In der kommenden Woche feiern wir Pessach. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Denn irgendwie haben wir alle noch immer das Simchat Thora Fest in unseren Köpfen, den „schwarzen Schabbat“, der unser Leben und unsere Realität völlig auf den Kopf gestellt hat. Der 7. Oktober hat sich fest in unserer Erinnerung verankert. Wir werden diesen Tag nie vergessen. Und das ist es, was unser Volk eigentlich zusammenhalten sollte. Denn jeder hat mindestens eine Geschichte zu erzählen, die mit dem 7. Oktober und dem daraus ausgelösten Krieg zu tun hat. Aber es fällt uns schwer, zusammenzuhalten. Ein paar Gedanken zu unserem neuen unmöglichen Alltag.

Dov Eilon
Am Freitag wollte ich eigentlich mit meiner Familie zu meiner Schwester nach England fliegen. Es ist schon wieder über anderthalb Jahre her, seitdem ich sie gesehen habe. Eigentlich war dieser Flug schon für Ende März geplant, doch der Krieg, zu dem wir am 7. Oktober gezwungen wurden, führte zu einer Stornierung des Fluges. Die internationalen Fluggesellschaften zögern mit der Wiederaufnahme der Flüge nach Israel. Wir verschoben den Flug dann um einen Monat, am Freitag sollten wir dann endlich fliegen. Aber dann kamen die Raketen aus dem Iran. Viele Fluggesellschaften haben daraufhin wieder ihre Flüge abgesagt. Zunächst für diese Woche, dann werden wir sehen. Unser Flug ist jetzt erst einmal um 6 Tage verschoben, aber auch das ist nicht sicher. Nichts ist sicher in dieser verrückten Zeit.

So werden wir den Sederabend zu Pessach zu Hause verbringen. Dabei hatten wir uns schon darauf gefreut, Pessach zusammen mit meiner Schwester in England zu feiern. Pessach zu Hause bedeutet jetzt auch, die Wohnung und das Essen für den Sederabend vorzubereiten. Das bedeutet Arbeit und Einkäufe im Supermarkt, die ich mir eigentlich ersparen wollte. In diesen Zeiten kann man sich auf nichts verlassen. Wir wissen nie, was der kommende Tag uns bringen wird.
Genauso ist es auch mit dem Studium unserer Kinder. Die Universitäten und Hochschulen haben das akademische Jahr mit einigen Monaten Verspätung begonnen. Im Dezember ging es dann endlich los. Die Hochschule unserer Tochter war zum Kriegsbeginn dann so nett, die Bezahlungen der Studiengebühr um zwei Monate aufzuschieben, um uns das Leben in der neuen Realität nach dem 7. Oktober etwas zu erleichtern. Doch wir alle kennen das Sprichwort: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“. Da ich mit der Bezahlung der Studiengebühr ein paar Monate später begonnen habe, darf ich jetzt jeden Monat etwas mehr bezahlen als bisher. Ich bin begeistert.
Während wir hier bei uns versuchen, unser alltägliches Leben so gut wie möglich zu meistern, befinden sich noch immer 133 Menschen in der Gewalt der Hamas-Terroristen im Gazastreifen. Ein unvorstellbarer Gedanke. Wenn ich an die Geiseln nach einem halben Jahr in der Gefangenschaft denke, verschwinden unsere eigenen persönlichen Probleme. Wirklich, wir haben keine Probleme. Es geht uns gut. Wir sind frei, wir können machen, was wir wollen. Wir lernen, all die kleinen Dinge zu schätzen, die uns sonst als selbstverständlich erschienen. Nichts ist selbstverständlich.
Erinnert Ihr Euch noch an die Demonstrationen in meiner Straße vor dem Haus des Justizministers Yariv Levin, über die ich mehrmals geschrieben habe? Es gibt sie wieder. Nach einem halben Jahr schienen es die Gegner der Regierung nicht mehr auszuhalten, zu sehr hatten sie sich an das „wöchentliche Happening“ in unserer Straße gewöhnt. Seit etwas einen Monat versuchen sie daher, diese Tradition des Krachmachens am Schabbatende wieder aufleben zu lassen. Dabei geht es längst nicht mehr um die umstrittene Justizreform, die mittlerweile auf Eis gelegt wurde. Jetzt geht es wieder um „Nur-nicht-Bibi“, um Neuwahlen, jetzt, mitten im Krieg um die Existenz unseres Landes. Was hat das jetzt mit unserem Nachbarn, dem Justizminister Yariv Levin, zu tun? Gar nichts. Aber das scheint den Demonstranten egal zu sein. Hauptsache es gibt wieder einen Grund, etwas Randale zu machen und beleidigende Worte loszuwerden.
הערב במודיעין מול בית השר לוין pic.twitter.com/et1H83uc11
— 🇮🇱 איתי אלמוג-בר Itay Almog Bar (@itay_almog_bar) March 30, 2024
Der Platz vor dem Haus des Ministers hat übrigens einen neuen Namen bekommen. Er wird von den Demonstranten jetzt „Platz der Demokratie“ genannt. So wie der Platz der wöchentlichen Demonstrationen in der Kaplanstraße in Tel Aviv. Wir haben uns an den etwa zweistündigen Krach in unserer Straße am Schabbatausgang gewöhnt. Denn wir haben wirklich andere Probleme. Es ist schade, dass wir wieder angefangen haben, uns untereinander zu streiten.
Vielleicht war es das, was den Iran dazu verleitete, uns mit hunderten von Drohnen und Raketen anzugreifen. Die Ajatollahs schienen keine Angst mehr vor uns zu haben. Wie heißt es auf den vielen Plakaten, die nach Kriegsbeginn überall auf den Straßen zu sehen waren?
„Gemeinsam sind wir stark!“ – „Zusammen werden wir siegen!“
Wir sollten schnell wieder zu uns finden. Für unsere inneren Probleme haben wir jetzt keine Zeit. Wir müssen zusammenhalten, nur so werden wir diese unmögliche Zeit erfolgreich hinter uns bringen und unsere Feinde besiegen und die Geiseln endlich nach Hause bringen.

