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Gedanken zum Schabbat

Ein Lieblingssohn des Vaters zu sein, bringt oft sehr viel Schwierigkeiten mit sich, genauso wie ein auserwähltes Volk unter den Nationen zu sein.

Wochenlesung –  וַיֵּשֶׁב – Wa`Jeschew – Er wohnte ; 1.Mose 37,1 – 40,23 ; Amos 2,6 – 3,8

„Dies ist die Geschichte Jakobs: Josef war siebzehn Jahre alt und hütete mit seinen Brüdern die Herden.“ Dieser Vers eröffnet unseren Wochenabschnitt. Ein unscheinbarer Vers, der jedoch eine große Verflechtung in sich birgt. Handelt es sich hier um die Geschichte Jakobs oder um die Geschichte Josefs?

 


Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

Wessen Geschichte wird in diesem Wochenabschnitt erzählt? In diesem Vers sind die beiden Hauptfiguren der Erzählung vermischt, genau wie sie es in ihrem Leben waren. Vater und Sohn, die so eng verbunden, so nahe und so voneinander abhängig waren, dass es schwer ist zu sagen, wessen Geschichte erzählt wird.

In einem jüdischen Midrasch (Bereschit Rabba) heißt es: „Alles, was diesem widerfahren ist, widerfuhr auch dem anderem.“ Die Geschichten von Jakob und Josef spiegeln einander wider.

  • Beide hatten eine unfruchtbare Mutter.
  • Beide hatten nur einen Bruder von derselben Mutter.
  • Beide wurden von ihren Brüdern gehasst, die versuchten, sie zu töten.
  • Beide waren Hirten.
  • Beide hatten Träume.
  • Beide verließen ihr Land.
  • Beide heirateten in der Fremde und hatten dort Kinder.
  • Beide wurden in der Fremde reich.
  • Beide gingen nach Ägypten, starben dort, wurden dort einbalsamiert, aber nicht in Ägypten begraben.
  • Die Gebeine beider wurden nach Kanaan überführt.

Am Anfang dieser Erzählung sind viele dieser Details noch unbekannt, aber die besondere Verbindung zwischen Jakob und seinem Sohn ist deutlich und betont: „Und Israel aber hatte Joseph lieber als alle seine Söhne, weil er ihn in seinem Alter bekommen hatte, und er machte ihm einen langen Rock.“ Jakob liebte Josef mit einer übermäßigen Liebe. Die große Liebe, die er für Rahel empfand, übertrug er auf ihren Sohn Josef. Der Schmerz über den Tod seiner Frau verband ihn mit Josefs Schmerz über den Verlust seiner Mutter. Zwischen den beiden entstand eine Verflechtung, vielleicht sogar eine Identifikation, bei der es schwer zu sagen war, wo der eine endete und der andere begann.

Wir wissen, dass diese übermäßige Liebe Josef nicht geholfen hat – im Gegenteil. Sie führte zu Hass und Entfremdung innerhalb der Familie, und alle mussten dafür einen hohen Preis zahlen. Dieselbe übermäßige Liebe, die das auserwählte Volk Israel im Laufe seiner Geschichte von Gott spürte, hat dem Volk unter den Nationen nicht geholfen. Im Gegenteil, Israel wurde dafür noch mehr gehasst und verfolgt.

Die Lektüre dieses Wochenabschnitts lehrt uns eine wichtige Lektion über Verflechtungen und den Preis, den man für übermäßige Verstrickungen zahlen muss. Große Liebe oder große Nähe werden manchmal als Ideal angesehen.

Aus lauter Liebe identifiziere ich mich mit dem Schmerz meiner Tochter, bin verbunden mit der Trauer meines Partners oder fühle den Schmerz meiner Freundin. Doch zu große Nähe, eine Nähe, die sich in tiefer Identifikation verliert und die Grenze zwischen mir und dem anderen verwischt, nimmt letztlich sowohl von meiner Existenz als auch von der des anderen etwas weg. Er kann nicht vollständig er selbst sein, und ich kann nicht vollständig ich selbst sein.

