Der langjährige Regierungschef Israels wird in christlichen Kreisen oft als von Gott auserwählter Herrscher Israels geradezu verherrlicht. Stehe ich voll hinter dem Premierminister und seiner Politik? Nicht immer. Ich bin nicht Anti-Bibi und ich bin auch nicht Pro-Bibi. Ich stehe voll und ganz hinter dem Volk Israel und Gottes Verheißung für das Land. Ich glaube nicht, dass Israels Existenz oder glorreicher Sieg in diesen Tagen nur von Bibi abhängt, so wie es viele, insbesondere amerikanische Evangelisten verstehen. Einige von ihnen haben mir sogar vorgeworfen, ich sei nicht „gläubig“ genug, wenn ich Bibi nicht mit Herz und Seele liebe und jede seiner Entscheidungen mit Amen begrüße. Das Problem liegt oft bei den Menschen, die Linken sehen nur das Negative bei den Rechten und die Rechten sehen nur Negative bei den Linken. Entschuldigung Freunde, die Welt funktioniert so nicht.
Benjamin Netanjahu ist unumwunden ein brillanter Politiker und wahrscheinlich der beste Sprecher und Botschafter Israels. Dennoch ist er heute nicht mehr derselbe wie in seiner ersten Amtszeit in den Jahren nach dem Oslo-Abkommen und dem Mordanschlag auf Jitzchak Rabin. Was er für Israel errungen hat, kann ihm keiner streitig machen. Dafür muss Netanjahu auch zu Recht gelobt werden, wie beispielsweise für die „Abraham Abkommen“ mit den arabischen Ländern im Jahr 2020. Trotz allem erinnert Bibi mich ein wenig an König Salomo und dessen Fall.
Salomo brauchte sieben Jahre, um den Tempel des HERRN zu bauen und 13 Jahre, um sein eigenes Haus zu errichten. Das beschreibt die Bibel in zwei aufeinanderfolgenden Versen (1.Könige 6,38 und 7,1). Hier soll der Leser darauf aufmerksam gemacht werden, was dem König anscheinend wichtiger gewesen war. Für den Bau seiner eigenen Residenz brauchte der König doppelt so lange, wie für die Errichtung der Residenz Gottes auf dem heiligen Berg Moriah in Jerusalem. König Salomo schätzte sich anscheinend selbst mehr wert als sein Volk und den Tempel Gottes.

Diese Beschreibung passt auch recht gut auf jüdische und christliche Werke vieler Menschen in unseren Tagen. Sie erledigen ihren Dienst korrekt. Aber ihr vorrangiges Interesse gilt ihrem eigenen Haus und den Bequemlichkeiten der eigenen Familie. Gottes Werk und Gottes Haus sind zweitrangig.
Genauso betrachte ich die Situation unseres Regierungschefs Benjamin Netanjahu, der bereits länger als jeder andere Staatsführer im Land dient und im Laufe der Jahre sich und seine Familie vorrangiger sah als das Volk selbst. Die üblichen Bibi-Fans werden mir dies natürlich nicht abnehmen, aber so sehe ich persönlich die politische Entwicklung von Benjamin Netanjahu. Von den Gerichtsverfahren gegen ihn halte ich nichts, da im Endeffekt alle in diesen hohen Positionen korrupt sind. Die anderen werden entweder nicht erwischt oder die Medien drücken beide Augen zu und spielen mit. In Bezug auf Bibi denke ich, dass die Medien den Mund nicht gehalten haben, weil er eine rechtsgerichtete Politik führt. Und dennoch ist er in den letzten Jahren mehr mit seinem eigenen politischen Überleben beschäftigt als mit dem Volk. Seit 2009 regiert Netanjahu im Land, er bestimmte die Politik und er bestimmte auch die Sicherheit – das hat er jedenfalls immer so dargestellt. Daher ist er für das Sicherheitsfiasko verantwortlich, nicht nur er, aber er steht an der Spitze.
Eine lange Zeit war Bibi gut für das Volk Israel, aber mit der Zeit verändern sich Menschen. Auch ein König David, mit dem Bibi von seinen Wählern jahrelang verglichen wurde, wurde alt. Keiner im Volk wurde je als König und Messias bezeichnet, Bibi dagegen schon. Seine Idee, zuerst mit den 99 Prozent der arabischen Umgebung Frieden zu schließen und am Ende mit den Palästinensern war korrekt. Er hat uns und der Welt gezeigt, dass das Konzept grundsätzlich falsch war, nach welchem keine arabische Regierung mit Israel eine Normalisierung eingehen wollen würde ohne ein vorheriges Friedensabkommen mit den Palästinensern.
Da hatte Bibi definitiv Recht, als er in den letzten Jahren Frieden mit arabischen Ländern schloss. Weniger Recht hatte er in Bezug auf das Konflikt-Management und die Finanzierung der Hamas. Das war ein Mega-Fehler. Zudem war Bibi auch für die tiefe Spaltung im Volk mitverantwortlich. Alle, die gegen ihn waren, wurden entweder als Verräter, Linksliberale oder Böse abgestempelt. Das übermittelte er seinen Wählern, und so vertiefte sich der Kluft, aber auch die Linken im Volk haben tüchtig beigetragen. Keine andere Familie eines Premierministers in Israels Staatsgeschichte hat solch eine königliche Aufmerksamkeit bekommen, wie Familie Netanjahu. Natürlich sind daran auch die Medien schuld, aber irgendetwas reizte alle an Bibi und seiner Familie.

