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MitgliederTacheles mit Aviel – Hamas’ letzte Karte ist zur Last geworden

Tacheles, offen und unverblümt sage ich meine Meinung. Es ist so weit. Was vor Monaten noch undenkbar schien, ist nun Realität: ein umfassender Geiseldeal zwischen Israel und der Hamas.

Soldaten des 13. Golani-Bataillons zusammen mit der 7. Panzerbrigade ziehen sich nach ihrem Einsatz aus dem Gazastreifen zurück, 10. Oktober 2025. Foto: Oren Cohen / Flash90

Während die Welt von einem „historischen Friedensmoment“ spricht, weiß in Israel jeder: Dieser Moment wurde nicht in Konferenzräumen errungen, sondern auf den Schlachtfeldern von Gaza – durch Blut, Mut und Entschlossenheit. Viele fragen sich: Warum jetzt? Warum erst jetzt, nach zwei Jahren Krieg, Leid und politischem Stillstand? Die Antwort liegt nicht in diplomatischen Gesten, sondern in der eisernen Konsequenz Israels. Erst als die Armee die letzte Bastion der Hamas, die Stadt Gaza selbst, umzingelte und die Regierung in Jerusalem beschloss, nur einem Deal zuzustimmen, bei dem alle Geiseln freikommen, änderte sich alles. Erst als das Schwert buchstäblich am Hals der Hamas lag, kam Bewegung ins Spiel. Heute wird klar: Nicht Appelle der UNO, nicht Vermittlungen Katars oder Beschwörungen westlicher Politiker führten zum Wendepunkt, sondern die Entschlossenheit eines Volkes, das sich weigert, seine Brüder und Schwestern in der Dunkelheit zu vergessen. Israel hat gekämpft – nicht nur gegen Terror, sondern für das moralische Fundament seiner Existenz, die Erlösung der Gefangenen. Montagabend, 19:00 deutscher Uhrzeit, werden wir darüber im Zoom-Treffen reden!

Es ist das Ende einer Illusion: Die Hamas konnte den Druck nicht mehr ertragen. Aus einem Faustpfand wurden die Geiseln zur Last, aus Arroganz wurde Angst. Und wer heute noch glaubt, Hamas habe aus Einsicht gehandelt, der hat die Realität des Nahen Ostens nicht verstanden. Aus meiner Sicht liegt der entscheidende Wendepunkt darin, dass die israelische Regierung vor einigen Wochen beschlossen hat, nur einem Abkommen zuzustimmen, bei dem alle Geiseln auf einmal freigelassen werden – und nicht mehr schrittweise, wie in früheren Verhandlungsrunden. Zugleich leitete die Regierung mit der jüngsten Operation „Gideons Streitwagen II“ den entscheidenden Schlag gegen die Hamas ein: die Eroberung ihrer letzten Bastion, der Stadt Gaza selbst. Genau diesen Schritt hatte die Hamas-Führung für unmöglich gehalten. Sie war überzeugt, Israel werde nicht den Mut haben, bis ins Herz der Stadt vorzurücken.

Palästinenser kehren nach dem Abzug der israelischen Armee in den Süden des Gazastreifens zurück, um nach ihren Häusern zu sehen. Foto: Abed Rahim Khatib / Flash90.

Die Hamas kalkulierte falsch. Sie setzte darauf, dass die zunehmenden Proteste auf Israels Straßen gegen den Krieg der eigenen Sache dienen würden und die Regierung zwingen, den Druck zu verringern. Doch die israelische Führung hielt Kurs, und die Armee bereitete sich entschlossen auf die letzte Etappe des Krieges vor. Hinzu kam, dass die scheinbare Uneinigkeit zwischen Regierung und Generalstab über eine Bodenoffensive in Gaza, die in den Medien breit diskutiert wurde, möglicherweise Teil einer taktischen Irreführung war. Ob dieser Zwist tatsächlich real war oder bewusst inszeniert, um die Hamas zu verunsichern, bleibt offen. Sicher ist nur: Die Hamas hat Israels Entschlossenheit unterschätzt – und das wurde ihr zum Verhängnis.

