Dies ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass einige Juden den Hass, der ihnen entgegenschlägt, verinnerlichen. Wer das tut, übernimmt Überzeugungen, die sowohl die Einheit als auch die Fähigkeit seines Volkes, zu überleben, untergraben. Es ist daher wenig überraschend, dass dies dazu führt, dass traditionelle Praktiken und heilige Texte neu interpretiert werden, um zeitgenössischen politischen Agenden zu dienen, anstatt dem Zweck, zu dem sie geschrieben und über die Jahrhunderte hinweg bewahrt wurden.
So ist die Haggada, die beim Pessach-Seder verwendet wird, inzwischen zu einer Plattform für nahezu jede erdenkliche politische Agenda geworden – nur nicht für die jüdische Befreiung. Dies kann schädlich sein, da es das einzige jüdische Ritual, an dem selbst die meisten säkularen Juden teilnehmen, in etwas verwandelt, das ihre Identität nicht mehr in einer Weise stärkt, die ihr jüdisches Zugehörigkeitsgefühl fördert.
So ärgerlich das auch sein mag, der Schaden, den es anrichtet, ist nicht vergleichbar mit der Neuinterpretation von Purim, die zur bevorzugten Erzählung jener geworden ist, die Israel hassen und jene unterstützen, die es zerstören wollen. In dieser neuen Darstellung geht es in der Purim-Geschichte nicht mehr um die Rettung der Juden, sondern sie wird stattdessen als Vorwand genutzt, um die alten Juden als Massenmörder darzustellen. Auf diese Weise werden die modernen Verleumdungen gegen den Staat Israel und seinen Verteidigungskrieg gegen die völkermörderischen Terroristen der Hamas gestützt.
Diese Verdrehung kommt von Leuten wie dem anti-zionistischen Autor Peter Beinart, der diese Woche in The Guardian schrieb, dass Purim den richtigen Kontext für die Debatte über Israels Krieg gegen die Hamas liefere – nachdem die Terroristen am 7. Oktober 2023 die südliche Grenze durchbrochen und jüdische Gemeinden angegriffen hatten. Ähnliche revisionistische Artikel wurden auch in The Forward vom Romanautor Michael David Lukas sowie auf der Website My Jewish Learning von der linken Rabbinerin Jill Jacobs veröffentlicht, einer schrillen Kritikerin Israels, auch wenn Letztere den Gaza-Krieg nicht ausdrücklich thematisiert. Ein nicht unähnlicher Artikel, wenn auch ohne Autorenangabe, ist auf der Website der Shoah Foundation der University of Southern California zu finden – einer von Steven Spielberg gegründeten Organisation, die vor allem für ihre Videobibliothek mit Zeugenaussagen von Überlebenden und Augenzeugen des Holocaust bekannt ist.
Feiertagsrevisionismus
Purim wird jedes Jahr am 14. Tag des hebräischen Monats Adar gefeiert, der dieses Jahr am Abend des 13. März beginnt und bis Sonnenuntergang des folgenden Tages andauert – also bis zum Beginn des Schabbats. Das Fest erinnert an die Vereitelung eines Völkermordes an den Juden im Persischen Reich vor 2.500 Jahren und wird mit dem Lesen des biblischen Buches Esther begangen, in dem die Geschichte erzählt wird. An Purim werden Kostüme getragen, um daran zu erinnern, wie die jüdische Königin Esther ihre Identität verbarg, bevor sie sich dem persischen König offenbarte, um ihr Volk zu retten. Mehr als jede andere jüdische Feier ist Purim ein Tag der Fröhlichkeit mit Kinderfesten, dem Versenden von Speisen an Freunde und Nachbarn, Feiern und Festmahlen – und nicht zu vergessen: übermäßigem Alkoholkonsum.
Doch die Purim-Revisionisten interessieren sich nicht so sehr für den Plan des bösen Haman, die Juden zu ermorden, und ihre Rettung durch den Mut Esthers und die List ihres Cousins Mordechai. Sie konzentrieren sich vielmehr auf das Ende der Purim-Geschichte, das im neunten Kapitel der Megillat Esther (der „Esther-Rolle“) erzählt wird – ein Abschnitt, der, wie diese Autoren betonen, oft im Trubel der Feierlichkeiten übersehen wird.
