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Am Sonntag: Merz trifft Netanjahu in Jerusalem

Ein Besuch mit großer Symbolik – und offenen Fragen an die deutsche Politik.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz während einer Pressekonferenz im Anschluss an eine Beratung mit den Ministerpräsidenten der Länder im Kanzleramt in Berlin, Deutschland, am 4. Dezember 2025. Foto: EPA/CLEMENS BILAN

Am Sonntag reist Bundeskanzler Friedrich Merz nach Jerusalem, wo er Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu einem offiziellen Gespräch treffen wird. Das Treffen beginnt um 11 Uhr, die gemeinsame Pressekonferenz ist für 12:30 Uhr vorgesehen. Ein kurzer Besuch, doch einer, der viel über das derzeitige Verhältnis zwischen Deutschland und Israel aussagt.

Merz hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, Deutschland müsse „an der Seite Israels stehen“. In Israel hört man solche Worte aufmerksam, vor allem deshalb, weil wir gut wissen, wie oft der Abstand zwischen politischen Erklärungen und tatsächlichem Handeln ausfällt. Besonders seine Rede vor der Jungen Union, in der er nachdrücklich sagte, Deutschland müsse klar Position beziehen – „an Israels Seite“ –, wurde hier registriert. Der Applaus in Deutschland war groß, doch in Jerusalem fragt man sich: Wie verbindlich ist diese Aussage wirklich?

Nur einen Tag später sprach Merz telefonisch mit Netanjahu und bekräftigte seine Unterstützung. Deutschland hat sich seit dem 7. Oktober 2023 tatsächlich entschlossener gezeigt als viele andere europäische Staaten. Dennoch bleiben Widersprüche bestehen, die in Israel immer wieder für Stirnrunzeln sorgen.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu empfängt den damaligen deutschen Oppositionsführer Friedrich Merz in Jerusalem, 21. März 2023. Foto von Amos Ben-Gershom/GPO.
Als Oppositionsführer wurde Friedrich Merz am 21. März 2023 von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem empfangen. Am Sonntag reist er erstmals als Bundeskanzler nach Israel. Foto: Amos Ben-Gershom/GPO.

Zwischen Staatsräson und Realität

Seit Jahren wird betont, die Sicherheit Israels gehöre zur deutschen Staatsräson. Gleichzeitig finanziert Deutschland weiterhin palästinensische Organisationen, darunter solche, die nach Ansicht vieler Kritiker offen antiisraelische Positionen vertreten oder Projekte fördern, die der Idee eines jüdischen Staates entgegenstehen.

Für zusätzliche Irritation sorgte im Sommer die Entscheidung, ein Exportverbot für „offensive Waffen“ gegen Israel zu verhängen – ausgerechnet an einem Tag, an dem die IDF ihre Operation gegen die Hamas ausweiten musste. Der zeitliche Zusammenhang wurde in Jerusalem sehr genau wahrgenommen.

 

Ein sicherheitspolitisches Signal: Arrow 3

Ein deutlich positiveres Zeichen setzte dagegen die Übergabe des ersten Arrow-3-Luftverteidigungssystems an die Bundeswehr. Für Israel handelt es sich um das größte Rüstungsgeschäft der Landesgeschichte, und das System selbst ist ein zentrales Element der israelischen Raketenabwehr – mit der Fähigkeit, ballistische Raketen außerhalb der Erdatmosphäre abzufangen. Seit Beginn des Krieges gegen Hamas, Hisbollah und Iran hat Arrow 3 bereits Hunderte erfolgreiche Einsätze absolviert. Dass Deutschland sich für dieses System entscheidet, zeigt eine sicherheitspolitische Annäherung, die weit über das bilaterale Verhältnis hinausreicht.

Ein Besuch mit Signalwirkung

Merz’ Besuch in Jerusalem wird deshalb aufmerksam verfolgt. Für Israel stellt sich die Frage, ob Deutschland bereit ist, seine historischen Verpflichtungen auch in konkrete politische Entscheidungen zu übersetzen – nicht nur in feierlichen Reden. Die Lage im Nahen Osten ist angespannt wie lange nicht mehr, und Israel braucht Partner, die in schwierigen Momenten nicht aus taktischen Gründen zögern, sondern ihrer Überzeugung folgen.

Merz hat angekündigt, Deutschland wieder fester im westlichen Bündnis zu verankern. Ob dazu auch eine verlässliche und konsistente Unterstützung Israels gehört, wird sich an diesem Besuch messen lassen. Für beide Seiten ist er ein wichtiger Moment – und für Israel ein Gradmesser dafür, ob Berlin bereit ist, das, was es seit Jahrzehnten formuliert, auch praktisch einzulösen.

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Patrick Callahan

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