Naher Osten

Naher Osten

„Transformative“ Pläne für den Nahen Osten im Zentrum der Treffen zwischen Trump und Netanjahu

„Ich glaube, was den Iran betrifft, ist das Spiel noch nicht vorbei“, sagte Assaf Orion, Mitarbeiter des Washington Institute for Near East Policy, gegenüber JNS. „Das ist nicht ‚Mission Accomplished‘. Wir können uns nicht einfach ein Bier gönnen, weil das Problem gelöst ist.“

Trump
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einem zweiten Treffen mit US-Präsident Donald Trump, an dem auch Vizepräsident JD Vance teilnahm, am 8. Juli 2025 im Oval Office des Weißen Hauses. (Foto: Avi Ohayon/GPO)

(JNS) Während amerikanische und israelische Spitzenpolitiker am Dienstag in Washington ihre Gespräche fortsetzen, erklärten Experten gegenüber JNS, dass die Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu das Potenzial haben, den gesamten Nahen Osten „zu transformieren“.

Jonathan Schanzer, Direktor der Foundation for Defense of Democracies, sagte JNS, dass das, was die beiden Führer über ihre Pläne verlauten ließen, die Region neu ordnen könnte.

„Ein Ende der iranischen Aggression, Frieden zwischen Israel und Syrien, dazu das Ende des Gaza-Krieges mit Umsiedlungsmöglichkeiten für die Palästinenser in Gaza und einer regionalen Führung im Streifen? Jede dieser Entwicklungen wäre ein bemerkenswerter Erfolg“, sagte Schanzer. „Alle zusammen würden einen neuen Nahen Osten bedeuten.“

„Was die beiden Führer gestern Abend skizziert haben, war nichts weniger als transformativ“, fügte er hinzu.

„Die Dinge könnten sich in die richtige Richtung bewegen“

Beim gemeinsamen Abendessen im Weißen Haus am Montag erklärten Trump und Netanjahu, dass sie an einem Plan arbeiten, Palästinenser in Gaza entweder innerhalb des Küstenstreifens in einer von Trump so bezeichneten „Freiheitszone“ oder in Drittländer umzusiedeln.

„Ich denke, Präsident Trump hatte eine brillante Vision. Sie heißt freie Wahl. Wenn Menschen bleiben wollen, können sie bleiben, aber wenn sie gehen möchten, sollten sie das auch dürfen“, sagte Netanjahu.

Er betonte, dass Gaza „kein Gefängnis sein sollte. Es sollte ein offener Ort sein.“

Bereits im Februar hatte Trump erstmals vorgeschlagen, dass die USA den Gazastreifen quasi „übernehmen“ könnten – ein Vorschlag, der bei einigen republikanischen Abgeordneten und mehreren arabischen Staaten auf Kritik stieß.

Schanzer sagte gegenüber JNS, dass die jüngsten Gespräche über langfristige Entwicklungspläne für Gaza bei den regionalen Führern offenbar keinen Aufschrei mehr auslösen.

„Ich habe keine massive Gegenreaktion auf Trumps Äußerungen gestern Abend gesehen“, so Schanzer. „Das scheint mir bedeutend. Ich habe das Gefühl, dass sich die Dinge womöglich in die richtige Richtung bewegen.“

Assaf Orion, ehemaliger Brigadegeneral der israelischen Streitkräfte und Mitarbeiter am Washington Institute for Near East Policy, warnte gegenüber JNS, dass jede maximalistische Umsetzung dieser Umsiedlungspläne oder eine erneute Besetzung Gazas mit „untragbaren Kosten an Blut und Geld“ verbunden wäre.

„Wir haben nicht ein einziges Land gehört, das bereit wäre, sie aufzunehmen“, sagte Orion. „Das wirkt wie eine dieser magischen Wunschlösungen, an die beide Konfliktparteien glauben – in der Hoffnung, dass die andere Seite am nächsten Morgen einfach verschwunden ist. Ich sehe darin keine realistische Option.“

„Wenn wir Gaza besetzen und mit militärischer Verwaltung regieren wollen, wäre das unser nationales Projekt für die nächste Generation“, fügte er hinzu. „Das bedeutet Milliarden über Milliarden an Kosten, Hunderttausende Soldaten und unzählige Opfer.“

Sowohl Schanzer als auch Orion sind der Meinung, dass Netanjahu seine dritte Washington-Reise seit Trumps Amtsrückkehr auch mit Blick auf mögliche Neuwahlen unternimmt – um seine Mehrheit in der Knesset zu stärken und sich weniger abhängig von den rechten Koalitionspartnern Itamar Ben-Gvir (Minister für nationale Sicherheit) und Bezalel Smotrich (Finanzminister) zu machen, die beide ein Abkommen mit der Hamas über Geiseln gegen Waffenruhe ablehnen.

