Es geht dabei weniger um konkrete Vergehen als um seelische Zustände, aus denen jede andere Sünde hervorgehen kann. Die Wurzeln dieses Gedankens liegen in der hebräischen Bibel, und in der jüdischen Lehre finden sich dieselben moralischen und geistlichen Kategorien, wenn auch nicht in derselben Listenform. König Salomo benennt sie in Sprüche 6: „Sechs Dinge hasst der HERR und sieben sind ihm ein Gräuel, stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen, ein Herz, das böse Pläne schmiedet, Füße, die eilends zum Bösen laufen, ein falscher Zeuge, der Lügen aussagt, und wer Streit unter Brüdern sät.“
An der Spitze steht der Hochmut (Superbia), das Aufbegehren des Menschen gegen Gott, die Selbstvergötterung, die sagt: „Ich brauche keinen Gott.“ Aus ihm erwachsen die anderen. Die Habgier (Avaritia), am Besitz mit dessen trügerischer Sicherheit festklammernd, meint: „Ich bin, was ich habe.“ Die Wollust (Luxuria) trennt Lust von Liebe und Verantwortung: „Ich will genießen, ohne zu geben.“ Der Neid (Invidia) leidet am Glück des Anderen: „Wenn du...
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