(JNS) Israel bereitet sich seit Jahrzehnten auf die Feinde vor, die es sehen kann: iranische Zentrifugen, Hamas-Tunnel und Hisbollah-Raketen. Das Land hat eines der modernsten Verteidigungssysteme der Welt aufgebaut, um gegen sie vorzugehen. Doch die Gefahr, die langfristig den größten Schaden anrichten könnte, wächst innerhalb der Knesset, der Jeschiwot und in den Geburtenstatistiken selbst – und kein Raketenabwehrsystem kann sie aufhalten.
Diese Gefahr ist der Haredi-Exzeptionalismus. Und Israels politische Führung hat ihn selbst geschaffen.
Die Haredim machen weniger als 15 Prozent der israelischen Bevölkerung aus. Dennoch ist ihr Einfluss weit größer, als es ihre Zahl vermuten lässt. Ursache dafür ist das fragmentierte politische System Israels, in dem ultraorthodoxe Parteien für die Bildung von Koalitionsregierungen meist unverzichtbar sind.
Mit ihrer Rolle als Mehrheitsbeschaffer haben die Haredi-Parteien die Regierungen dazu gedrängt, Befreiungen vom Militärdienst für Zehntausende Jeschiwa-Studenten aufrechtzuerhalten, Schulen zu schützen, die sich weigern, weltliche Kernfächer zu unterrichten, Sozialleistungen auszuweiten und das orthodoxe Monopol über das religiöse Leben zu stärken – trotz des Widerstands der Mehrheit der säkularen Israelis und eines großen Teils der jüdischen...
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Die betroffenen Haredim werden von sich aus offener, sich in die Gesellschaft zu integrieren und sich ihren Verpflichtungen nicht mehr zu entziehen. Denn ein solches Verhalten ist in der Tora nirgendwo vorgesehen, eben weil auf diese Weise eine Gesellschaft nicht funktionieren kann. Alle wichtigen Figuren der Schriften standen mitten in der Gesellschaft und mitten im Leben und sie haben so ihre Rolle erfüllt.
Wer jeden Tag nur Tora studiert weil er das will, der entzieht sich dem Handlen Gottes, denn Gott handelt in der Regel durch uns Menschen wenn wir aktiv sind. Es gibt keine biblische Überlieferung, wo jemand dafür gelobt wird oder als Vorbild gepriesen wird, der den ganzen Tag nur die Schriften studiert. Im Gegenteil, wir werden vom Prediger davor gewarnt, es in der Frömmigkeit zu übertreiben, weil das in Sünde führt.
Wer die Welt nicht kennt, kann die Schriften auch gar nicht verstehen, weil er keine Möglichkeit hat, sie auf die Wirklichkeit anzuwenden. Es ist sehr fraglich welchen Nutzen das tägliche ausschließliche Schriftstudium aller haben soll.
Es ist kein Zeichen von Frömmigkeit oder Nähe zu Gott, sondern vielmehr eine Weigerung, in Gottes Sinn tätig zu sein, d.h. man widersetzt sich seinem Willen. Und dafür sind wir schließlich in der Welt: Um tätig zu sein und nicht dafür, sich aus der Welt in eine künstliche Realität massenweise zurückzuziehen. Auch die moderne Welt ist von Gott geschaffen und wer sie nicht kennt, sieht nicht, wie sich die Prophezeiungen der Propheten darin erfüllen.