Eine solche Vermischung schafft in Wahrheit mehr Distanz als Nähe zwischen Menschen, schadet mehr, als sie nützt. Die Vermischung oder enge Verbindung zwischen Jakob und seinem Sohn Josef erlaubt es Jakob nicht, auch seinen anderen Söhnen Liebe zu schenken oder ihnen mit Respekt zu begegnen. Diese Vermischung erlaubt es auch Josef nicht, sich seinen Brüdern zu nähern, sie blockiert seinen Weg zu den Herzen seiner Brüder.

Gute Elternschaft, wie auch eine gute Partnerschaft, ist eine Beziehung, die Trennung ermöglicht – die es erlaubt, Ähnlichkeiten und Unterschiede zu sehen, nebeneinander und nicht ineinander zu sein, den eigenen Weg zu gehen und dem anderen zu erlauben, seinen eigenen Weg zu gehen. Es bedeutet, das eigene Wesen und das des anderen, das sich von einem unterscheidet, zu verstehen. Es bedeutet, genau das zu geben, was nötig ist – nicht mehr und nicht weniger – und mit präzisem Zuhören präsent zu sein, ohne dabei etwas zu verpassen.

In diesem Wochenabschnitt werden wir Zeugen des Leids und der Qualen, die alle sowohl auf persönlicher als auch auf familiärer Ebene durchmachen. Jakobs Schmerz, als Vater der Familie und als Stammesoberhaupt, wird auf die gesamte Familie übertragen und beeinflusst sie. Von diesem Moment an beginnt die Familie im geistlichen und gesellschaftlichen Sinne abzusteigen, bis hin zum Abstieg aus dem Land Israel nach Ägypten.

„Darauf setzten sie sich nieder, um zu essen. Als sie aber ihre Augen aufhoben und sich umsahen, siehe, da kam eine Karawane von Ismaelitern vom Gebirge Gilead daher, deren Kamele trugen Tragakanth, Balsam und Ladanum, und zogen hinab (Jored – יורד) nach Ägypten“.

„Da machten sich alle seine Söhne und Töchter auf, um ihn zu trösten; er aber wollte sich nicht trösten lassen, sondern sprach: Ich höre nicht auf zu trauern, bis ich zu meinem Sohn hinabfahre (Jored – יורד) ins Totenreich! Also beweinte ihn sein Vater“.

„Es begab sich um jene Zeit, dass Juda von seinen Brüdern hinab zog (Jored – יורד)“.

Das Besondere in dieser Geschichte ist, dass Josef der Einzige ist, der nicht irgendwo hinabsteigt (Jored – יורד), sondern hinabgestürzt wird. „Und Josef wurde nach Ägypten hinabgeführt (הוּרַד).“ Die anderen sind alle freiwillig hinabgegangen, nicht aber Josef, dieser wurde mit Gewalt hinab gebracht. Er wird in eine Grube hinab geworfen, nach Ägypten hinabgebracht und dort ins Gefängnis hinabgebracht. Doch an jedem Ort, an den er hinabgestürzt wird, bleibt Josef in seiner Größe und hat Erfolg. Josef klagt nicht und beschwert sich nicht. Wir hören seinen Namen kaum in dieser schweren Zeit, die über ihn hereinbricht. Josef bleibt sich selbst und seiner Wahrheit treu. Diese Wahrheit schützt ihn und gibt ihm die Kraft, weiterzumachen. Die Wahrheit holt ihn aus den dunklen Orten und bringt Licht in die Finsternis hinein. Auch wenn sich die Umstände ändern, bleibt Josefs Festhalten an der Wahrheit sein Halt und Schutz. Die Wahrheit als Quelle des Lichts im Leben. Die Wahrheit als Quelle von Wundern.

 

Schabbat Schalom!

 

Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :

  •  Jerusalem – Beginn 15:59, Ausgang 17:19
  •  Tel Aviv – Beginn 16:20, Ausgang 17:20
  •  Haifa – Beginn 16:07, Ausgang 17:18
  •  Beersheva – Beginn 16:22, Ausgang 17:22
  •  Eilat – Beginn 16:15, Ausgang 17:25

 

About the author

Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Gedanken zum Schabbat”

  1. Patricia Schekahn sagt:

    Ja, wunderbar. Vielen Dank.
    Toda raba. Schabbat Schalom

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