Die Vereinigten Staaten haben in der Nacht zum Montag erneut Dutzende militärische Ziele an mehreren Orten im Iran angegriffen. Es handelte sich nach Angaben des U.S. Central Command (CENTCOM) um die vierte amerikanische Angriffswelle gegen die Islamische Republik innerhalb einer Woche.
Nach Angaben des US-Militärs kamen Präzisionswaffen gegen iranische Luftverteidigungssysteme, Küstenradaranlagen, Raketen- und Drohneneinrichtungen sowie kleinere Militärboote zum Einsatz. An der Operation waren Kampfflugzeuge, Kriegsschiffe und Einweg-Angriffsdrohnen beteiligt. Erstmals setzten die amerikanischen Streitkräfte dabei auch Einweg-Seedrohnen ein.
At 5 p.m. ET today, U.S. Central Command forces began launching more strikes against Iran to continue degrading their ability to attack civilian mariners and commercial ships freely transiting the Strait of Hormuz. The Commander in Chief has directed the strikes to hold Iranian…
— U.S. Central Command (@CENTCOM) July 12, 2026
CENTCOM erklärte, mit den Angriffen solle die Fähigkeit des Iran geschwächt werden, den internationalen Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu beeinträchtigen. Die Meerenge sei eine lebenswichtige Seeverbindung für den Welthandel und werde entgegen den Erklärungen Teherans nicht vom Iran kontrolliert. Die US-Streitkräfte seien darauf vorbereitet, die freie Schifffahrt für Handelsschiffe aufrechtzuerhalten.
Die erneute Eskalation folgte auf einen iranischen Angriff auf ein Containerschiff, das am Sonntag die Straße von Hormus vor der Küste Omans passierte. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP löste der Vorfall die jüngste amerikanische Angriffswelle aus. Der Iran hatte wiederholt erklärt, die Meerenge sei geschlossen, während Washington darauf besteht, dass sie für den internationalen Schiffsverkehr offenbleibt.
Bereits am Wochenende hatten die USA eine wesentlich größere Angriffswelle gegen rund 140 Ziele im Iran durchgeführt. Nach Angaben von CENTCOM gehörten dazu Raketen- und Drohnenabschussstellungen, Munitionslager und Kommunikationseinrichtungen. Zuvor hatten die amerikanischen Streitkräfte am 7. Juli rund 80 iranische Militärziele angegriffen, darunter mehr als 60 Schnellboote der Revolutionsgarden.
A U.S. Air Force F-35A stealth fighter jet is refueled over the Middle East. U.S. forces are constantly present and ready when called upon. pic.twitter.com/HI4iyrbQAa
— U.S. Central Command (@CENTCOM) July 12, 2026
Der Iran reagierte erneut mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Länder der Region, in denen amerikanische Streitkräfte stationiert sind. Am Montag wurden in Bahrain, dem Hauptquartier der 5. US-Flotte, mehrfach Raketenwarnungen ausgelöst. Kuwait meldete die Abwehr feindlicher Geschosse. Die jordanische Armee erklärte, vier iranische Raketen abgeschossen zu haben; dabei seien weder Menschen verletzt noch Sachschäden verursacht worden.
Nach iranischen Angaben wurden bei den amerikanischen Angriffen Ziele in den Provinzen Hormozgan, Khuzestan und Markazi getroffen. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete von mindestens zwei Toten. Diese Angaben konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.
Die Kämpfe konzentrieren sich zunehmend auf die Frage, wer den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus kontrolliert. Der Iran beansprucht das Recht, die Durchfahrt von Schiffen zu bestimmen, während die USA Handelsschiffe auf einer südlichen Route entlang der Küste Omans unterstützen. Teheran hat wiederholt Schiffe angegriffen, die diese Route nutzten.
Die erneuten Angriffe belasten zugleich die diplomatischen Bemühungen um eine dauerhafte Beendigung des Krieges. Die USA und der Iran befinden sich etwa in der Mitte einer auf 60 Tage angelegten Übergangsvereinbarung, die Verhandlungen über eine endgültige Regelung ermöglichen sollte. Vermittler aus Pakistan, Katar und Ägypten bemühen sich nach Angaben aus der Region weiterhin um eine Deeskalation.
Auch die Energiemärkte reagierten auf die Entwicklung. Die Ölpreise stiegen am Montag um mehr als vier Prozent. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler passierten am Sonntag lediglich sechs Schiffe die Straße von Hormus – so wenige wie seit fünf Wochen nicht mehr.




