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Rechts rückt vor – Netanjahu verliert an Boden

Der Likud fällt auf 24 Sitze zurück, Bennett legt zu; Israels Linke verschwindet fast völlig, doch eine stabile Anti-Netanjahu-Koalition bleibt unwahrscheinlich.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu während einer Pressekonferenz im Büro des Ministerpräsidenten in Jerusalem, 16. September 2025. Foto: Marc Israel Sellem/POOL

Eine neue Umfrage von Israels Fernsehsender Kanal 12 zeigt ein widersprüchliches Bild der politischen Landschaft. Wenn heute Wahlen stattfänden, würde Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zwar seine Macht verlieren, gleichzeitig rückt die israelische Gesellschaft aber deutlicher nach rechts als je zuvor.

Der Likud, Netanjahus Partei, fällt auf nur noch 24 Mandate. Naftali Bennetts neue Partei hingegen steigt auf 21 Sitze und gilt damit als ernsthafte Alternative zum amtierenden Ministerpräsidenten. Gemeinsam mit anderen rechten Kräften – Israel Beitenu (11), Otzma Jehudit (5) und Religiöser Zionismus (4) – könnte der nationale Block auf 65 Sitze kommen. Zusammen mit den ultraorthodoxen Parteien Schas (9) und Vereinigtes Thora-Judentum (7) würde das konservativ-religiöse Lager sogar 81 der 120 Sitze in der Knesset halten.

Ganz anders sieht es im Mitte-Links-Lager aus, das beinahe in die Bedeutungslosigkeit abrutscht. Die Demokraten (11), Gadi Eizenkots neue Partei Yashar (10) sowie Jesch Atid (9) bringen es gemeinsam lediglich auf 30 Sitze. Die arabischen Parteien Hadash-Ta’al (5) und Ra’am (5) bleiben zwar präsent, stehen aber weiterhin am Rand der Regierungsbildung. Für Benny Gantz’ Partei „Blau-Weiß“ wäre die Lage besonders bitter – sie würde laut der Umfrage nicht einmal mehr die Sperrklausel überwinden.

 

Die Netanjahu-Frage

Deutlich wird dabei vor allem ein Paradox: Israel ist rechter und konservativer als je zuvor, doch Netanjahus persönliche Stellung schwindet. Parteien, die ihn explizit unterstützen, erreichen nur 49 Sitze – weit von einer Mehrheit entfernt.

Damit rückt wieder Naftali Bennett in die Rolle des Königsmachers. Wie schon 2021 könnte er versuchen, eine Anti-Netanjahu-Koalition mit Israel Beitenu, den Demokraten, Yashar und Jesch Atid zu formen. Zusammen kämen diese Parteien auf eine hauchdünne Mehrheit von 62 Sitzen. Doch ein solches Bündnis wäre ideologisch äußerst zerbrechlich: Rechte, Zentrumsparteien und linke Kräfte vereint einzig durch ihre Ablehnung Netanjahus. Schon beim letzten Versuch brach dieses fragile Konstrukt nach kurzer Zeit zusammen.

 

Was wirklich zählt

Die eigentliche Entwicklung betrifft daher weniger Netanjahus Person als die politische Schwerkraft in Israel. Die Linke ist nahezu verschwunden, das Zentrum schwächelt, während der rechte Block zahlenmäßig und inhaltlich klar dominiert. Der Streit um Israels Zukunft dreht sich damit weniger um politische Programme, sondern fast ausschließlich um die Frage: mit oder ohne Netanjahu.

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Patrick Callahan

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