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Gedanken zum Schabbat

Im Verborgenen sündigen wir Menschen am meisten und das ist kein Geheimnis.

Wochenlesung –  כִּֽי־תָב֣וֹא – Ki Tavo – Wenn du kommst ; 5.Mose 26,1 – 29,8 ; Jesaja 60,1 – 22

 

Wir meinen, wenn uns die Menschen nicht sehen, dann sieht uns auch Gott nicht. In diesem Sinne belehrt Mose das Volk Israel bezüglich Segen und Fluch auf den Bergen Garizim und Ebal. Den Schwerpunkt setzt Mose dabei auf die Verfluchten. Denn diese Menschen sündigen doppelt.

 


Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

In unserer Wochenlesung wird das Volk Israel von Mose angewiesen, die Zeremonie der Segnungen und Flüche auf den Bergen Garizim und Ebal durchzuführen. Mose legt fest, welche Stämme auf dem Berg der Segnungen – dem Berg Garizim – und welche auf dem Berg der Flüche – dem Berg Ebal – stehen sollen. Anschließend führt unsere Parascha auf, welche Taten denjenigen, der sie begeht, segnen und welche Taten ihn verfluchen: „Verflucht sei der Mensch, der ein Götzenbild oder ein gegossenes Bild macht, ein Gräuel vor dem Herrn, ein Werk von Künstlerhand – und es heimlich aufstellt. Verflucht sei, wer seinen Vater und seine Mutter verachtet! Verflucht sei, wer seines Nächsten Grenze verrückt! Verflucht sei, wer einen Blinden auf dem Wege irreführt! Verflucht sei, wer das Recht des Fremdlings, des Waisleins und der Witwe beugt! Verflucht sei, wer bei seines Vaters Weibe liegt, denn er hat seinen Vater entblößt! Verflucht sei, wer seinen Nächsten heimlich erschlägt! Verflucht sei, wer Bestechung annimmt, so dass er eine Seele erschlägt, unschuldiges Blut“. Dies und mehr wird in der Wochenlesung aufgezählt und das Volk antwortete nach jeder Warnung mit Amen.

Jüdische Gelehrte haben sich mit der Frage beschäftigt, was diese Verbote von den anderen in der Tora unterscheidet. Das Besondere an diesen Verboten ist die Tatsache, dass die Missetaten im Verborgenen begangen werden. Menschen, die äußerlich als Gerechte erscheinen, aber in Wirklichkeit korrupt sind, sind die gefährlichsten für die Reinheit der Gesellschaft. Man muss sich besonders vor ihnen schützen, da ihre schlechten Taten unbekannt sind und daher nicht von der Umgebung bestraft werden können.

Weiter können wir uns fragen, warum erwähnt unsere Wochenlesung nur die Verfluchten und nicht die Gesegneten? Wäre es nicht besser und schöner, die Gesegneten zu nennen, von denen wir durch Umkehrschluss lernen könnten, wer die Verfluchten sind? Außerdem, was ist so großartig an einem Menschen, der keine heimliche Götzendienerei betreibt, sodass er eine besondere Segnung von Gott verdient? Genauso bei jemandem, der keinen Grenzstein verschiebt oder seinen Nächsten nicht heimlich erschlägt – dies sind doch grundlegende menschliche Verhaltensweisen. Muss man jemanden besonders segnen, nur weil er kein Bösewicht ist?

Wir alle kennen die menschliche Schwäche und die Versuchung, viele Dinge unter dem Einfluss des bösen Triebs (יצר הרע) zu tun. Der böse Trieb ist besonders erfolgreich, wenn man das böse Tun nicht sieht. Obwohl nur wenige als offensichtliche Diebe gelten, wissen wir, dass es viele mehr gibt, die sich erlauben, auf eine „saubere“ Weise zu stehlen. So verhält es sich auch mit Verboten in Bezug auf Unzucht, in rechtlichen Angelegenheiten und in allen Bereichen des Lebens.

Zuerst sagt uns Gottes Wort, dass man jene Menschen besonders segnen und loben soll, deren Inneres dem Äußeren entspricht, die also aufrichtig sind. Es gibt keinen Unterschied zwischen ihrem Verhalten in der Öffentlichkeit und ihrem Verhalten in den eigenen vier Wänden. Dies ist nämlich keineswegs selbstverständlich.

Die Bibel belässt es jedoch nicht bei dieser positiven Botschaft, sondern fügt deutlich die Verfluchten hinzu. Denn würde die Tora nur die positive Seite betonen, würden wir nicht verstehen, wie schwerwiegend das negative Verhalten ist. Der Mensch neigt dazu, sich zu erlauben, schwere Vergehen zu begehen, wenn niemand ihn sieht. Denn wir meinen, wenn uns die Menschen nicht sehen, dann sieht uns auch Gott nicht. Und das irritiert die Mitmenschen, die Umgebung glaubt, ein gläubiger Mensch stehe vor ihnen, doch im Inneren sündigt er vor Gott. Also ein doppelte Sünde, denn er belügt neben seiner heimlichen Sünde auch noch seine Umgebung.

Diese Lehren sind in den Tagen der Buße, in denen wir uns befinden, besonders von Bedeutung. Es reicht nicht aus, nur über die positiven Aspekte zu sprechen. Um voranzukommen und echte Umkehr (תשובה) zu erreichen, ist es notwendig, auch scharfe und klare Worte gegen das Negative zu richten. Besonders in Bezug auf Dinge, die wir Menschen im Verborgenen tun, denn dort versagt der Mensch am meisten. Was zu Hause geschieht, wenn niemand zusieht, ist einerseits am schwersten, andererseits aber auch das, was den Menschen positiv aufbaut. Deshalb erhält es einen besonderen Segen des gesamten Volkes Israel.

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Gedanken zum Schabbat”

  1. Danny sagt:

    War das auch nicht bei den Pharisäern und Schriftgelehrten so, das Jesus sie sogar scharf zurechtweisen musste „ihr geschmückten Gräber…(Matt. 23,25-28)“ nach Außen hin war alles vornehm, schön und heilig, innerlich aber voll Hochmut, Neid und Gier. Es spricht einfach Bände über religiöse Menschen und alle haben einen Pharisäer in sich. Wenn man nicht als Sünder zu Jesus kommt, so wie man ist, inwendig falsch und schuldig vor Gott, so kann man keine Heilung/Rettung von Jesus erwarten. Du darfst als Sünder zu Jesus kommen, musst es aber nicht mehr bleiben, Jesus macht das Innere neu. Stichwort Wiedergeburt (Joh.3).

    Die stadtbekannten Sünder zu Zeiten des Herrn damals hatten das Heil eher ergriffen als die religiöse Elite. Sie lehnten ihn ab, weil sie sich (selbst) zu gut waren. Es darf sich niemand irren, der Himmel wird voll sein von begnadigten Sündern und die Hölle voll von religiösen Menschen, die Jesus nicht brauchten. Viele Wege führen nach Rom, nur einer führt zu Gott. Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.

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