Israel soll während des Krieges gegen Iran eine geheime Militärbasis im Westen des Irak aufgebaut haben. Das berichten mehrere internationale Medien unter Berufung auf amerikanische Regierungsvertreter und andere mit der Angelegenheit vertraute Quellen.
Am 28. Februar startete Israel gemeinsam mit den USA die Operation „Brüllender Löwe“ – einen massiven Luftkrieg gegen den Iran, der rund 40 Tage dauerte. Demnach wurde der geheime Vorposten kurz vor Beginn der Operation in der irakischen Wüste errichtet. Er soll der Luftwaffe als vorgeschobene Logistikbasis gedient haben und zugleich israelische Spezialkräfte beherbergt haben. Zudem waren dort Such- und Rettungseinheiten stationiert – für den Fall, dass israelische Piloten über feindlichem Gebiet abgeschossen werden würden.
Hirte löste beinahe Entdeckung aus
Besonders brisant ist ein weiterer Vorwurf: Laut dem Bericht des Wall Street Journal griffen israelische Kampfflugzeuge irakische Soldaten an, nachdem diese sich der Anlage in den ersten Kriegstagen gefährlich genähert hatten. Den Auslöser lieferte ein Hirte: Er hatte am 4. März ungewöhnliche Militäraktivitäten in der Wüste gemeldet, woraufhin irakische Sicherheitskräfte zur Erkundung entsandt wurden. Die israelische Luftwaffe soll eingegriffen haben, um die Geheimhaltung zu sichern – dabei wurde ein irakischer Soldat getötet.
Der stellvertretende Befehlshaber des irakischen Gemeinsamen Einsatzkommandos, Generalleutnant Qais al-Muhammadawi, sagte damals dem staatlichen Fernsehen: „Es scheint, dass dort eine bestimmte Truppe am Boden war, die vor dem Angriff aus der Luft unterstützt wurde und jenseits der Fähigkeiten unserer Einheiten operierte.“ Bagdad verurteilte die Angriffe und legte anschließend beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Beschwerde ein.
Bemerkenswert: Während der gesamten Offensive gab es keine israelischen Flugzeugabschüsse. Die stationierten Rettungsteams mussten damit nicht eingesetzt werden. Als allerdings am 3. April eine amerikanische F-15 nahe Isfahan in Zentraliran abgeschossen wurde, bot Israel seine Unterstützung an. US-Kräfte retteten die beiden Piloten letztlich selbst – Israel führte jedoch Luftschläge zur Absicherung der Rettungsaktion durch.
Heikle Lage für Bagdad
Jerusalem hat die Enthüllungen bislang weder bestätigt noch dementiert.
Sicherheitspolitisch wäre ein solcher Vorposten hochbrisant. Der westliche Irak gilt seit Jahren als Transitkorridor für iranische Waffenlieferungen und als Operationsraum proiranischer Milizen. Eine verdeckte israelische Präsenz dort würde zeigen, wie weit sich der Konflikt über die unmittelbaren Grenzen hinaus ausgedehnt hatte.
Für die irakische Regierung ist die Angelegenheit politisch äußerst heikel. Bagdad bemüht sich offiziell um Neutralität zwischen Washington, Teheran und Jerusalem – doch die Vorstellung, dass israelische Spezialkräfte monatelang unbemerkt auf irakischem Boden operiert haben könnten, dürfte innenpolitisch erheblichen Druck erzeugen.
Die Enthüllungen zeigen: Israels Krieg gegen Iran reichte weiter, als die Welt damals wusste.




