Israelische Medien berichten, dass hochrangige israelische Militärs in einer seltenen und deutlichen Sicherheitsbewertung davor gewarnt haben, dass der Iran – zusammen mit anderen feindlichen Akteuren – aktiv daran arbeitet, den neuen Präsidenten Syriens, Ahmad al-Sharaa, zu ermorden, während die Instabilität im inneren Kreis des Regimes zunimmt.
Die Geheimdienstbewertung, die in geschlossenen israelischen Verteidigungsforen vorgestellt und von der israelischen Nachrichtenagentur Walla berichtet wurde, deutet darauf hin, dass al-Sharaa, der nach der Absetzung von Bashar al-Assad die Macht in einer Übergangsphase übernommen hat, mit realen und eskalierenden Bedrohungen für sein Leben konfrontiert ist. Laut israelischen Quellen, die von Walla zitiert werden, investiert der syrische Führer derzeit erhebliche Ressourcen in seine persönliche Sicherheit und die Stabilisierung des Regimes im Inneren.
Die Warnung der IDF kommt zu einem heiklen Zeitpunkt, da in den letzten Wochen indirekte Kontakte zwischen Israel und Syrien stillschweigend wieder aufgenommen wurden – was darauf hindeutet, dass Jerusalem die regionalen Neuausrichtungen nach dem 7. Oktober genau beobachtet.
Warum der Iran al-Sharaa loswerden will
Israelische Verteidigungsbeamte glauben, dass Teheran al-Sharaa als schwaches Glied in seinem Einflussnetzwerk in der Levante betrachtet. Im Gegensatz zu Assad, dessen Regime als zuverlässiger Korridor für iranische Waffentransfers und die Festigung der Hisbollah diente, wird der Aufstieg von al-Sharaa als potenzieller Wendepunkt angesehen – einer, der die strategische Tiefe des Iran gefährden könnte.
Diese Einschätzung deckt sich mit den zunehmenden Anzeichen für einen Bruch innerhalb der syrischen Machtstruktur. Quellen beschreiben das unmittelbare Umfeld von al-Sharaa als angespannt und fragil, wobei rivalisierende Fraktionen um Einfluss ringen, während der Druck von außen zunimmt.
Die Position Israels: Kein Rückzug aus der Sicherheitszone
Als Reaktion auf die sich verändernde Dynamik hat Israel offiziell seine Weigerung bekräftigt, sich aus den Sicherheitszonen zurückzuziehen, die es innerhalb des syrischen Territoriums unterhält, insbesondere im Hermon-Sektor. Verteidigungsminister Israel Katz hat Berichten zufolge in den letzten Monaten mehrere hochrangige Gespräche mit Führungskräften der IDF geführt, die zu einem Konsens führten, dass die israelische Militärpräsenz an der syrischen Front aktiv und sichtbar bleiben muss.
Ein hochrangiger IDF-Offizier bestätigte, dass der Generalstab die Position des Verteidigungsministers unterstützt und die Bedeutung der Vorwärtsstationierung als Abschreckungs- und Frühwarnschild für Gemeinden entlang der Nordgrenze unterstreicht.
Die dreistufige Doktrin: Wie Israel in Syrien operiert
Laut Verteidigungskreisen werden die israelischen Operationen in Syrien derzeit nach einem strategischen Drei-Zonen-Modell organisiert:
- Kontaktzone – Dazu gehören das israelische Territorium und das unmittelbare Grenzgebiet. Die IDF-Streitkräfte haben die Aufgabe, israelische Gemeinden und Infrastruktur direkt zu verteidigen.
- Sicherheitszone (ca. 15 km tief in Syrien) – Dieses Gebiet umfasst Städte, Dörfer und Transportkorridore. Die Operationen der IDF zielen hier darauf ab, die Verfestigung terroristischer Strukturen und die Bewegung feindlicher Milizen zu verhindern.
- Einflusszone – Dieser entmilitarisierte Gürtel erstreckt sich vom Süden Sweidas bis zu den Außenbezirken von Damaskus und wird überwacht, um Versuche des Iran, der Hisbollah oder anderer Stellvertreter zu verhindern, moderne Waffen zu schmuggeln, Militärstützpunkte zu errichten oder die lokale Regierung zu destabilisieren.
Strategische Kontinuität nach dem 7. Oktober
Die erneute Betonung der Aufrechterhaltung dieser Pufferzonen spiegelt eine umfassendere Veränderung in der israelischen Verteidigungsdoktrin nach dem 7. Oktober wider: proaktive Tiefenverteidigung und Geländekontrolle statt reaktiver Eindämmung.
Während Teheran seine Aktivitäten im syrischen Raum eskaliert – und die mögliche Ablösung eines weniger gefügigen Regimes in Damaskus ins Auge fasst –, signalisiert Jerusalem, dass es den operativen Raum, der bisher die Hisbollah oder iranische Streitkräfte daran gehindert hat, Israels Grenzen zu erreichen, nicht aufgeben wird.
Die Botschaft ist klar: Souveränität beginnt mit Sicherheit, und Sicherheit beginnt jenseits der Grenze.




