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Gedanken zum Schabbat

„Baruch Haschem“ ist ein traditioneller Begriff in der hebräischen Umgangssprache. Dieser Ausspruch, der mit „Gesegnet sei der Herr“ oder „Gesegnet sei Adonai“ übersetzt werden kann, ist in der israelischen Gesellschaft relativ häufig zu hören.

Wochenlesung – יִתְר֨וֹ – Jetro – Jetro ; 2.Mose 18,1 – 20,26 ; Jesaja 6,1 – 7; 7,1 – 6; 9,5 – 6

Wenn man fragt: „Wie geht es dir“? lautet die Antwort nicht selten „Baruch Haschem“. Aber woher kommt dieser Begriff und was steckt mehr dahinter?

Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

Die Worte „Baruch Haschem“, Gesegnet sei der Herr, werden in der dieswöchigen Parascha von Jetro, dem Priester von Midian und Schwiegervater von Mose, ausgesprochen, als er von den Wundern hört, die Gott vollbracht hat, um die Israeliten aus Ägypten zu befreien. Mit „Haschem“ (wörtlich: Der Name) umschreibt man den heiligen Namen Gottes, der nicht ausgesprochen werden darf. Wenn im Hebräischen Bibeltext der Eigenname Gottes vorkommt, das sogenannte Tetragrammaton יהוה , dann wird stattdessen „Adonai“ gelesen. Im Falle von בָּרוּךְ יְהוָה – liest man also Baruch Adonai.

Im Wochenabschnitt dieser Woche ist Jetro so begeistert, dass er seine Tochter Zippora, Moses Frau, sowie seine Enkel Gerschom und Elieser nimmt und sich dem Lager Israels in der Wüste anschließt. Mose erzählt ihm von den Strapazen und den Wohltaten, die das Volk erlebt hat, und Jetro antwortet: „Gesegnet sei der Herr (בָּרוּךְ יְהוָה), der euch aus der Hand Ägyptens und aus der Hand des Pharaos gerettet hat, der sein Volk von der Hand der Ägypter errettet hat“.

Die Worte „Baruch Haschem“ erscheinen mehrmals in der Bibel, hier zwei Beispiele:

  • Noah: „Gepriesen sei der HERR (בָּרוּךְ יְהוָה), der Gott Sems, und Kanaan sei sein Knecht!“ (1.Mose 9,26)
  • Abrahams Diener Elieser: „Gelobet sei der HERR (בָּרוּךְ יְהוָה), der Gott meines Herrn Abraham, der seine Gnade und Treue meinem Herrn nicht entzogen hat, denn der HERR hat mich den Weg zum Hause des Bruders meines Herrn geführt!“ (1.Mose 24,27)

 

Auffällig ist, dass alle drei Personen, die Gott auf diese Weise preisen, nicht zum Volk Israel gehören. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Bibel verdeutlicht, dass der Gott Israels der Gott der gesamten Menschheit ist. Aber beachtet den Unterschied, das Judentum ist einzigartig, aber die Gottheit ist universell.

Das Judentum glaubt, dass Gott allumfassend ist – er hat die Welt erschaffen, die Sterne am Himmel geordnet, das Leben hervorgebracht und den Menschen geformt. Gottes Fürsorge ist nicht nur auf das Volk Israel beschränkt. Man muss kein Jude sein, um Ehrfurcht vor dem Schöpfer zu empfinden oder um, wie Jetro, seine Hand in den Wundern der Welt zu erkennen.

Es gibt weitere Beispiele von Nichtisraeliten, die Gott preisen. Zum Beispiel Melchisedek, König von Schalem und Priester des höchsten Gottes: „Aber Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein herbei. Und er war ein Priester Gottes, des Allerhöchsten. Und er segnete ihn und sprach: Gesegnet sei Abram vom allerhöchsten Gott (בָּרוּךְ אַבְרָם לְאֵל עֶלְיוֹן), dem Besitzer des Himmels und der Erde. Und gelobt sei Gott, der Allerhöchste (וּבָרוּךְ אֵל עֶלְיוֹן), der deine Feinde in deine Hand geliefert hat! Und Abram gab ihm den Zehnten von allem.“ (1.Mose 14,18–20) Baruch Haschem in einer anderen Form, wie Baruch des „Allerhöchsten Gottes“.