Dass er länger als alle anderen Premierminister in Israel diente, macht ihn deswegen nicht zum Auserwählten Gottes. König Manasse war der sündhafteste König Israels in der Bibel, der mehr als alle anderen Könige im Land herrschte. 55 Jahre herrschte König Manasse im Königreich Juda, 15 Jahre länger als Israels legendäre Könige David und Salomo. „Er tat, was böse war in den Augen des HERRN, nach den Gräueltaten der Heiden, die der HERR vor den Kindern Israel vertrieben hatte.“ (2.Könige 21, 1-18) Er brachte alle fremden Götter und Kulte zurück, die sein Vater König Hiskia aus dem Land verbannt hatte. Zudem vergoss Manasse auch sehr viel unschuldiges Blut, womit er Jerusalem von einem Ende bis zum anderen mit Blut füllte.

Seit Jahren vergleiche ich Bibi mit einem politischen Chamäleon. Sobald politische Verbündete nicht mehr nötig sind, wendet sich Bibi seinen Gegnern zu. Dies tat er im Jahr 2009 mit Ehud Barak aus der linken Arbeiterpartei und schickte dafür seinen rechten Kollegen Jakov Dov Katz (Katzale) nach Hause. Vier Jahre später tat er dasselbe mit den orthodoxen Parteien und zerschmetterte den rechten Block, weil dieser keinen Sinn mehr für ihn ergab. Koalition mit den Linken und Yair Lapid war besser.
So wie ein Chamäleon seine Farbe wechselt, so passt sich Netanjahu immer der nötigen Politik an, ob rechts oder links. Er hat Politiker im nationalrechten Lager bekriegt und einen Teil seiner engen Berater in der Politik ausgegrenzt. Seine größten Feinde heute waren einst seine engsten Kollegen, die zum Teil unter ihm zu politischen Größen herangewachsen sind. Darunter zählt Avigdor Liebermann, Gidon Saar, Zeev Elkin, Naftali Bennett, Mosche Yaalon, Zwi Hendel, Ayelet Shaked und viele andere. Nicht die Linie oder Ideologie war ihm wichtig, sondern der Stuhl, das Amt, das Königtum.

Bibis Abfall geschah langsam, wie der von Salomo, nach und nach – so wie jedes Mal, wenn ein Mensch von Gott und seinen Verheißungen abfällt. Trotz aller Weisheit, die Gott beiden Menschen – König Salomo und König Bibi – gegeben hatte. Oftmals habe ich Menschen gesehen, die vom Beginn ihres Lebens an auf die Welt ausgerichtet waren. Sie beginnen damit, ihr eigenes Recht in ihrer Verpflichtung und im Dienst zu suchen. Wenn du sie viele Jahre später wieder triffst, sind die meisten Experten darin geworden, ihren eigene Vorteile zu suchen. Genau das sagen selbst viele Likudwähler Bibi nach, dass er in seinen letzten Jahren immer häufiger seine eigenen Vorteile suchte.
Seine einzige Ideologie in den letzten Jahren ist der Regierungssitz und sein politisches Überleben. Dafür ist er bereit, mit jedem eine Koalition einzugehen. Dies erklärt, weshalb er in den letzten Kriegsmonaten mehrmals mit den linken Oppositionsparteien verhandelt hat, um seine rechten Koalitionspartner Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich auszuwechseln. Ergebnislos, weil keiner Bibi vertraut. Bibi ist nicht der Messias, so wie es sich die Likudwähler einmal wünschten. Bibi ist ein weiser Mann, sehr weise, der sich in den letzten Jahren verrannt hat. Nur wenige wissen am Höhepunkt aus dem Ring oder der Politik zu steigen. Aber das ist nichts Neues, und wem in der Bibel passierte das nicht? Gott liebt sein Volk wegen seines Bundes, seiner Verheißung und nicht wegen Bibi oder einem anderen Bibi. Ja, ich folge keinem blind nach – auch nicht Bibi. Es ist Zeit, dass ein junger König David aus dem Volk Israel gewählt wird und ich sehe die Hoffnung in der jungen Generation Israels, die TikTok-Generation, die im Krieg war.





