Die Ereignisse vom 7. Oktober und die heftigen Kämpfe und Raketenangriffe auf Israel haben die Überlebenden des Holocaust in Israel schwer getroffen. Seitdem durchleben sie schwierige Tage voller Sorgen und tiefer Ängste.
In dieser Woche haben sich einige Holocaust-Überlebende zu einem gemeinsamen, emotionalen und erschütternden Aufruf zusammengefunden, alle Geiseln aus dem Gazastreifen zurückzubringen, darunter Säuglinge, Kinder, Jugendliche, Frauen, ältere Menschen und andere Holocaust-Überlebende. Bei einem Treffen, das diese Woche im „Habait Hacham“ für Holocaust-Überlebende in Haifa stattfand, sprachen sie über ihre schwierigen Gefühle in diesen Tagen und brachten ihre tiefe Bestürzung über die Ereignisse vom 7. Oktober zum Ausdruck. Sie beschlossen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Gefangenen nach Hause zu bringen.
„Es hat viele Jahre gedauert, bis ich anfing zu glauben und zu hoffen, dass wir den Holocaust nicht noch einmal erleben würden. Und hier, mit tiefer Trauer und einem schweren, schmerzenden Herzen, gebe ich zu, dass ich mich geirrt habe. Der Holocaust ist nicht nur zurückgekehrt, sondern er ist auch so unbarmherzig wie eh und je“, sagte Naomi Lichtwitz, 91 Jahre alt, eine Holocaust-Überlebende, die nach Israel kam, eine Familie gründete und jetzt im „Habait Hacham„, dem „Warmen Haus“ für Holocaust-Überlebende des Vereins „Yad Ezer Lachaver“ in Haifa wohnt.
„Das Gefühl ist bedrückend“, so Lichtwitz weiter. „Ich hätte nie gedacht, dass ich zu meinen Lebzeiten Zeuge von Gräueltaten werden würde, wie wir sie während des Holocausts erlebt haben. Wir haben Gefangene, und wir wissen nicht, wo sie sind. Das erinnert mich an meine Zeit im Ghetto, als wir an einem Ort zusammengepfercht waren und täglich bedroht wurden, ohne zu wissen, was mit uns geschehen würde.“
„Was sie am 7. Oktober getan haben, ist schlimmer als die Nazis“, fügte sie hinzu.
„Ich habe den Holocaust überlebt und dachte mir, dass dies das Ende allen Übels in der Welt ist. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich noch einmal hören und sehen würde, dass es Dinge gibt, die schlimmer sind als das, was die Nazis getan haben“, sagte Eliza Marmelstein, 93, aus Polen, die das Ghetto von Lodz überlebt hat.
„Und das ist es, was die Hamas getan hat. Gibt es etwas Schlimmeres als das?“, fragte sie. „Ich habe viele Kriege und viele Schrecken und viele unmenschliche Taten anderer Menschen gesehen, aber ein solch unmenschliches Verhalten, wie es die Hamas am 7. Oktober an den Tag gelegt hat, hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können.“
Rita Berkovich, 91 Jahre alt, die am Todesmarsch aus Rumänien teilnahm und nach dem Krieg nach Israel kam, sagte: “ Was für ein Herz haben Menschen, die kleine Kinder nehmen und sie ermorden, sie gefangen nehmen und Menschen töten? Wie kann man so etwas tun? Wir beten, dass alle Entführten freigelassen werden.“
Die jüngsten Ereignisse scheinen die Überlebenden des Holocaust wieder an die schrecklichen Tage und die schwierigen Erinnerungen zu erinnern, die sie im Laufe der Jahre so sehr zu verdrängen versuchten.
„Wenn ich jetzt Sirenen höre, denke ich, dass ich wieder in Auschwitz schreie. Ich zittere, und ich weine. Ich habe sogar Angst, die Tür zu öffnen, weil ich befürchte, dass, Gott bewahre, ein Terrorist kommen könnte“, sagte ein anderer Überlebender.
„Wir müssen uns hier und in der ganzen Welt vereinen und die Rückkehr aller Entführten fordern. Wir appellieren an die Überlebenden des Holocaust weltweit und auch an die Überlebenden der zweiten Generation, sich uns anzuschließen und alle Staats- und Regierungschefs der Welt aufzufordern, uns bei der Rückführung aller Entführten zu helfen. Wir werden nicht ruhen, bis sie nach Hause zurückgekehrt sind“, sagte Shimon Sabag, Gründer und Geschäftsführer des „Warmen Hauses“ für Holocaust-Überlebende. „Die Überlebenden des Holocaust durchleben derzeit schwierige Tage. Die schlimmen Ereignisse, denen sie ausgesetzt waren, haben sie zurückgeworfen. Hier in unserem Verein tun wir alles, um sie mit Wärme und Liebe zu umhüllen, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen. Hier fühlen sie sich geborgen und geschützt. Wir alle, alle unsere Teams, stehen an der Seite der Holocaust-Überlebenden und schließen uns dem Aufruf an, alle Gefangenen nach Hause zu bringen.“