Interessant ist auch, dass diese Parascha, die die Zehn Gebote und den Bund am Sinai – das wichtigste Ereignis in der jüdischen Geschichte – enthält, nach Jetro benannt ist, der sozusagen nicht zum Volk Israel gehört.

Unmittelbar vor der Offenbarung am Sinai setzt die Bibel einen Abschnitt ein, in dem ein midianitischer Priester Mose organisatorische Ratschläge gibt. Ebenso lesen wir in der Prophetie des Sacharja, dass am Ende der Tage alle Völker nach Jerusalem kommen werden, um das Laubhüttenfest zu feiern (Sacharja 14). Diese Beispiele zeigen nicht, dass alle Völker am Ende der Zeit zum Judentum übertreten werden, sondern etwas anderes: Alle werden den einen Gott anerkennen – den Schöpfer und Herrn der gesamten Welt. Die Vorstellung, dass man außerhalb einer bestimmten Religion steht und dennoch von deren Gläubigen als Gottesverehrer anerkannt werden kann, ist in der Welt der Religionen selten. Der Gott Israels ist die Hoffnung und Erlösung für die gesamte Menschheit.

Die Menschheit hat seit jeher mit der Frage gerungen: Wie kann ich die Würde und Vollkommenheit des Anderen anerkennen? Über Jahrhunderte hat sich die Akzeptanz für Menschen, die einem ähneln, in das menschliche Bewusstsein eingeprägt, ebenso wie Feindseligkeit gegenüber jenen, die anders sind.

  • Wir sind die Guten – sie sind die Schuldigen.
  • Wir haben die Wahrheit – sie leben in der Lüge.
  • Gott steht auf unserer Seite – nicht auf ihrer.

Diese Haltung hat zu unzähligen Verbrechen in der Geschichte der Menschheit geführt. Deshalb lehrt uns Gottes Wort einen anderen Weg. Noah, Abrahams Diener, Jetro und viele andere, sie alle sind Gottesfürchtige, auch wenn sie nicht Teil des Bundesvolkes sind. Diese Lehre und Liebe Gottes hallt bis heute nach. Es ist schwer, sich ein relevanteres Prinzip für unsere Zeit vorzustellen. Gott ist universell und die gesamte Menschheit wurde nach seinem Ebenbild erschaffen. Aber die Offenbarung der Gesetzgebung auf dem Berg Sinai und der Bund mit Israel sind einzigartig für das jüdische Volk. Die Fähigkeit, unsere eigene Identität zu bewahren und gleichzeitig eine universelle Verpflichtung gegenüber der Menschheit zu haben, ist die wichtigste Botschaft, die wir in unser Leben tragen können.

Wir sind verschieden, aber wir alle sind Menschen. Wir sind alle nach dem Ebenbild Gottes geschaffen – wir sind alle eins. Lasst uns daher alle gemeinsam handeln, jedes Volk mit seinem einzigartigen Beitrag, um die gemeinsamen Probleme zu lösen, die nur durch ein gemeinsames Verständnis bewältigt werden können. Dabei kann jeder in seiner Sprache „Baruch Haschem“ aussprechen und dem Gott Israels folgen. Amen.

 

Schabbat Schalom!

 

Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :

  •  Jerusalem – Beginn 16:45, Ausgang 18:01
  •  Tel Aviv – Beginn 17:06, Ausgang 18:03
  •  Haifa – Beginn 16:55, Ausgang 18:01
  •  Beersheva – Beginn 17:07, Ausgang 18:04
  •  Eilat – Beginn 16:58, Ausgang 18:06

About the author

Patrick Callahan

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