Das muss ich zugeben: Seit etwa drei Monaten sage ich meinen Söhnen immer wieder: „Ihr werdet sehen, Israel wird zu einem Geiseldeal kommen, ob mit formellem Kriegsende oder nicht.“ Warum? Weil ein dauerhaftes Kriegsregime für Israel auf Dauer nicht tragbar ist. Die Armee ruht auf dem Rückgrat von rund 400.000 Reservisten; die regulären Wehrpflichtigen sind nur etwa 180.000. Die Regierung kann keinen endlosen Krieg führen, in dem die Reservisten die Masse bilden. Natürlich habe ich oft gedacht, ein Deal käme früher. Aber die Hamas war lange nicht reif dafür. Als ich meinen Söhnen vorgestern sagte: „Seht ihr, ich habe es doch gesagt, jetzt ist es soweit“, lachten sie mich aus: „Das gilt nicht mehr, das hast du doch schon vor Monaten behauptet und es ist nicht eingetroffen.“ Das stimmt. Trotzdem war mir von Anfang an klar: Irgendwann musste es zu so einem Schluss, Deal oder was auch immer, wie einem Kompromiss kommen – egal, ob uns das Ergebnis gefällt oder nicht und ob die Hamas am Ende an der Macht bleibt oder nicht. Es war weniger eine Vorhersage auf den Tag genau als die Einsicht in eine strategische Realität: Israel kann die Dauerlast Krieg nicht unbegrenzt schultern, und irgendwann verschiebt sich das Gleichgewicht in Richtung Verhandlung.

So sagte gestern Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, dass der israelischen Armee und Trump für die aktuelle Waffenruhe und die bevorstehende Freilassung der Geiseln zu danken sei: „Dieser Deal stand nie zuvor auf dem Tisch. Hamas hatte niemals zugestimmt, alle Geiseln freizulassen, solange unsere Truppen noch im Gazastreifen waren. Hamas stimmte erst zu, als das Schwert an seinem Hals lag – und es liegt dort noch – und erst, nachdem der Plan von US-Präsident Donald Trump die Hamas in beispielloser Weise isoliert hatte.“

Auf unserem Telegram-Kanal habe ich geschrieben: „Wer in erster Linie und noch vor allen Politikern in Jerusalem oder Washington für das Ende des Krieges Anerkennung verdient, sind unsere Soldaten, besonders Israels Reservisten. Sie haben in den vergangenen zwei Jahren alles stehen und liegen gelassen – Familie, Arbeit und Studium –, um das Land zu verteidigen. Den Verwundeten gilt unsere Unterstützung, und der Gefallenen, die ihr Leben für ihr Volk gegeben haben, unsere bleibende Erinnerung.“ Über unsere Soldaten und die TikTok-Generation habe ich bereits oft geschrieben, und diese haben unser Lob verdient. Sie haben das Volk und die Heimat gerettet, weniger die Politiker, die sich gegenseitig während des Krieges nur schlechtmachten.

Aber nach Angaben israelischer Sicherheitskreise ist der Hamas-Kompromiss auch eine Folge des jüngsten israelischen Angriffs auf ihr Führungsgremium in Doha. Zwar blieb der Angriff operativ erfolglos, doch er demonstrierte die israelische Entschlossenheit, die Hamas-Führung selbst in fernen und vermeintlich sicheren Rückzugsorten zu treffen. Erinnert ihr euch an den iranischen Angriff auf den US-Stützpunkt in Katar im Juni, der laut Trump mit amerikanischer Zustimmung erfolgte, einschließlich einer genau festgelegten Uhrzeit? Katar arbeitete damals mit Trump und dem Iran zusammen, damit der iranische Angriff auf seinem Territorium als Schlusspunkt des 12-Tage-Krieges dienen konnte – eine inszenierte Vorstellung. Kann es sein, dass auch der israelische Angriff in Katar im September Teil eines koordinierten Spiels war, um letztlich das Ende des Gaza-Krieges herbeizuführen? Es sind schließlich dieselben Spieler im Spiel und ähnliche Ergebnisse. So wurde Hamas von ihren eigenen Gastgebern in die Ecke gedrängt, um einem Kriegsende und der Freilassung der Geiseln zuzustimmen.