Darin steht, dass die Juden auch nach der Hinrichtung Hamans durch König Ahasveros mit der Tatsache konfrontiert waren, dass Hamans Befehl zur Ermordung der Juden im gesamten Persischen Reich nicht widerrufen werden konnte. Das bedeutete, dass die Juden nicht einfach abwarten konnten, um gerettet zu werden – weder vom König noch von sonst jemandem. Sie mussten sich vielmehr bewaffnen und gegen jene verteidigen, die begierig darauf waren, Hamans bösen Befehl auszuführen.
Das Buch beschreibt es so: „An jenem Tag, an dem die Feinde der Juden gehofft hatten, sie zu bezwingen, geschah das Gegenteil: Die Juden bekamen ihre Feinde in ihre Gewalt.“ Da die Juden als ein Volk galten, das in seinem eigenen Land besiegt und dann zerstreut worden war, wurde erwartet, dass sie leichte Beute für ein Massaker sein würden. Stattdessen heißt es: „Die Juden versammelten sich in ihren Städten, um diejenigen anzugreifen, die ihnen Böses tun wollten, und niemand konnte ihnen standhalten, denn Furcht vor ihnen fiel auf alle Völker.“
Das Verhalten der Juden erscheint als ein klarer Fall von Selbstverteidigung, in dem potenzielle Mörder ihre gerechte Strafe erhielten. Doch Beinart und andere Revisionisten konzentrieren sich auf die Zahlen, die im biblischen Bericht genannt werden – insbesondere auf die Angabe, dass 75.000 Gegner der Juden getötet wurden.
Nach zweieinhalb Jahrtausenden ist es mehr als fragwürdig, diesen Zahlenangaben historische Genauigkeit zu unterstellen. Wie viele Zahlen in der Bibel dürfte auch diese 75.000 eine Übertreibung sein, die von der Tradition übernommen wurde, um die Größe des jüdischen Sieges zu verdeutlichen. Sie ist möglicherweise nicht genauer als die Opferzahlen der Kämpfe im Gazastreifen, die von einer allzu gutgläubigen internationalen Presse ausgerechnet von der Hamas übernimmt.
Die Umarmung der Machtlosigkeit
Unabhängig von den genauen Details dessen, was tatsächlich geschah, ist die Vorstellung, dass die Juden den Spieß gegen diejenigen umgedreht haben, die ihren Tod suchten, und viele von ihnen töteten, für heutige Linke erschreckend. Sie machen sich nicht nur der Anmaßung schuldig, Ereignisse der fernen Vergangenheit nach heutigen Maßstäben zu beurteilen, sondern brandmarken die Handlungen der Juden in Persien auch als „Kriegsverbrechen“. Darüber hinaus glauben sie, dass die Purim-Geschichte ein Muster und eine Begründung für ihre ebenso fehlgeleiteten Anschuldigungen gegen Israelis in der Gegenwart liefert.
Diese Gruppe hat in einem Punkt recht. In ähnlicher Weise, wie die Juden im antiken Persien reagierten, haben Israelis auf den Versuch der Hamas, einen jüdischen Genozid zu verüben, mit einem Gegenangriff geantwortet, der darauf abzielt, die Terroristen zu beseitigen. Die palästinensische Invasion in Südisrael am 7. Oktober war ein Vorgeschmack auf das, was sie mit dem Rest Israels vorhatten. Dank des Mutes derjenigen, die sich zur Wehr setzten, scheiterten sie mit diesem Vorhaben, auch wenn 1.200 Männer, Frauen und Kinder ermordet und 250 entführt und in die Gefangenschaft nach Gaza verschleppt wurden.
Beinart war einst ein selbst ernannter liberaler Zionist. Nachdem er festgestellt hatte, dass die meisten Israelis nicht an seinen ignoranten und selbstmörderischen Ratschlägen interessiert waren, ihre Feinde durch „Land-für-Frieden“-Abkommen zu stärken, wandte er sich gegen sie und lehnt nun die Idee jüdischer Souveränität insgesamt ab. Angesichts der Kultur des modernen Nahen Ostens, die vom Islam dominiert wird, kommt dies einer Einladung zu einem weiteren Holocaust gleich. Er verleumdet Israel routinemäßig in Mainstream-Medien wie The Atlantic und The New York Times. Sein jüngstes Werk ist ein solipsistischer Angriff auf den jüdischen Staat mit dem Titel Being Jewish After the Destruction of Gaza: A Reckoning („Jüdisch sein nach der Zerstörung Gazas: Eine Abrechnung“), in dem er seine Theorien über die Tugenden jüdischer Machtlosigkeit darlegt und die Notwendigkeit betont, dass Juden für die „Sünde“ der erneuten Überlebens eines Vernichtungsversuchs Buße tun müssen.
