(JNS) In Israel gibt es jedes Jahr eine Woche, in der das ganze Land innehält. Es ist eine Woche der Gegensätze; zunächst wirkt die Luft schwerer, die Straßen stiller, und jede Familie trägt eine Geschichte tief im Herzen.
Doch dann füllen sich genau diese Straßen mit Freude und Jubel. Es ist die Woche, in der wir den Jom HaSikaron – Israels Gedenktag – begehen und nur wenige Stunden später den Jom Ha’atzmaut – Israels Unabhängigkeitstag.
Zwei Tage. Einer der Trauer und einer der Freude. Und die schmalste Linie zwischen ihnen.
Für Israelis ist diese Verbindung weder seltsam noch widersprüchlich. Sie ist die Geschichte unseres Landes. Wir trennen unsere Freiheit nicht von dem schrecklichen Preis, der für sie bezahlt wurde. Wir feiern die Unabhängigkeit nicht, ohne zuvor jene zu ehren, die sie möglich gemacht haben. Wir gehen von Trauer zu Dankbarkeit, weil dies der Weg ist, den unser Volk immer gegangen ist.
Und in diesem Jahr fühlt sich dieser Weg besonders real an.
Am Jom HaSikaron kommt das ganze Land zum Stillstand. Sirenen ertönen, und Millionen Menschen stehen schweigend – auf Autobahnen und Militärstützpunkten, in Schulen, Supermärkten und Wohnzimmern. Wir erinnern uns an die Soldaten, die bei der Verteidigung unserer Heimat gefallen sind. Wir erinnern uns an die Opfer des Terrorismus. Wir erinnern uns an die Familien, die jeden einzelnen Tag mit ihrem Verlust leben.
In diesem Jahr erinnern wir uns an neue Namen. Neue Gesichter. Neuen Schmerz.
Wir erinnern uns an jene, die im Krieg gefallen sind, der am 7. Oktober begann. Wir erinnern uns an jene, die Israel gegen die Angriffe des Iran verteidigt haben. Wir erinnern uns an jene, die dem Gefahr entgegenliefen, damit andere leben konnten.
Und wir erinnern uns daran, dass die Geschichte Israels von gewöhnlichen Menschen geschrieben wurde, die außergewöhnlichen Mut bewiesen haben.
Dann, mit dem Sonnenuntergang, geschieht etwas Bemerkenswertes. Die Trauer verschwindet nicht, aber sie verwandelt sich. Das Land wechselt von Trauer zu Feier. Flaggen werden gehisst. Familien kommen zusammen. Kinder tanzen. Feuerwerke erleuchten den Himmel.
Das ist Jom Ha’atzmaut, Israels Unabhängigkeitstag – der Tag, an dem wir das Wunder eines souveränen jüdischen Staates feiern. Der Tag, an dem wir die Widerstandskraft eines Volkes ehren, das sich geweigert hat zu verschwinden. Der Tag, an dem wir mit vollem Herzen sagen: Am Yisrael Chai! – das Volk Israel lebt!
Dieser Übergang – von Tränen zu Freude, von Verlust zu Leben – ist nicht einfach. Aber er ist es, was uns ausmacht. Er ist das Wesen der jüdischen Geschichte. Und es ist eine Geschichte, die auch Amerikaner verstehen.
Während sich die Vereinigten Staaten darauf vorbereiten, ihr 250-jähriges Bestehen zu begehen, denken auch Amerikaner über ihren eigenen Weg nach – über die Opfer für die Freiheit, die Werte, die eine Nation geprägt haben, und die Überzeugung, dass Freiheit verteidigt werden muss.
Die Geschichte Israels ist anders, doch die Grundsätze sind dieselben.
Beide Nationen wurden auf der Idee gegründet, dass Menschen frei sein sollen. Beide wurden von jenen geprägt, die bereit waren, für diese Freiheit Opfer zu bringen. Beide glauben daran, dass Glaube, Mut und moralische Klarheit zählen. Beide wissen, dass Unabhängigkeit kein Geschenk ist – sie muss errungen werden. Sie ist eine Verantwortung.
Während Israel Bedrohungen durch den Iran gegenübersteht und Juden weltweit mit wachsendem Antisemitismus konfrontiert sind, verbinden uns diese gemeinsamen Werte umso mehr.
Während des Holocaust gab es Christen, die dem jüdischen Volk beistanden, obwohl es gefährlich war. Heute sind wir gesegnet, noch mehr Christen zu sehen, die an unserer Seite stehen – indem sie ihre Stimme erheben, beten, sich einsetzen und den jüdischen Staat ganz konkret und lebensrettend unterstützen.
Ihre Unterstützung macht es möglich, Familien zu helfen, die durch den Krieg vertrieben wurden, älteren Holocaustüberlebenden, Gemeinden, die Schutzräume benötigen, und Kindern, die unter Bedrohung leben.
Diese Partnerschaft ist nicht symbolisch. Sie ist real. Sie ist unverzichtbar. Und sie ist in denselben Werten verwurzelt, die sowohl Israel als auch Amerika hochhalten.
Initiativen wie „Flags of Fellowship“ zeigen, was geschieht, wenn Christen und Juden gemeinsam stehen – nicht nur gegen Hass und Intoleranz, sondern für Hoffnung, Würde und Freiheit.
Jom HaSikaron und Jom Ha’atzmaut erinnern uns daran, dass Trauer und Dankbarkeit keine Gegensätze sind. Sie gehören zusammen. Das eine lehrt uns den Preis der Freiheit; das andere ihren Segen.
In dieser Woche, in der Israel von der Erinnerung zur Feier übergeht, werde ich an eine einfache Wahrheit erinnert: Die Stärke einer Nation misst sich nicht nur an ihren Siegen, sondern auch an den Menschen, die an ihrer Seite stehen.
Allen Christen, die an der Seite Israels stehen – durch Gebet, durch Taten, durch Liebe – gilt: Eure Unterstützung wird gespürt. Sie wird gebraucht. Und sie ist Teil des Wunders, das wir feiern, während Israel 78 Jahre alt wird.
Mögen wir diesen Weg gemeinsam weitergehen. Mögen wir die Gefallenen ehren, indem wir das Leben wählen. Und mögen wir die Freiheit mit der Dankbarkeit feiern, die sie verdient.




