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Jerusalem erlebt wärmste Novembernacht seit Beginn der Messungen

Ungewöhnliche Hitze und ausbleibender Regen prägen den Herbst in Israel.

Jerusalem
Jerusalem im November: warm, sonnig und weiterhin ohne Regen. Foto: Dov Eilon

Es ist schon eine ganze Weile her, dass wir hier über das Wetter geschrieben haben. Die vergangenen Monate standen im Zeichen des Krieges und der Sorge um die Geiseln. Die Rückkehr der lebenden Geiseln bringt vielen Menschen im Land etwas Erleichterung, auch wenn der Krieg noch nicht zu Ende ist und wir weiterhin darauf warten, dass auch alle Gefallenen in ihre Heimat zurückkehren können.

Vielleicht erlaubt uns dieser Moment einen kleinen Schritt in Richtung Normalität. Und dazu gehört auch ein Blick auf das Wetter, das sich momentan von einer recht ungewöhnlichen Seite zeigt.

 

Jerusalem hat in dieser Woche einen neuen Temperaturrekord gemeldet. In der Nacht zu Dienstag wurden in der Hauptstadt 23,2 Grad Celsius gemessen – der höchste nächtliche Novemberwert seit Beginn der offiziellen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1950. Der bisherige Rekord lag bei 22,1 Grad und stammt aus dem Jahr 2012.

Bereits am Montag war ein weiterer Rekord gefallen: Die Tageshöchsttemperatur stieg auf 31,8 Grad Celsius. Dieser Wert übertraf einen Höchststand, der seit 75 Jahren nicht mehr erreicht worden war. Meteorologen gehen davon aus, dass die ungewöhnlich warmen Temperaturen noch bis Ende der Woche anhalten und möglicherweise weitere Rekorde fallen könnten.

Hintergrund zur Regenzeit: Trockenstart im ganzen Land

Normalerweise beginnt in Israel die Regenzeit Anfang Oktober, wenn erste Tiefdruckgebiete vom Mittelmeer heranziehen und besonders entlang der Küsten und im Bergland Regen bringen. Doch laut den saisonalen Analysen des Israelischen Wetterdienstes hat die Regenzeit in diesem Jahr kaum eingesetzt. In vielen Regionen, darunter auch Jerusalem, Haifa und Teile der Küstenebene, liegt die Niederschlagsmenge derzeit nahe bei Null oder deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Selbst in traditionell feuchteren Regionen des Nordens, wie Galiläa und den Golanhöhen, wurden bislang nur vereinzelte leichte Schauer registriert.

Meteorologen sprechen von einem ungewöhnlich trockenen Saisonauftakt, der sich bereits im September angekündigt hatte. Bestimmte Wind- und Druckmuster über dem östlichen Mittelmeer verhinderten das Entstehen stabiler Regenfronten. Sollte sich dieser Trend bis zum Monatsende fortsetzen, könnte der diesjährige Herbst zu den trockensten der letzten zwei Jahrzehnte gehören.
 

See Genezareth bleibt unter kritischem Orientierungswert

Auch der See Genezareth spürt die Trockenheit. Nach offiziellen Angaben lag der Wasserstand am 6. November bei –213,295 Metern unter dem Meeresspiegel und damit knapp 30 Zentimeter unter der sogenannten „unteren roten Linie“, die als Orientierungswert für das stabile ökologische Gleichgewicht des Sees gilt. Bis zur oberen roten Marke, bei der der See als voll gilt, fehlen derzeit rund 4,5 Meter. In den letzten 24 Stunden ist der Pegel zwar leicht um etwa einen Zentimeter gestiegen, doch insgesamt bleibt die Entwicklung zurückhaltend. Zwar wird der See seit 2023 bei Bedarf über eine neue Pipeline mit entsalztem Mittelmeerwasser stabilisiert, doch dieses System kann die natürlichen Regen- und Zuflussmengen nicht ersetzen. Für eine nachhaltige Erholung des Pegels bleibt der Winterregen entscheidend.

Ausgetrocknete und rissige Uferzone am See Genezareth im Norden Israels, aufgenommen am 25. Oktober 2025. Foto: Michael Giladi/Flash90.

Extremwerte häufen sich

Israel ist heiße Sommer gewohnt – doch die Hitzespitzen verschieben sich zunehmend in die Übergangszeiten. Erst im August hatte das Land eine extreme Hitzewelle erlebt, bei der Temperaturen von bis zu 49 Grad Celsius gemessen wurden. Damals kamen zwei Menschen ums Leben.

Ob die aktuellen Werte Ausdruck eines längerfristigen Klimatrends sind oder vor allem auf außergewöhnliche Wetterlagen zurückgehen, wird in Fachkreisen weiter diskutiert. Sicher ist jedoch: Der vertraute israelische Herbst mit kühlen Abenden und ersten kräftigen Regenschauern lässt in diesem Jahr auf sich warten.

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Patrick Callahan

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