In seinem Guardian-Artikel, der aus seinem Buch adaptiert wurde, wiederholt Beinart nicht nur 75 Jahre Propaganda der Feinde des jüdischen Staates, sondern argumentiert auch, dass die wahre Geschichte des 7. Oktober nicht das palästinensische Massaker, die Massenvergewaltigungen, die Folter, die Entführungen und die mutwillige Zerstörung sind. Stattdessen sei es die israelische Gegenoffensive, in der – aufgrund der gezielten Taktik der Hamas, ihre eigene Bevölkerung zu gefährden und sich hinter ihr zu verstecken – viele Zivilisten im nachfolgenden Kampf getötet wurden.
So greifen er und andere Anti-Zionisten das Ende der Purim-Geschichte auf, um zu demonstrieren, dass die jüdische Antwort auf versuchten Völkermord nicht nur unverhältnismäßig war, sondern um sie als historischen Präzedenzfall oder gar als Rechtfertigung dafür zu nutzen, dass Juden „böse“ Taten begehen. Dasselbe gilt für Lukas, der über Purim und Gaza als Beispiele für die jüdische „Fähigkeit zum Bösen“ spricht.
Erinnerung an Amalek
Sowohl Lukas als auch Jacobs legen großen Wert auf die Lehren aus Paraschat Zachor, dem Tora-Abschnitt, der traditionell am Sabbat vor Purim gelesen wird und in dem das jüdische Volk aufgefordert wird: „Erinnere dich daran, was Amalek dir auf deiner Reise nach dem Auszug aus Ägypten angetan hat.“
Amalek war das Volk, das – ohne Provokation – die Juden während ihrer Wanderungen nach dem Auszug aus Ägypten bedrängte und die Schwachen und Nachzügler angriff. Im Buch Deuteronomium wird weiter erklärt: „Du sollst das Andenken an Amalek unter dem Himmel auslöschen. Vergiss es nicht!“
Es ist wahr, dass Juden – wie andere Menschen auch – zu falschem, ja sogar bösem Handeln fähig sind. Die Purim-Revisionisten versäumen es nie, auf das Verbrechen von Dr. Baruch Goldstein hinzuweisen, einem Juden, der an Purim 1994 in der Grabstätte der Patriarchen in Hebron 29 betende Araber kaltblütig ermordete. Eine winzige Minderheit von Juden versucht, Goldsteins abscheuliche Tat aufgrund des palästinensisch-arabischen Terrors gegen Juden zu rationalisieren oder gar zu rechtfertigen. Die überwältigende Mehrheit der Juden und Israelis lehnt solche Argumente jedoch entschieden ab.
Noch wichtiger ist, dass Goldsteins Amoklauf in keiner Weise mit den Bemühungen der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) vergleichbar ist, Hamas in Gaza zu besiegen. Dies ist ein städtischer Krieg gegen die organisierten militärischen Formationen der Terroristen, bei dem die IDF ihr Möglichstes tut, um zivile Opfer zu vermeiden – wie Experten für Kriegsrecht bezeugen.
Jene Juden, die die Machtlosigkeit verklären, die 2.000 Jahre jüdisches Leid und Verfolgung verursacht hat, diffamieren nicht nur Israel. Sie lehnen das gesamte Konzept ab, dass Juden sich bewusst dafür entscheiden, keine Opfer mehr zu sein, sondern ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen.
Purim hat für die Juden der Diaspora eine besondere Bedeutung, weil es leicht ist, sich mit Esthers Situation zu identifizieren und die Tapferkeit zu verstehen, die sie aufbringen musste, um ihr komfortables, ja sogar privilegiertes Leben zu verlassen und ihr Volk zu retten. Aber Purim ist auch eine Lehrstunde über die Notwendigkeit, dass Juden ihre Selbstverteidigung zur Priorität machen.
