(JNS) Während die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) tiefer in den Libanon vorrücken, wächst unter den Bewohnern Nordisraels die Sorge vor einer möglichen Bodeninfiltration durch die Radwan-Einheit der Hisbollah.
Obwohl die militärischen Fähigkeiten der Hisbollah in den vergangenen drei Jahren erheblich geschwächt wurden, bleibt die vom Iran unterstützte libanesische Terrorarmee – und insbesondere ihre Radwan-Einheit – weiterhin gefährlich. Nachdem die Hisbollah am 2. März beschlossen hatte, sich den Kämpfen zwischen Israel und dem Iran anzuschließen, leitete die IDF intensive defensive und offensive Maßnahmen ein, um dieser Bedrohung zu begegnen.
„Wir gehen davon aus, dass die Radwan-Einheit, die während der Waffenruhe hauptsächlich nördlich des Litani-Flusses und in der Bekaa-Ebene stationiert war, nach dem Eintritt der Hisbollah in die Kämpfe am 2. März den Befehl erhielt, Teile ihrer Kräfte südlich des Litani zu verlegen und sich dort mit möglichst geringer Sichtbarkeit in einer Art ‚Verteidigungsstreifen‘ im Südlibanon zu positionieren – in einer Entfernung von bis zu etwa zehn Kilometern von der Grenze“, erklärte Tal Beeri, Leiter der Forschungsabteilung des Alma Centers, am Sonntag.
„Von dort aus versuchen die Kämpfer der Einheit, IDF-Truppen auf libanesischem Boden aus effektiven Reichweiten für Panzerabwehr- und Mörserbeschuss anzugreifen, kombiniert mit dem Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge aus weiter rückwärtigen Positionen“, fügte er hinzu.
Die Radwan-Einheit ist laut Beeri in kleinen Trupps entlang des gesamten Gebiets südlich des Litani stationiert und operiert im Feld weitgehend autonom.
Um die Effektivität dieser autonomen Zellen zu maximieren, setzt die Hisbollah gezielt auf Kämpfer mit detaillierter Ortskenntnis. „Unserem Verständnis nach bestehen diese Trupps aus bis zu zehn Kämpfern, bevorzugt aus lokalen Radwan-Mitgliedern (aus dem Südlibanon stammend), die das Gelände gut kennen“, sagte Beeri.
Dementsprechend hätten die Truppführer „ein hohes Maß an Unabhängigkeit bei schnellen taktischen Entscheidungen im Einsatzgebiet“.
Letztlich komme er zu dem Schluss, dass die große strategische Bedrohung einer umfassenden Hisbollah-Invasion zwar eingedämmt worden sei, jedoch weiterhin eine lokale Gefahr bestehe.
„Die Radwan-Einheit ist in der Lage, entlang der Grenzregion gezielte, qualitativ hochwertige Operationen in Form begrenzter Bodeninfiltrationen durchzuführen – in einem bestimmten Gebiet und mit einer begrenzten Anzahl von Kämpfern, bis hin zu einigen Dutzend. Derzeit ist die Radwan-Einheit jedoch nicht in der Lage, ihren ursprünglichen Plan umzusetzen, nämlich eine groß angelegte Invasion Galiläas“, so sein Fazit.
Kommandeur (a. D.) Eyal Pinko, Forscher am Begin-Sadat-Zentrum für Strategische Studien und ehemaliger Offizier der israelischen Marine und des Nachrichtendienstes, erklärte, dass die Radwan-Einheit der Hisbollah weiterhin eine konzentrierte und bedeutende Präsenz im Südlibanon aufrechterhalte.
Angesichts des Geländes und der Taktik des Gegners warnte Pinko, dass taktische Überraschungen weiterhin eine konstante Gefahr darstellen. „Es wird sehr schwierig sein, zu hundert Prozent vorbereitet zu sein“, sagte er gegenüber JNS.
Während die IDF-Einheiten gut ausgebildet und wachsam seien, verschaffe das unterirdische Operationsumfeld der Hisbollah einen klaren taktischen Vorteil, fügte er hinzu.
„Ich gehe von einer sehr hohen Alarmbereitschaft aus, aber sie [die Hisbollah] operieren auch unterirdisch“, so Pinko. „Meiner Einschätzung nach sind ihre Verstecke und Tunnel weitgehend unbekannt.“
Am Montag bestätigte der internationale IDF-Sprecher, Oberstleutnant Nadav Shoshani, dass das Militär feindliche Bewegungen von Radwan-Kämpfern beobachtet habe.
„Seit der Entscheidung der Hisbollah, sich den Kämpfen anzuschließen, haben wir gesehen, dass Hunderte Radwan-Kämpfer erneut versuchen, sich nach Süden zu verlegen“, erklärte Shoshani.
„Wir haben gesehen, wie die Hisbollah versucht, ihren Beschuss auszuweiten. Wir haben gesehen, wie sie versucht, Terroristen in Richtung Grenzgebiet zu schicken“, fügte er hinzu.
Daher betonte Shoshani, dass die Präsenz von IDF-Truppen im Grenzgebiet nicht nur präventiv, sondern für die unmittelbare Sicherheit zwingend erforderlich sei.
„Deshalb ist es entscheidend, dass unsere Truppen im Grenzgebiet sind – zur Verteidigung, zur Sicherung der Linien und zur Verhinderung jeglicher Angriffe auf israelische Zivilisten, sei es durch Panzerabwehrraketen, RPGs oder Infiltrationsversuche“, betonte er.
Bereits am 12. März erklärte Shoshani gegenüber Journalisten, dass „kein Widerspruch darin besteht, dass wir die Hisbollah in den vergangenen drei Jahren erheblich geschwächt haben und sie dennoch weiterhin eine relevante und gefährliche Kraft ist.“
Er erinnerte daran, dass die Hisbollah am Vorabend des 7. Oktober 2023 über ein Arsenal von Hunderttausenden Geschossen verfügte, und betonte: „Selbst wenn man einen großen Teil davon zerstört, bleibt sie dennoch eine relevante und gefährliche Kraft. Wir haben stets betont, dass die Hisbollah weiterhin eine Bedrohung darstellt, der begegnet werden muss – und dass sie entwaffnet werden muss.“




