von dem wir aber wissen, dass es schlecht oder verboten ist. Manchmal ist es verboten, weil es gegen die Moral, die Religion oder das Gesetz verstößt, und manchmal ist es schlecht für uns, weil es einen hohen Preis hat. Das Verlangen nach dem Begehrenswerten, dem Sofortigen, und manchmal sogar das Verbot selbst erhöhen den Nervenkitzel des Risikos und der Kühnheit, Grenzen zu überschreiten. Das wird gleich am Anfang der Bibel deutlich, als Eva, die von allen Bäumen essen durfte, sich ausgerechnet zum verbotenen Baum der Erkenntnis hingezogen fühlte. Eva konnte der Versuchung nicht widerstehen.

Der Umgang mit der Versuchung wird schwieriger, wenn der Verführer die richtigen Saiten aufzieht, um uns zu seinem Vorteil zu verführen. Und Menschen sind oft naiv und schlucken alles. Die Fähigkeit, diesem Reiz und diesen Verführern zu widerstehen, ist keineswegs selbstverständlich. Diese Botschaften der Zurückhaltung, der Impulskontrolle, der Kontrolle der Begierden usw. sind immer und überall wichtig. Der Abschnitt lehrt uns, uns vor den Verführern zu hüten, und ich füge hinzu, auch vor uns selbst. Vor allem aber gibt Gott uns Weisheit und öffnet uns die Augen, um zwischen falschen Propheten und echten Propheten, zwischen falschen Messiassen und dem wahren Messias unterscheiden zu können.

Am Ende des Sommers beginnt der jüdische Monat Elul, der Monat der Barmherzigkeit und der Vergebung. „Und er dir Barmherzigkeit erweist und sich über dich erbarmt.“ (5. Mose 13,18) Warum zweimal Barmherzigkeit im selben Vers? Warum zweimal die Wurzel für Barmherzigkeit – rachamim (רחמים)? Die Absicht hier ist, dass Gott dir immer die Gnade gibt, barmherzig zu sein, und dadurch wird er immer barmherzig zu dir sein, und du wirst selbst barmherzig zu ihm sein.

Die Eigenschaft der Barmherzigkeit ist eine große Herausforderung, die Gott an den Menschen stellt, sie ist eine weitere große Gnade, die Gott dem Menschen erweist, um ihm einen Weg aus allen Schwierigkeiten und Nöten zu bieten. Schon der Prophet Ezechiel sagt, dass Gott nicht am Tod der Gottlosen interessiert ist: „So wahr ich lebe, spricht Gott, der Herr: Ich habe kein Gefallen am Tod des Gottlosen, sondern daran, dass der Gottlose umkehre von seinem Weg und lebe! Kehrt um, kehrt um von euren bösen Wegen! Warum wollt ihr sterben, o Haus Israel?“ (Ezechiel 33,11) Gott will den Menschen nicht für seine Sünden bestrafen und ihm Schwierigkeiten und Leiden bereiten. Gottes Alternative zur Strafe ist Barmherzigkeit und Vergebung. Das ist die biblische Vorstellung von Erlösung und Messias.

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Gedanken zum Schabbat”

  1. Danny sagt:

    „Gott will den Menschen nicht für seine Sünden bestrafen und ihm Schwierigkeiten und Leiden bereiten. Gottes Alternative zur Strafe ist Barmherzigkeit und Vergebung. Das ist die biblische Vorstellung von Erlösung und Messias.“

    Amen, Amen!

    Besonders wird Gottes Liebe zu uns Menschen gerade darin sichtbar, das er selbst Mensch wurde (Joh.1) um das Passah-Lamm (Joh.1,29) für uns zu werden. Er starb und vergoss (als Mensch) sein Blut für uns, um uns zu erlösen. Er nahm den Fluch der Sünde auf sich und bezahlte den vollen Preis! Es ist die einzige Alternative zum ewigen Tod, nämlich das Jesus diese Sünden bezahlt, das er an deiner Stelle die Schuld tilgt und Sühnung tut. Man muss nur zu Jesus kommen und das Wasser des Lebens gratis annehmen. Wer da will, der komme.

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