Übrigens ist es schon erstaunlich, dass es dem Iran mit seinen 60 Tonnen Sprengstoff, die es mit hunderten von Drohnen und Raketen auf uns abgefeuert hat, nur geschafft hat, ein siebenjähriges Beduinenmädchen lebensgefährlich zu verletzen. Die Ärzte kämpfen um ihr Leben.
Heute früh hat die Heimatfront der israelischen Armee alle Einschränkungen wieder aufgehoben, die sie wegen des iranischen Angriffs verhängt hatten. Das Leben kann weitergehen. Es muss weitergehen.
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen angenehmen Tag!





Danke, lieber Dov, für den Einblick in Ihren Alltag. Gott möge Sie stärken und behüten. Der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Er hält seine Hand über sein Land und sein Volk.
Gottes Segen und liebe Grüsse aus der Schweiz.
Julia
Vielen Dank für diesen ausführlichen Einblick in den alltäglichen Wahnsinn Israels 2024! Es ist erschreckend und doch auch sehr ermutigend wie dieses kleine Land und deren Einwohner mit all diesen Situationen, die in Deutschland ganz sicher im totalen Chaos enden würden, umgeht!
Militär strategisch glaube ich aber das dieser iranischen Angriff, Gott sei Dank, eher ein Symbol bzw. ein Signal an Israel und die USA waren. Symbolisch ein Angriff um den iranischen Verbündeten etwas zu geben und ein Signal an den Westen – das der Iran zumindest bereit ist- früher oder später deutlicher zu werden.
Leider hat Präsident Biden durch seine Absage an einen gemeinsamen Gegenschlag es zugelassen das ein Spalt zwischen Israel und USA entstanden ist. Zumindest aus muslimischer Sichtweise muss es so verstanden werden. Herr Biden hätte lieber öffentlich geschwiegen um die äußere Geschlossenheit nicht zu beschädigen.
Shalom lieber Dov! Danke für die interessanten Geschichten aus deinem leben. Aber mir macht eines Sorgen. Warum muss denn ständig herumgejetet werden? Der Klimawandel ist dich schon da! Wärmster Winter! Wärmster März! Pole schmelzen! Da wundert es mich, dass immer noch das alte Denken vorherrscht. Weniger ist in diesem Fall mehr!! Die Kinder werden es nicht mehr ausbaden können, das Wasser fehlt!
Haben Sie eine bessere Idee, wie ich zu meiner Schwester nach England kommen könnte? 🙂 Liebe Grüße aus Israel!
10 PROZENT DER BEVÖLKERUNG VERURSACHEN 48 PROZENT DER CO2-EMISSIONEN
Wer stößt am meisten CO2 aus auf dieser Welt? Kurzum: Die, die viel Geld haben. Superreiche lassen sich ins Weltall schießen, feiern auf riesigen Yachten und jetten um die Welt. Die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung verursachen 48 Prozent der CO2-Emissionen. Es ist der Überreichtum, der in klimaschädlichem Luxuskonsum mündet.
kontrast.at/wer-stoesst-am-meisten-co2-aus
Wie klimaschädlich der Lebensstil der Milliardäre und Millionäre dieser Welt ist erreichende der französische Ökonom Lucas Chancel in einer Studie. Er untersuchte, wie die ungleiche Verteilung von Reichtum und Emissionen pro Kopf miteinander verschränkt sind. Das Ergebnis: Die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung verursachen 48 Prozent der CO2-Emissionen. Ausschlaggebend ist laut Chancel mehr das Investitionsverhalten der Superreichen als der Konsum. Superreiche blasen immer mehr CO2 in die Luft und schaden dem Klima damit stärker als es der Rest der Weltbevölkerung je könnte.
DAS REICHSTE PROZENT IST FÜR EIN VIERTEL ALLER EMISSIONEN VERANTWORTLICH
Er kommt zum Ergebnis, dass gegenwärtig die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung nur 12 Prozent der CO2-Emissionen hervorbringt. Während auf der anderen Seite die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung fast die Hälfte aller Emissionen zu verantworten hat (48 Prozent). …..
kontrast.at/wer-stoesst-am-meisten-co2-aus / von Kathrin Glösel / Veröffentlicht am 27. März 2023