Am Wahltag saß ich in den frühen Morgenstunden mit Freunden am üblichen Stammtisch im Jerusalemer Gemüsemarkt. Die Wahlurnen wurde gerade geöffnet und der Markt war noch relativ leer. Um mich saßen verschiedene Jerusalemer Freunde, darunter ein Schreiner, ein Rechtsanwalt, ein Schriftsteller, ein Antikenhändler und der ehemalige Direktor des Israel Museum. Thema war natürlich die Wahl. Ist ein Leben mit oder ohne Bibi besser für das Gelobte Land war die Frage?
Dann auf einmal sah ich meinen langjährigen Freund Daniel Cohen, den ich schon lange nicht mehr gesehen haben. Er war bis vor wenigen Jahren Israels berühmtester Paparazzi und arbeitet heute als Reiseführer im Land. Wir umarmten uns und sofort stolperte auch er in die Diskussion hinein. „Was, ihr seid alles Linke“, fragte er, ohne uns wirklich zu fragen. „Hört gut zu, Bibi wird die Wahlen gewinnen und ihr, bereitet auch für die Lager (KZ) vor. Alle Linken werden nach Bibis Wahlsieg in Lager geschleppt“, so Daniel. Wir alle stürzten ins Lachen, denn ich kenne Daniel seit über 25 Jahren. Sarkastischer Humor ist typisch für Daniel, aber auch für uns. Über Jahre hinweg fotografierte Daniel für Israel Heute. Eine laute Diskussion entbrannte, in der keiner den Nächsten überzeugte. Daniel verabschiedete sich nach zehn Minuten und wir diskutierten ohne ihn weiter. Als kurze Zeit danach Ido gehen musste, verabschiedete er sich und sagte: „Schalom und Le´hitraot. Freunde, auf Wiedersehen im Lager“.

Dieser Smalltalk zeigt, wie tief der Kluft im Volk ist, auch wenn alles im Spaß ausgesprochen wurde. Links und rechts haben zwei verschiedene Vorstellungen vom Judenstaat Israel. Unter der Bennett-Lapid-Regierung fühlten sich die rechten und religiösen Juden fast wie verloren und donnerten endlos gegen die Koalition mit den arabischen Terrorfans. Sie schrien, dass ihr Judenstaat flöten geht. Nun aber hat Bibi den Königstuhl in Jerusalem zurückerobert und wird in den nächsten Tagen oder Wochen eine nationalrechte Regierungskoalition gründen. Für die Linken im Volk ist das ein Alptraum. So wie „die Rechten Israel unter einer linken Herrschaft flöten gesehen haben“, so befürchten die Linken das Ende Israels unter einer rechts bis ultra-orthodoxen Koalition.
Spaß bei Seite, Menschen haben wirklich große Angst, dass solch eine Regierung zu einem jüdischen Halacha-Staaten führen wird. Israelis schreiben in den sozialen Netzwerken von einer möglichen Verlegung ihres Wohnsitz außerhalb der Grenzen Israels. Dagegen wehrte sich der religiöse Knessetabgeordnete Simcha Rothmann der zionistischen Partei. „Als die linke Regierungskoalition mit Terrorunterstützern das Land regierte, haben wir nicht in Google nach einem Umzug ins Ausland gesucht“. Das stimmt, die rechten sprechen weniger von einer so genannten Relocation ins Ausland wie es die Linken jetzt unter der bevorstehenden Herrschaft Bibis tun.
Für die rechten Wähler hat Gott ihr Gebet erhört. Benjamin Netanjahu ist der Erlöser Israels. Bibi hat sie endlich von der linken Regierungskoalition erlöst. In den Synagogen wurde im aktuellen Wochenabschnitt Lech Lecha ein Vergleich zwischen Abraham und Bibi gezogen. Gemäß biblischer und jüdischer Zeitrechnung wurde Abraham in Ur Chaldäer im Jahr 1948 nach der Weltschöpfung geboren, was umgerechnet 1813 Jahre vor Christus war. 75 Jahre später wanderte Abraham in das von Gott verheißene Land Kanaan ein. 75 Jahre nach der Staatsgründung Israels 1948, hat heute infolge der Wahlen Netanjahu das Land von den Linken erlöst. Für die einen im Volk ist Bibi der wahre Erlöser Israels, ein Gesalbter Gottes. Für die anderen ist Bibi ein Angeklagter. Israels neugewählter Herrscher wird im Volk genauso so charakterisiert, wie die Menschen damals in biblischer Zeit ihrer Könige entweder kritisierten oder liebten.
Ich wünsche unserer neuen Regierungskoalition Gottes Segen und Weisheit, das Volk wirklich zu vereinen. Bisher ist es keinem Politiker gelungen das Volk in Zion zu vereinen. Wir haben nicht den Luxus zu streiten und uns gegenseitig in die Lager zuschicken. Wir alle haben dieselben Feinde und denselben Gott.





Die Linken können gerne Israel verlassen, das schadet Israel nicht. Dann können sie ja gerne anderen Ländern mit ihrer politischen Einstellung schaden, aber Israel nicht mehr. Ich bin froh, dass Israel aus den Händen von Verrätern befreit worden ist. Es war höchste Zeit.
Nein, sie sind Juden und sollen nicht gehasst werden. Brüder werden nicht vertrieben, dass will sicher der Feind und nicht der Allmächtige. Ich denke nicht deutsch. Ausserdem dürfte sich Israel dann nicht demokratisch nennen.
Aber – ich amüsiere mich, dass ich neuerdings die jüdischen „Zahlenspiele“
begreife. Hoffentlich müssen wir nicht bis zum nächsten Jahr „…48“ warten, das hält doch keiner aus.
Ich wünsche Israel Glück- Schalom