„Dieser Besuch stärkt zweifellos Netanjahus politisches Profil in der Heimat“, sagte Schanzer. „Aber Bibi steht vor großen Entscheidungen. Wird er Neuwahlen ausrufen, um auf der Welle seiner Erfolge zu reiten? Das wäre riskant. Doch auch das bloße Durchregieren mit Ben-Gvir und Smotrich birgt Risiken – sie könnten alle Versuche sabotieren, den Gaza-Konflikt zu beenden.“

„Netanjahu mag die Idee vielleicht nicht lieben – aber Trump schon“, so Schanzer. „Und das wiegt einiges.“

„Es ist in den letzten Wochen sehr deutlich geworden, dass er sich bereits im Wahlkampf befindet“, sagte Orion. „Ich glaube, Netanjahu – der unangefochtene Spitzenpolitiker Israels – erkennt das politische und wahlstrategische Potenzial des Siegs über den Iran. Und er weiß auch, wie er seine Beziehung zu Präsident Trump politisch nutzen kann. Jetzt inszeniert er sich als Staatsmann, als Bezwinger des Iran, als Retter der Nation vor der nuklearen Vernichtung.“

„Er sieht in Wahlen möglicherweise eine Option – vielleicht sogar eine willkommene“, so Orion. „Die Kalkulation, die Netanjahu bislang in seinen Entscheidungen zu Gaza geleitet hat, könnte sich durch den Wahlfokus verändert haben.“

„Das ist kein Problem, das man einmal löst“

Trump sagte am Montag, dass die USA am Samstag mit „sehr hochrangigen“ direkten Gesprächen mit dem Iran beginnen würden, um eine Lösung für die verbleibenden Streitpunkte im iranischen Atomprogramm zu finden – nach den US-Angriffen Mitte Juni auf die Nuklearanlagen in Fordo, Natanz und Isfahan.

„Wir stehen in direktem Kontakt mit ihnen, und vielleicht kommt ein Abkommen zustande – das wäre großartig“, sagte Trump. „Das wäre wirklich großartig für den Iran, das kann ich Ihnen sagen.“

Eine der offenen Fragen bei den Verhandlungen mit dem Iran ist, ob die gemeinsame Luftkampagne der USA und Israels gegen iranische Nuklearanlagen, Luftabwehrsysteme und Militärführung die Islamische Republik eher zu einem Deal bewegen oder dazu bringen wird, ihr Atomprogramm weiter zu verbergen und zu schützen.

„Das Regime hat derzeit kaum Druckmittel“, sagte Schanzer gegenüber JNS. „Ich weiß nicht, ob ein Atomabkommen im Moment überhaupt relevant ist. Abschreckung und Handlungsfreiheit scheinen die entscheidenden Faktoren zu sein, um ein neues Atomprogramm zu verhindern. Ein Abkommen, das das Atomprogramm, das Raketenprogramm und das Netz der Stellvertreterkräfte beendet, wäre ein gewaltiger Kraftakt. Aber wenn es je einen Zeitpunkt gab, es zu versuchen – dann jetzt.“

Orion äußerte Bedenken, dass trotz der „weltklassemäßigen“ Luftkampagne gegen den Iran die USA und die internationale Gemeinschaft das Problem fälschlicherweise für gelöst halten könnten.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie sich diplomatisch nicht einigen, dass sie die Verhandlungen verschleppen und parallel versuchen, alles, was möglich ist, zu retten und zu verstecken“, sagte Orion. „Das ist kein Problem, das man mit einem einzigen Schlag löst. Es ist ein fortdauernder Kraftakt.“

Diese Entschlossenheit müsse auch nach einem möglichen Ende des Gaza-Kriegs ähnlich aufrechterhalten werden, sagte Orion gegenüber JNS.

„Ich denke, mit dem Iran ist das Spiel noch im Gange“, sagte er. „Das ist nicht ‚Mission Accomplished‘. Wir können uns noch kein Bier gönnen, weil das Problem gelöst ist. Was Gaza betrifft, herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass dieser Krieg enden muss – auch wenn wir noch jahrelang, vielleicht jahrzehntelang gegen die Hamas kämpfen müssen. Es wird keinen totalen Sieg in dem Sinne geben.“

 

About the author

Patrick Callahan

This is an example of author bio/description. Beard fashion axe trust fund, post-ironic listicle scenester. Uniquely mesh maintainable users rather than plug-and-play testing procedures.

Mitglieder

Israel Heute Mitgliedschaft


Digital Monatlich Digital Jährlich Print + Digital (Deutschland) Print + Digital (International)
Preis
6.90
/ Monat

(€82,80 Jährlich)
51,00
/ Jahr
63,00
/ Jahr
73,00
/ Jahr
Voller Zugang zu allen Mitglieder-Inhalten
Gedrucktes Magazin (6 Ausgaben pro Jahr)
Magazin als E-Paper
Exklusive Zoom-Veranstaltungen
Werbefreies Lesen
Kostenloser Probemonat
Ersparnis gegenüber dem Monatsabo - 38,41% / €31,80 23,91% / €31,80 11,84% / €31,80
Effektiver Jahrespreis €82,80 €51,00 €63,00 €73,00

Ein Kommentar zu “„Transformative“ Pläne für den Nahen Osten im Zentrum der Treffen zwischen Trump und Netanjahu”

  1. Roland Kunz sagt:

    Wegen dem Kommentator Assaf Orion hat mich dieser Artikel an „die erste Rede des Herrn aus dem Sturm“ an Hiob (Hiob 38, 31) erinnert: „Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden oder den Gürtel des Orion auflösen“? 
    Gott zeigt Hiob in Kapitel 38 die Grenzen der menschlichen Kraft auf. Etwas, was auch in der aktuellen geopolitischen Lage wieder gut ist zu bedenken. Obwohl ich sehr schätze, was Trump für Israel bisher getan hat, so darf doch nicht auf seine Macht abgestellt werden. Trump ist schnell im Entscheid, aber nicht beständig darin und hat im Zweifelsfall ausserhalb der Interessen Israels noch eine andere Agenda. Gott dagegen, der den ewigen Bund mit Abraham geschlossen und in der Segenslinie von Isaak und Jakob immer wieder bestätigt hat, ist der allmächtige und beständige Helfer Israels. Er wird diesen ewigen Bund mit Israel um seines heiligen Namens Willen nicht verlassen.

Schreibe einen Kommentar

Anmelden