Wochenlesung – שֹׁפְטִים – Schoftim – Richter ; 5. Mose 16,18 – 21,9 ; Jesaja 51,12 – 52,12
Wer regiert wirklich in deinem Leben? Sind es äußere Mächte, Menschen, Umstände oder bist du es selbst, geleitet von Gottes Wort? Wer entscheidet über deine Gedanken, über deine Worte, über deine Handlungen? Und vor allem: Ist Gott wirklich König in deinem Herzen oder nur ein Name in deinem Gebet?
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Der Wochenabschnitt Schoftim richtet sich an uns als Diener Gottes und gibt uns einen klaren Aufruf, unser Leben nach den himmlischen Gesetzen zu ordnen und Gott in jeder Ecke und in jedem Bereich unseres Lebens zum König zu machen. Diese Parascha betont, dass man nicht nur im Staat Richter und Aufseher einsetzen muss, sondern auch in unserem Inneren, damit jede Handlung, jedes Wort und jeder Gedanke durch das Sieb von Glauben, Gottesfurcht und dem Willen, das Gute und das Richtige in den Augen Gottes zu tun, geht.
Die Bibel erkennt den Moment, in welchem das Volk verlangen wird: „Ich will über mich einen König setzen wie alle Völker“, und erstaunlicherweise erlaubt Gott dies sogar, aber unter sehr klaren Linien und Einschränkungen. Und daher gibt es die Gesetze des Königs, auf die Mose großen Nachdruck legt.
Mose warnt im Voraus, keinen König zu wählen, um anderen zu ähneln, sich nicht von Macht, Palast, Pferden oder Gold verführen zu lassen. Und er betont die Tatsache, dass nicht jeder, der herrschen kann, auch geeignet ist, zu führen. Der König, der nach dem Wort Gottes würdig ist, ist ein Diener Gottes, bevor er Herrscher des Volkes ist. Er wird „aus der Mitte deiner Brüder“ gewählt, damit er sich nicht überhebt und denkt, dass ihm alles erlaubt sei, nur aufgrund seiner Funktion und seiner Stellung. Es ist ihm verboten, viele Frauen und Pferde zu besitzen oder Geld zu mehren, weil die Mehrung dieser Dinge sein Herz von seiner Aufgabe ablenkt und verführt.
Der König muss mehr als alle anderen ein Vorbild sein und sein Leben nach der Wegweisung Gottes führen, in ihrem Licht gehen und durch sie richten. „Damit sich sein Herz nicht über seine Brüder erhebt und damit er nicht von dem Gebot abweicht, weder zur Rechten noch zur Linken.“ Nicht im Palast, nicht in der Tasche, sondern im Herzen. Das Herz ist das Entscheidende und Führende, und das Königtum ist keine Herrschaft, sondern eine Sendung.
Der König ist das Herz und die Rechtschaffenheit des Volkes ist sein Puls, und wenn das Herz gottesfürchtig ist, wird der ganze Körper gesegnet. Und so auch wir, jeder und jede von uns. Wir sind nicht als Könige im politischen Sinne geboren, aber wir alle tragen eine Krone der Sendung und sind aufgefordert, unser Leben als Führende voller Glauben an das Wort Gottes zu leben. Wenn wir diese Wahrheit erkennen, werden wir innere Richter, treue Zeugen und Verantwortungsträger. Um so zu führen, braucht es tägliche Beharrlichkeit im Wort Gottes, das schafft die Verbindung und vertieft sie von Moment zu Moment.
Der Vers „Und du sollst das Böse aus deiner Mitte entfernen“ erhält ebenfalls eine persönliche Dimension. Denn wahre Königsherrschaft beginnt mit der Reinigung des Herzens, mit der Identifizierung der Versuchungen, des Stolzes, des Neides, der Begierden, die uns von Gott entfernen.
Ich glaube, dass jeder, wenn er eine innere Bestandsaufnahme macht, genau wissen und verstehen wird, was diese Versuchungen sind, die ihn von Gott entfernen. Und wie in jeder Gleichung gilt, je mehr wir das Böse ausmerzen und uns von schädlichen Versuchungen fernhalten, desto mehr Raum entsteht für Heiligkeit.
Die Parascha Schoftim ruft uns auf, unser Leben nach göttlichem Recht, nach einer Führung voller Glauben und Gottesfurcht zu bauen. Die Parascha bittet uns, Gottes Wort in unserem Herzen zu tragen und nicht den Augen des Fleisches zu folgen, sondern den Augen Gottes, die uns in jedem Moment beobachten und leiten. In einer solchen Lebensweise können wir spüren, dass wir Könige in dieser Welt sind, und das Königtum des Himmels ist uns in der kommenden Welt verheißen.
Schabbat Schalom. Anat
Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :
- Jerusalem – Beginn 18:27, Ausgang 19:44
- Tel Aviv – Beginn 18:49, Ausgang 19:47
- Haifa – Beginn 18:39, Ausgang 19:47
- Beersheva – Beginn 18:48, Ausgang 19:45
- Eilat – Beginn 18:35, Ausgang 19:41




