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Das musikalische Vermächtnis von Aner Shapira

Er war Musiker, Kämpfer und Held – Aner Shapira wurde am 7. Oktober ermordet, doch seine Musik lebt weiter.

Graffiti mit den Porträts von vier zivilen Helden, die am 7. Oktober 2023 bei Rettungsversuchen ermordet wurden, von links nach rechts: Amit Mann – Sanitäterin, ermordet in der Klinik des Kibbuz Be’eri, während sie Verwundete behandelte. Ben Shimoni – Flüchtete vom Musikfestival in Re’im, kehrte dreimal zurück, um andere zu retten. Awad Darousha – Arabisch-israelischer Sanitäter und Krankenwagenfahrer, ermordet, während er Verletzte evakuierte. Aner Shapira – Warf sieben Granaten aus einem Schutzraum, bevor ihn die achte tötete. Bild: גרפיטיול / GrafitiyulNizzan Cohen, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Aner Shapira. Foto: IDF.

Der Name „Aner“ prangt in dicken, schwarzen Buchstaben auf zahlreichen Wänden Jerusalems. Diese Graffiti sind ein Tribut an Aner Elyakim Shapira – Soldat, Musiker, Künstler und Rapper. Seine Familie und Freunde ehren ihn nun mit einem posthumen Mini-Album namens „Anerchism“.

Schon als Kind entdeckte Shapira seine Leidenschaft für Musik. Er begann mit dem Klavierspiel, doch es war der Rap, der ihn wirklich fesselte. Seine Familie beschreibt ihn als tiefgründigen Denker, der sich intensiv mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzte. Dies spiegelte sich auch in seinen Texten wider, wie es seine Eltern in einem Gespräch mit Mike Evans, Gründer des Friends of Zion Museums in Jerusalem, erzählten.

Unter dem Künstlernamen „Anerchism“ produzierte er Songs, die sich mit sozialer Gerechtigkeit, Identität und gesellschaftlichen Spannungen beschäftigten. Doch sein Traum, ein Album zu veröffentlichen, wurde durch seinen tragischen Tod am 7. Oktober 2023 jäh unterbrochen.

Nach seinem Tod beschlossen seine Familie und Freunde, sein musikalisches Erbe weiterleben zu lassen. Fünf Songs hatte Shapira bereits aufgenommen. Ein sechster Song, „Hatred of Brothers“, wurde posthum mit Unterstützung des Rappers Avery G. und Shaanan Streett von Hadag Nachash vollendet. Das dazugehörige Musikvideo wurde in Jerusalem gedreht und zeigt Shapiras Familie und Freunde an Orten, die ihm viel bedeuteten. Am Ende des Videos rappt Streett in der Bar Hasira und hält symbolisch Plätze für Shapira und dessen besten Freund, Hersh Goldberg-Polin, frei. Goldberg-Polin wurde am 7. Oktober entführt und befand sich bis zu seinem Tod in Geiselhaft im Gazastreifen. Am 31. August 2024 wurde sein Körper zusammen mit fünf weiteren Leichen in einem Hamas-Tunnel in Rafah geborgen.

Ein Leben voller Kunst, Musik und Mut

Shapira wurde am 12. März 2001 in Jerusalem geboren und wuchs im Stadtteil Arnona als ältester von sieben Geschwistern auf. Seine Familie hat tiefe zionistische Wurzeln; sein Urgroßvater, Haim-Moshe Shapira, war einer der Unterzeichner der israelischen Unabhängigkeitserklärung. Schon in jungen Jahren schrieb er Geschichten, illustrierte sie und zeigte eine besondere Begeisterung für künstlerische Ausdrucksformen. Später entdeckte er seine Liebe zum Hip-Hop, wobei er seine Texte nutzte, um gesellschaftliche und politische Themen anzusprechen.

Nach seinem Schulabschluss strebte Shapira eine Aufnahme in die Eliteeinheit Sayeret Matkal an, doch Verletzungen während der Ausbildung verzögerten seinen Dienst um über ein Jahr. Schließlich diente er in der Orev-Kompanie der Nahal-Brigade. Seine Kameraden schätzten ihn für seine Führungsqualitäten und sein Engagement.

 

Der 7. Oktober: Ein Held stellt sich gegen den Terror

Am 7. Oktober 2023 besuchte Shapira mit Freunden, darunter sein enger Kindheitsfreund Hersh Goldberg-Polin, das Supernova-Musikfestival in Re’im. Als Hamas-Terroristen das Gelände stürmten, suchten sie Schutz in einem öffentlichen Schutzraum.

Der öffentliche Schutzraum, in dem Aner Shapira am 7. Oktober zusammen mit vielen weiteren Israelis während des Massakers an einer Straße in der Nähe der Grenze zwischen Israel und Gaza im Süden Israels ermordet wurde. Foto: Chaim Goldberg/Flash90.

Shapira übernahm die Führung und stellte sich mutig an den Eingang. Obwohl er unbewaffnet war, weigerte er sich, die Eingeschlossenen ihrem Schicksal zu überlassen. Als die Terroristen begannen, Granaten in den Raum zu werfen, reagierte er sofort. Er fing die Granaten und warf sieben davon aus dem Schutzraum hinaus, bevor ihn die achte tödlich traf. Sein heldenhaftes Handeln rettete mindestens sieben Menschen das Leben.


Seine Eltern berichteten in ihrem Gespräch mit Mike Evans, dass Aner genau gewusst habe, wie gefährlich die Situation war, aber dennoch nicht gezögert habe, sich in den Dienst anderer zu stellen. Sein Mut und seine Entschlossenheit seien typisch für ihn gewesen – sowohl als Soldat als auch als Mensch, der stets für seine Überzeugungen eintrat.

 

Ein musikalisches Erbe, das weiterlebt

Seine Familie beschreibt ihn als „Liebhaber der Menschen und der Gerechtigkeit, Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, Philosoph mit offenem Herzen und neugierigen Augen“. Er wollte seine Musik nutzen, um die Gesellschaft zu verändern. Nun erfüllt sich sein Traum – wenn auch auf tragische Weise – durch die Veröffentlichung des Mini-Albums „Anerchism“. Alle Einnahmen fließen in die Produktion eines Doppelalbums und die Gründung eines Jugendmusikzentrums. Am 28. März wird das Album im Hansen-Haus in Jerusalem offiziell vorgestellt.

About the author

Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Das musikalische Vermächtnis von Aner Shapira”

  1. Markus Moser sagt:

    Na ja, wenn man Rap mag… Ich habe lieber Musik…
    Man wird in einen aufgezwungenen Krieg hineingezogen und genau so aufgezwungen ist folglich auch der Tod dieses Menschen. G’ott möge die Familie zutiefst trösten!

    Masters of War
    Bob Dylan

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