An einem dramatischen Wochenende auf der diplomatischen Bühne sollen die Vereinigten Staaten und der Iran am kommenden Samstag direkte Gespräche aufnehmen. Ort des Treffens dürfte das Sultanat Oman am Persischen Golf sein, wo Trumps Gesandter Steve Witkoff mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi zusammenkommen soll.
Das Treffen folgt auf ein Ultimatum von US-Präsident Donald Trump an Irans obersten Führer Ali Chamenei. Innerhalb von zwei Monaten müsse eine Einigung über den vollständigen Abbau des iranischen Atomprogramms erzielt werden. Die iranische Seite erklärte zunächst, sie sei lediglich zu indirekten Kontakten unter Vermittlung Omans bereit. Trump dagegen spricht von einem direkten Dialog. Teheran bestreitet weiterhin, dem zugestimmt zu haben, zeigt sich jedoch grundsätzlich offen für diplomatische Schritte – allerdings nicht unter Drohungen. Ob es sich letztlich um direkte oder indirekte Verhandlungen handelt, dürfte sich innerhalb eines Tages zeigen.
In Israel geht man davon aus, dass die Amerikaner sich nicht hinhalten lassen und eine Frist von maximal zwei Monaten für den Prozess gesetzt haben. Ein US-Beamter sagte allerdings, die Gespräche würden „so lange wie nötig“ andauern.

US-Geheimdienste, zitiert im Wall Street Journal, berichten, der Iran verfüge inzwischen über genügend spaltbares Material, um innerhalb weniger Wochen eine Atombombe zu bauen. Das erhöht den Druck auf eine rasche Einigung. In Washington geht man davon aus, dass eine weitere Verzögerung eine israelische Militäraktion nach sich ziehen könnte – mit der Gefahr einer regionalen Eskalation.
Die New York Times zitierte israelische Beamte mit den Worten: „Jede Einigung, die nicht den vollständigen Abbau der Anreicherungsinfrastruktur vorsieht, ist inakzeptabel.“ Dennoch deuten iranische Medien auf eine gewisse Gesprächsbereitschaft hin – ausgelöst durch wirtschaftlichen Druck und internationale Isolation.
Analysten sprechen von einem seltenen, aber fragilen Moment. Ein erfolgreicher Abschluss könnte zu einem neuen Abkommen führen, eventuell in überarbeiteter Form eines Deals ähnlich dem von 2015. Trump strebt jedenfalls eine Vereinbarung an, die besser ist als das Abkommen unter Obama – ohne „Löcher“. Ein Scheitern hingegen könnte die Region in eine mehrgleisige Eskalation führen.
Die Gegensätze bleiben gravierend: Teheran scheint eine aktualisierte Version des Obama-Abkommens anzustreben, das die Menge an spaltbarem Material begrenzte. Die USA hingegen fordern den Abbau der gesamten Anreicherungsinfrastruktur, ein Ende des Raketenprogramms sowie die Beendigung der Unterstützung für Hamas, Hisbollah und andere Stellvertreter.
Beim Treffen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump wurde das sogenannte „Libyen-Modell“ ausführlich besprochen: der vollständige Rückbau aller nuklearen Anlagen und ballistischen Raketen – unter US-Kontrolle. Netanjahu warnte eindringlich vor Irans bekannter Taktik, Verhandlungen endlos zu verschleppen.
In einer Kabinettssitzung informierte der Ministerpräsident seine Minister, dass Israel im Voraus über die US-Iran-Gespräche informiert worden sei. Die Amerikaner hätten Israel ausdrücklich gefragt, wie aus seiner Sicht ein akzeptabler Deal aussehen müsse. Netanjahu erklärte, nur ein vollständiger Abbau des Atomprogramms könne die Grundlage für ein Abkommen sein. Trump teile diese Sicht und habe ein klares Ultimatum gesetzt.
Trump selbst drohte Teheran erneut und erklärte gegenüber Reportern: „Wenn der Iran keine Einigung will, wird es militärische Maßnahmen geben – und Israel wird die Führung übernehmen.“ Gleichzeitig betonte er: „Niemand führt uns. Wir tun, was wir für richtig halten. Aber klar ist: Der Iran darf niemals in den Besitz von Atomwaffen gelangen.“
In Israel hofft man insgeheim, dass die Verhandlungen scheitern – damit eine glaubwürdige militärische Option auf dem Tisch bleibt. Viele Experten betrachten Araghchi als gefährlichen Profi, der ein Abkommen so ausgestalten könnte, dass der Iran später dennoch zur Bombe gelangt – womöglich nach Trumps Abgang.

Ein israelischer Offizieller formulierte es so: „Das ist vielleicht eine verpasste Gelegenheit. Der iranische Verteidigungsapparat ist angeschlagen wie nie. Jetzt wäre der richtige Moment, um die Atom-Infrastruktur effektiv zu zerstören – bei kalkulierbarem Risiko.“
Währenddessen setzt die israelische Armee ihre Operation im Gazastreifen fort. Ziel ist es, strategisch wichtige Gebiete unter Kontrolle zu bringen und die Zivilbevölkerung in das Gebiet von Al-Mawasi zu verlagern. Etwa 40 Prozent des Gazastreifens stehen inzwischen unter israelischer Kontrolle. Das Ziel: Hamas durch militärischen Druck zu Geiselverhandlungen zu zwingen.
Im israelischen Sicherheitskabinett herrscht Einigkeit darüber, dass der Druck nicht ausreicht. Minister wie Itamar Ben-Gvir fordern eine groß angelegte Bodenoffensive. Auch Miri Regev und Bezalel Smotrich sprechen sich für ein härteres Vorgehen aus. Der Ministerpräsident unterstützt diese Linie.
Trump plant Geiseldeal als Teil größerer Strategie
Parallel arbeitet die Trump-Administration hinter den Kulissen an einem umfassenden Geiselabkommen, das Teil eines größeren Nahostplans ist. US-Vertreter informierten die Familien der Geiseln, dass die Geiselfrage bei Trumps Treffen mit dem Ministerpräsidenten ganz oben auf der Agenda stand. Ziel ist ein umfassender Deal, der zur Beendigung des Gaza-Kriegs und zur Normalisierung mit Saudi-Arabien führen soll. Die Gespräche mit dem Iran sind ein Bestandteil dieses Gesamtplans.

Die Amerikaner geben sich nicht mit Etappenlösungen zufrieden und treiben eine Initiative voran, die sowohl für Israel als auch für die Hamas akzeptabel sein soll. Israelische Quellen berichten, dass Trump dem Ministerpräsidenten noch etwas Spielraum für die Fortsetzung der Militäroperation lässt – aber nicht für lange: vielleicht zwei bis drei Wochen. Dann will er ein Kriegsende. Dieses ist für ihn untrennbar mit einer umfassenden Lösung der Geiselfrage verbunden. Trumps Gesandter Steve Witkoff sagte den Familien der Geiseln, dass ein sehr ernsthaftes Abkommen in Vorbereitung sei – und es nur noch eine Frage von Tagen sei.
Ein hochrangiger israelischer Vertreter erklärte, dass zwischen Israel und Ägypten mehrere Entwürfe ausgetauscht wurden. Sie sollen zwischen dem ägyptischen Vorschlag und der israelischen Position vermitteln – doch bisher wurde keine Einigung erzielt.




