Wochenlesung – צַ֤ו – Zaw – Befiehl! ; 3.Mose 6,1 – 8,36 ; Jeremia 7,21 – 8,3
Oft sind Menschen nicht für das dankbar, was sie haben, denn sie nehmen dies als selbstverständlich hin. Menschen, die wissen dankbar zu sein, haben ein Talent und sind zufrieden mit dem, was sie haben. Was hat das biblische Dankopfer mit dem Judentum und Jehuda zu tun?
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Eines der in der Wochenlesung aufgeführten Opfer ist das Dankopfer: „Und dies ist das Gesetz des Dankopfers, das man dem HERRN darbringen soll: Will er es zum Lobe opfern, so bringe er zu seinem Lob-Schlachtopfer hinzu ungesäuerte Kuchen dar, mit Öl gemengt, und ungesäuerte Fladen, mit Öl bestrichen, und eingerührtes Semmelmehl, mit Öl gemengte Kuchen“. Seit fast zweitausend Jahren bringen wir keine Opfer mehr dar, doch die Spuren des Dankopfers finden sich auch heute noch in unserem Leben.
Der beinahe universelle Impuls, Dankbarkeit auszudrücken, ist ein Zeichen seelischer Erhebung in der menschlichen Erfahrung. Dieser Instinkt, unsere Dankbarkeit gegenüber einem göttlichen Wesen auszudrücken, die über die natürlichen Umstände hinausgeht, ist selbst ein Hinweis auf die Erhebung der Seele. Dieser in uns Menschen wohnende Impuls deutet klar auf ein tiefes geistiges Element im Herzen des Menschen hin. Er sagt uns, dass unser Körper vielleicht ein Produkt der Natur ist („Denn du bist Staub und zum Staub wirst du zurückkehren“), aber dass etwas in uns nach jemandem strebt, der über uns hinausgeht – nach der Seele der Welt, nach dem Göttlichen, dem wir unseren Dank aussprechen.
Das war das tiefe Verlangen, das das Dankopfer ausdrückte. Und es ist bis heute in uns verwurzelt, wenn auch nicht mehr in Form von Opferdarbringungen. Forschungen zum Thema Dankbarkeit haben gezeigt, dass je früher ein Mensch lernt, dankbar zu sein und positive Gefühle wie Zufriedenheit, Dankbarkeit, Glück, Liebe, Hoffnung usw. auszudrücken, desto wahrscheinlicher ist es, dass sein Leben gesünder, erfüllter und sogar länger ist.
Heute gibt es ein tiefes Verständnis dafür, dass die Gefühle, mit denen ein Mensch durchs Leben geht, seine Gesundheit beeinflussen. Dankbarkeit reduziert schmerzvolle Emotionen wie Groll, Frustration, Reue und verringert sogar die Wahrscheinlichkeit von Depressionen. Sie stärkt das Selbstwertgefühl und mindert Neidgefühle.
Das Judentum hat diesen Gedanken besonders stark aufgenommen. Im jüdischen Gebetbuch, in der Schacharit – dem Morgengebet, das den Tag einleitet – ist das ganze Gebet ein Lied der Dankbarkeit für das Leben, unseren Körper, unsere physische Welt, den Boden, auf dem wir stehen, die Augen, mit denen wir sehen, die Ohren, mit denen wir hören usw. – für all die Dinge, die uns selbstverständlich erscheinen.
Dankbarkeit tut sowohl der Seele als auch dem Körper gut. Sie trägt zu Glück und Gesundheit bei. Und das Schöne an der Dankbarkeit ist, dass sie ein sich selbst erfüllendes Gefühl ist. Je mehr wir das Gute in unserem Leben loben, desto mehr Gutes entdecken wir, das es zu loben gibt – wie ein Schneeball, der wächst und sich durch die Dankbarkeit selbst nährt.
Das ist nicht leicht und nicht natürlich, denn unsere angeborene Tendenz ist es, uns mehr auf das Schlechte als auf das Gute zu konzentrieren. Wir haben eine erhöhte Sensibilität gegenüber Bedrohungen und möglichen Gefahren. Doch wenn wir uns des vielen Guten, das wir haben, bewusst sein wollen, müssen wir dafür dankbar sein und wir müssen unsere Aufmerksamkeit gezielt auf dieses Gute richten, um es zu stärken.
Es ist schön zu sehen, dass das hebräische Wort für „Dankbarkeit“ „Hodaja“ (הודיה) ein Teil des Wortes „Judentum“ „Jahadut“ (יהדות) ist, das vom Stamm „Juda“ „Jehuda“ (יהודה) stammt. Über Jehuda, Leas vierten Sohn, sagte sie bei seiner Geburt: „Diesmal will ich dem Ewigen danken.“ (1.Mose 29,35) Das Volk Israel ist in seiner Essenz ein Volk das dankbar ist. Ein Volk, das so viel Leid in seiner über 3000-jährigen Geschichte durchmachte, ist für seine Existenz Gott dankbar. Dies kommt ganz einfach in der hebräischen Wortwurzel zum Ausdruck. Vielleicht ist das nicht das Erste, woran wir denken, wenn wir jüdische Identität definieren, aber es ist die erhebendste von allen – Gott dem Allmächtigen für unser Leben zu danken.
Ein Frohes Pessachfest und Schabbat Schalom!
Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :
- Jerusalem – Beginn 18:25, Ausgang 19:42
- Tel Aviv – Beginn 18:47, Ausgang 19:44
- Haifa – Beginn 18:37, Ausgang 19:44
- Beersheva – Beginn 18:47, Ausgang 19:43
- Eilat – Beginn 18:34, Ausgang 19:42
Wenn ihr mehr über die Wochenabschnitte lesen möchtet, könnt ihr mein Buch „Und wählt das Leben“ erwerben.




