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Gedanken zum Schabbat

Wochenlesung – מְצֹרָע – Mezora – Aussatz 3.Mose 14,1 – 15,33   2.Könige 7,3 – 20

Schabbat

„Eine gute Zunge spricht mich an!“ In den letzten anderthalb Jahren hat sich herauskristallisiert, wie uneinig sich das Volk Israel in vielen Dingen im gesellschaftlichen wie auch politischen Leben ist. Linke und rechte, religiöse und säkulare Juden hetzen einander gegen den Nächsten im Volk auf. Die Menschen haben vergessen, dass sie ein Volk sind, eine Familie. Die Wochenlesung hebt das Problem der bösen Zunge hervor, der Verleumdung. Es fehlt die gute Zunge im Volk, damit wir uns wieder mehr lieben.

 


Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

Das Wort Mezora (מְצֹרָע) kann man aus den beiden Begriffen „Moze“ und „Ra“ bilden, die zusammen als „Bringt Böses heraus“ verstanden werden können. Jemanden, der über andere Schlechtes hervorbringt, nennt man Laschon Ha´Ra – (לשון הרע). Das Wort Gottes verbietet eine „böse Zunge“, indem Gott sagt: „Du sollst nicht als Verleumder umhergehen unter deinem Volk! Du sollst auch nicht auftreten wider deines Nächsten Blut!“ (3.Mose 19,16)

Im Wochenabschnitt geht es nur indirekt um das Thema der Zeit. Vielmehr hören wir etwas über die Reinheits- und die dazugehörigen Opfergebote, mit denen sich dieser spezielle Wochenabschnitt beschäftigt. Rabbiner fassen zusammen, dass jemand aussätzig wird, der seinen Körper, statt ihn in den Dienst Gottes zu stellen, lieber als Träger des Bösen missbraucht. Und die Hauptursache allen Aussatzes ist vor allem die böse Zunge, üble Nachrede und Verleumdung.

Die Wochenlesung hebt das Problem der bösen Zunge hervor, der Verleumdung. Um Verleumdung zu vermeiden, müsste man eigentlich schweigen, und jüdische Weisen lobten das Schweigen tatsächlich. Aber ist Schweigen genug? Schweigen bewahrt uns davor, Verleumdungen auszusprechen, bewirkt aber nichts Positives. Was kann dann die gute Sprache sein? Wie kann mich dann eine gute Zunge ansprechen, wenn man schweigt?

Im Lob befindet sich auch eine tiefe geistliche Botschaft. Es wird allgemein angenommen, dass der Zweck der Religion nur der Glaube an Gott ist. Der Glaube an Gott sollte uns jedoch auch zum Glauben an unseren Nächsten führen, an Menschen. Befindet sich nicht in jedem Menschen das Ebenbild Gottes? Sind wir nicht dazu verpflichtet, das Ebenbild Gottes in jedem Menschen zu suchen? Wenn man das versteht, dann kann man auch den Vers im ersten Kapitel in der Bibel verstehen: „Und Gott sah, dass es gut war!“

Gott hat uns Menschen erschaffen, um uns zu lehren, das Gute in Menschen und in Ereignissen zu sehen, um uns damit zu stärken. Ich verstand auch, warum Gott Mose bestrafte, indem er seine Hand mit Aussatz schlug, bis sie schneeweiß wurde. Mose war seinem Volk misstrauisch gegenüber und sprach: „Und wenn sie mir nicht glauben und nicht auf mich hören?“ (2.Mose 4) Der Volksführer hat damit eine grundlegende Lektion in Sachen Führung gelernt. Es ist nicht wichtig, ob sie an dich glauben oder nicht. Es ist wichtig, dass du an sie glaubst. Lob an sich oder die Formulierung von Lob sind ein grundlegendes Element jeder Art von Führung. Wenn wir das Gute in den Menschen erkennen und es ihnen sagen, tragen wir dazu bei, dass sie ihr Potenzial erfüllen. Lob für Anstrengungen und nicht für natürliche Talente fördert das Wachstum im Menschen. Denn die richtige Art von Lob kann das Leben eines Menschen zum Besseren verändern. Das ist die Kraft freundlicher Worte, einer guten Zunge. Verleumdung, die böse Zunge, erniedrigt uns. Wie sagte der weise König Salomo in seinen Sprüchen (15,4): „Freundliche Worte schenken Leben, eine betrügerische Zunge aber zerstört den Geist. Wer seine Zunge im Zaum hält, wird lange leben, wer aber unbedacht redet, der rennt in sein eigenes Verderben.“

In unserer modernen Welt ist die Verleumdung über soziale Netzwerken und Medien noch viel leichter als früher. Menschen schaden sich heute leichter mit Shaming und Cybermobbing, Hetze bis hin zum Missbrauch der Meinungsfreiheit in den Medien, was manchmal zur Norm wird und als schlechte Namensgebung, Tratsch und Beleidigung anderer gleichgesetzt wird. In den letzten Jahren leidet Israel darunter, dass sich Menschen gegenseitig schlecht machen. Daher liebe ich den Sticker, der oft auf Autos und Haustüren zu sehen ist: „Ein böse Zunge spricht mich nicht an!“

 

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Patrick Callahan

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