Vor internationalem Publikum beim World Economic Forum in Davos hat Israels Präsident Isaac Herzog eine scharfe Abrechnung mit dem Westen vorgetragen. Während er Israels militärisches Vorgehen verteidigte, kritisierte er zugleich das Schweigen vieler westlicher Stimmen zur Rolle Irans. In einer von dem US-Journalisten Fareed Zakaria moderierten Diskussion sprach Herzog von einer „schwindelerregenden Heuchelei“ prominenter Aktivisten und Künstler, die Israel öffentlich angriffen, zur brutalen Repression in Teheran jedoch schwiegen.
„Wo sind sie? Wo ist Susan Sarandon? Wo ist Cynthia Nixon?“, fragte Herzog. „Warum sehen wir sie nicht vor iranischen Botschaften demonstrieren oder auf den Straßen stehen und ihre Stimme für das iranische Volk erheben?“
Herzog stellte die weltweite Empörung über Israels Krieg in Gaza der vergleichsweise geringen Aufmerksamkeit für die Tausenden gegenüber, die vom iranischen Regime gefoltert und getötet wurden. Israels Militäroperation sei nicht nur ein Akt der Selbstverteidigung gewesen, sondern auch eine notwendige strategische Zäsur im regionalen Machtgefüge.
Mit Blick auf Gaza verwies Herzog auf den derzeit laufenden diplomatischen Prozess, der unter maßgeblicher Führung der US-Regierung von Präsident Donald Trump vorangetrieben wird. Dieser sieht vor, dass die Hamas ihre Kontrolle über den Küstenstreifen aufgibt und durch eine technokratische, nicht-ideologische Übergangsverwaltung ersetzt wird. Herzog lobte die von den USA unterstützte Resolution des UN-Sicherheitsrats, die die Grundlage für einen umfassenden Wiederaufbau – von ihm als „Marshallplan für Gaza“ bezeichnet – schaffen soll. Zugleich machte er unmissverständlich klar: „Der eigentliche Test ist, dass die Hamas Gaza verlässt.“
Frieden könne nicht unter den „Gewehrläufen von Terroristen“ entstehen, betonte Herzog. Die Kinder in Gaza verdienten eine Zukunft ohne Extremismus, Gewalt und ideologische Indoktrination.
NOW – Jared Kushner, unveils a slide show showing the „master plan,“ for the future of Gaza and asks people on media and social media to „Just calm down for 30 days… let’s do our best to try working together, our goal here is peace between Israel and the Palestinian people.“ pic.twitter.com/1BT9nEN5FE
— Disclose.tv (@disclosetv) January 22, 2026
Auch zur Lage in Syrien äußerte sich der israelische Präsident besorgt. Er sprach von schweren Verbrechen gegen drusische und kurdische Bevölkerungsgruppen, verwies auf Berichte über sexuelle Gewalt und Massenmorde in der Region Sweida und verurteilte die brutale Repression durch das jüngst an Einfluss gewonnene Regime in Damaskus. „So kann kein Staat handeln, indem er sein eigenes Volk tötet“, warnte Herzog.
Zugleich zeigte er sich hoffnungsvoll mit Blick auf weitere regionale Normalisierungsschritte. Herzog verwies auf die humanitäre Arbeit der Vereinigten Arabischen Emirate in Gaza und ihre Rolle bei den Abraham-Abkommen. Besondere Aufmerksamkeit widmete er Saudi-Arabien: „Es ist mein Traum, den Kronprinzen ein Abkommen mit uns unterzeichnen zu sehen. Die Zukunftsvision des Nahen Ostens muss eine Annäherung zwischen Juden und Muslimen sein.“
Herzogs Botschaft war eindeutig: Echter Frieden erfordert Klarheit, Mut und Konsequenz – in der Region ebenso wie bei den globalen Mächten, die für sich in Anspruch nehmen, sich um sie zu sorgen.