Verurteilung von Juden, weil sie sich weigern, Opfer zu sein
Im Buch Esther reicht es nicht aus, lediglich die Gunst nichtjüdischer Autoritätspersonen zu gewinnen. Die Juden müssen sich auch bewaffnen, ihren potenziellen Mördern entgegentreten und sie besiegen – so wie es jedes Volk tun würde, wenn es mit der Aussicht auf seinen eigenen Genozid konfrontiert ist. Diese Bemühungen als grundsätzlich böse zu betrachten, weil sie zwangsläufig Gewalt beinhalten – und ja, den Tod einiger jener, die Juden töten wollen –, ist nicht nur fehlgeleitet. Wenn Juden selbst eine solche Sichtweise übernehmen, ist es eine Psychose, in der die vorgesehenen Opfer eines Massenmords sich weigern, sich selbst zu helfen oder zu retten.
Das ist weder moralisch noch vernünftig.
Diejenigen, die Juden nicht nur drängen, diesen Weg angesichts völkermörderischer Judenhasser einzuschlagen, sondern sie auch als Übeltäter verurteilen, wenn sie sich lieber für ihr eigenes Leben einsetzen, würden es niemals wagen, irgendein anderes Volk auf diese Weise zu behandeln. Damit begeben sie sich in eine besonders giftige Form des Judenhasses. Seit dem 7. Oktober sind die Juden mit einer Welle des Antisemitismus konfrontiert, die in der Leugnung ihrer Rechte wurzelt – sowohl auf ihr altes Heimatland als auch auf Selbstverteidigung. Umso mehr müssen sie verstehen, wie wichtig es ist, dass sie sich nie wieder der Gnade jener ausliefern, die wie Haman (von dem es heißt, er sei ein Nachkomme Amaleks) oder wie jene denken, die dieselbe völkermörderische Ideologie vertreten – seien es deutsche Nazis oder palästinensisch-arabische Islamisten.
Wer solche Übeltäter mit den Verteidigern der Juden verwechselt, hat seinen moralischen Kompass verloren.
An diesem Purim müssen wir uns Amalek in der Tat ins Gedächtnis rufen. Nicht, um Unrecht zu rechtfertigen, sondern um zu verstehen, dass diejenigen, die das jüdische Volk seiner Fähigkeit zur Selbstverteidigung berauben wollen, die Komplizen jener Mörder sind, die die heutige Verkörperung des Bösen darstellen.





Die Verantwortlichen in Israel müssen heute ebenso konsequent handeln wie damals Königin Esther, deren mutigem und unerbittlichem Handeln wir an Purim gedenken. Sie hatte (in Gedenken an die Anweisung an Mose in 5. Mose 25, 17-19) etwas ganz spezielles im Sinn und ließ sich die Umsetzung von ihrem Königsgemahl Achashverosh garantieren.
Für manch einen heutigen Zeitgenossen erscheint ihre Forderung für eine zarte junge Königin brachial und unbarmherzig, denn sie ließ das Urteil an den Nachkommen König Agags vor aller Augen sichtbar bis zum letzten I-Tüpfelchen demonstrativ vollenden, weil jene versucht hatten, alle Juden im Königreich auszurotten. Wir finden den Bericht in Esther 9, 12-14:
„Der König fragte Esther: »Hast du noch etwas auf dem Herzen? Was du verlangst, will ich tun!« Esther antwortete: »Wenn du es für richtig hältst, dann erlaube den Juden in Susa, morgen noch einmal so wie heute vorzugehen (d.h. sich gegen dieses – und zukünftige! – Pogrom zu wehren und die Feinde/Judenhasser endgültig zu besiegen). Und die Leichen von Hamans zehn Söhnen sollen an den Galgen (als öffentliche Proklamation des Sieges) gehängt werden!« Der König ordnete an, Esthers Bitte zu erfüllen. In Susa wurde ein entsprechendes Gesetz veröffentlicht, und die zehn Söhne von Haman (dem Architekten dieser Judenvernichtung) hängte man auf.“
Damals Haman, heute die Hamas! Der finale Sieg über und die Auslöschung sämtlicher Hamas-Kräfte ist die einzig akzeptable und für die Stabilität in der Zukunft praktikable Lösung. Alles andere wäre wie das Absetzen von Antibiotika noch vor dem vollständigen Abklingen der Krankheit – die Erreger würden sich mit Stärke wieder vermehren und einen neuen Angriff starten! Darum muss die Parole lauten: „Tie them up like Queen Esther did! Free the World from Hamas!“ Zu Deutsch: „Knüpft sie auf, wie Königin Esther es tat! Befreit die Welt von der Hamas!“