Wer „Hamas das Schwert an den Hals legte“, war die israelische Armee, denn die Soldaten kämpften für die Wahrheit, für die Freilassung der Geiseln und für einen Sieg – ein massiver Druck auf die Hamas, mit dem die Führung in Doha nicht gerechnet hatte. Und dies geben nun selbst die Hamas-Führer zu. Der ranghohe Hamas-Funktionär Musa Abu Marzouk erklärte in einem Interview, die Zustimmung der Hamas zur Freilassung aller israelischen Geiseln und zur Waffenruhe im Rahmen des Trump-Plans diene dem Schutz der Interessen des palästinensischen Volkes. Netanjahu benutze die Geiselfrage, so Abu Marzouk, nur als Vorwand, um den Krieg in Gaza fortzusetzen. Mit der Freilassung der Gefangenen nehme man ihm dieses Argument aus der Hand und erschwere ihm, die Kämpfe wieder aufzunehmen. Auch der Generalsekretär des Islamischen Dschihad, Ziyad an-Nakhla, äußerte sich in dieselbe Richtung: „Die Rückgabe der Geiseln werde Israels Rechtfertigung für die Fortführung des Krieges beseitigen.“

Israelische Soldaten nahe der Grenze zum Gazastreifen, 9. Oktober 2025. Foto: Tsafrir Abayov / Flash90.

Bemerkenswert ist, dass genau dieses Argument in den vergangenen zwei Jahren immer wieder von palästinensischen Kritikern der Hamas vorgebracht wurde – jenen Kräften, die Hamas und den Islamischen Dschihad als verantwortungslos und zerstörerisch bezeichneten. Nun übernehmen beide Organisationen eben jene Argumentation, die sie während des gesamten Krieges entschieden zurückgewiesen hatten. Damit vollziehen sie eine grundsätzliche Kehrtwende: Ausgerechnet das, was sie einst als „Kapitulation“ verurteilten, präsentieren sie jetzt als „politischen Realismus“. Im Kern aber liegt der Wandel woanders: Die israelische Militärmacht hat den Druck so stark erhöht, dass die Geiseln für die Hamas von einem strategischen Faustpfand zu einer Belastung wurden. Erst als dieser Druck unerträglich wurde, reifte in der Führung der Entschluss, die Geiseln freizulassen – nicht aus humanitären, sondern aus taktischen Gründen.

In der jüdischen Geschichtstheologie wird jede Befreiung von Gefangenen als Echo des Exodus verstanden: Gott selbst „erlöst“ die Gefangenen. „ברוך אתה ה׳ גואל ישראל“ – Gepriesen seist du, Ewiger, der Israel erlöst. Auch hier wird die Rückkehr der Geiseln aus der Dunkelheit der Tunnel zu einem Mini-Exodus, einem Spiegel der Befreiung aus der Unterdrückung. Während Israel sein militärisches Handeln auf das Gebot der Lebensrettung gründet, macht Hamas das Gegenteil: Sie instrumentalisiert Leben als Waffe – die eigenen Zivilisten als Schutzschilde, die Geiseln als Druckmittel. Diese moralische Asymmetrie ist der tiefste Graben zwischen Israel und seinen Feinden. Der eine kämpft, um Leben zu retten, der andere, um den Tod zu instrumentalisieren.

Feier auf dem Geiselplatz in Tel Aviv, nachdem das Abkommen zur Freilassung aller Geiseln aus dem Gazastreifen unterzeichnet wurde, 9. Oktober 2025. Foto: Chaim Goldberg / Flash90.

Die Geiseln wurden für die Hamas von einer Garantie und Lebensversicherung zu einer strategischen Last. Sie haben eingesehen, dass Israel den Krieg nicht beenden wird, solange nicht alle befreit werden. Dafür kämpfte das Volk – und das hat die Hamas heftig unterschätzt. Ich glaube, es gibt kein anderes Volk auf dieser Erde, das sich so leidenschaftlich und einmütig für seine Brüder und Schwestern in Not einsetzt wie das Volk Israel. „Stehe nicht auf dem Blut deines Nächsten“, heißt es in der Bibel. Wenn jemand im Volk in Not ist, dann stehe ihm bei und stehe nicht auf seinem Blut, bis er verblutet. Dieses Gebot betont die Verantwortung im Volk, nicht passiv zu bleiben, wenn das Leben eines Nächsten in deinem Volk in Gefahr ist. Dieser Vers ist die biblische Grundlage für die sogenannte „Erlösung der Gefangenen“, was auf Hebräisch „Pidjon Schwujim“ heißt – eine Erleichterung und Erlösung für das gesamte Volk in Zion!

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Tacheles mit Aviel – Hamas’ letzte Karte ist zur Last geworden”

  1. Johannes Becher sagt:

    Ein sehr guter Kommentar.
    Bei Trumps Rede in der Knesset musste ich andauernd an diese tapferen Jungs und Mädels denken, die ihr Leben einsetzten, damit Israel weiter leben darf. Die in der Knesset aber kaum gewürdigt wurden.

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