Zitat;
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Es ist Zeit, dass ein junger König David aus dem Volk Israel gewählt wird und ich sehe die Hoffnung in der jungen Generation Israels, die TikTok-Generation, die im Krieg war.
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Sehr gut @Aviel – sehe Ich auch so!
Zitat:
…Von den Gerichtsverfahren gegen ihn halte ich nichts, da im Endeffekt alle in diesen hohen Positionen korrupt sind. Die anderen werden entweder nicht erwischt oder die Medien drücken beide Augen zu und spielen mit.
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na ja das macht sehr wenig Hoffnung auf eine funktionierende Demokratie, obwohl Israel auf der Rangliste des Korruptionsindex im gehoben Mittelfeld steht auf Platz 33 von 180 (die Skandinavier sind ganz vorne und „böse Staaten“ wie Somalia, Syrien und Nordkorea ganz unten)
Schon lange wollte ich etwas zu Bibi schreiben. Vorweg: Ich würde keinen Politiker je in Christusnähe rücken 😉
Ich empfinde Bibi aber als richtigen Mann für diese Zeit. Ich glaube, nicht viele israelische Politiker (kein Liebermann, kein Gantz und erst recht kein hasszerfressener Barak) könnten dem Druck der Welt wie auch dem ‚Freund‘ USA unter Biden, so sehr standhalten, wie er. Gerade, WEIL er nichts mehr zu verlieren hat.
Ja, er hat mit der Einschätzung der Hamas einen tragischen Fehler gemacht. Aber ALLE haben das. Hochmut kommt vor dem Fall (gerade, weil Israel gesegnet und erfolgreich ist), läuft es wie andere Nationen auch in diese Falle, aber Bibi versucht, diesen Fehler zu berichtigen. Dies ist der Kampf seines Lebens. Den Vergleich mit Salomo finde ich schwierig: Salomo ist vollkommen und willentlich von seinem Weg abgefallen …
Wer weiß, vielleicht wird sich herausstellen, dass Bibi wie eine Golda Meir die Nation vor dem Untergang ‚rettete‘?
Es bleibt dabei — die alles beherrschende religionsgeschichtliche Perspektive leidet daran, dass sie die (heutige) Wirklichkeit betrachtet durch den Rückspiegel jener Überlieferungen aus der Vergangenheit, die es schafften, erhalten und interpretiert zu werden. Die Wahrheit ist anders. Das meiste von früher ist futsch. Und das ZEIT zunächst entsteht, bevor sie vergeht, haben die Medien-Macher auch noch nicht begriffen.
Sprüche 21,1
Wie Wasserbäche ist das Herz eines Königs in der Hand des HERRN; wohin immer er will, neigt er es.
Das gilt auch für Bibi, er wird sich zwar verantworten müssen, so wie alle Könige der Welt für ihr handeln, aber Gott weiß alles zum besten zu lenken, sodass sein Plan erfüllt wird.
„Es ist Zeit, dass ein junger König David aus dem Volk Israel gewählt wird“
Könnte sein (muss natürlich nicht), das der nächste „König“ Israels der Antichrist (falscher Hirte/Messias) sein wird (Offenbarung 13 / 2.Thessalonischer 2). Je nachdem wie weit wir vorgerückt sind an der prophetischen Uhr Gottes.
Ich glaube…
das Benjamin Netanjahu
genau für diesen Krieg und zu dieser Zeit,
der Mann ist, den G-TT dafür erwählt hat.
Er wäre nicht an der Macht,
wenn sie ihm von Oben nicht gewährt wäre.
Vllt steh ich damit alleine da…
Aber die Zeit ist jetzt…und nicht morgen.
Wann Benjamin Netanjahu´s Zeit abgelaufen ist,
liegt ganz alleine in G-TTES Händen.
G-TT bestimmt die Zeit – G-TT selbst ist die Zeit.