Wochenlesung – וְזֹאת הַבְּרָכָה – Wesot Ha´Bracha – Und das ist der Segen ; 5.Mose 33,1 – 34,12 ; Josua 1,1 – 18
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
„Und das ist der Segen“ ist die letzte Wochenlesung – Parascha – aus den fünf Büchern Mose, der Tora. Jedes Jahr, wenn die Wochenlesungen zu Ende gehen und das Leben des Mose sein Ende findet, frage ich mich: „Musste es wirklich so enden? Mose wurde nicht einmal die Gelegenheit gegeben, seinen Fuß auf das Land zu setzen, in das er das Volk durch 40 stürmische Jahre geführt hatte. Hätte ihm niemand im himmlischen Gericht ein paar Tage mehr Zeit geben können, um den Jordan zu überqueren und sich zu vergewissern, dass seine Mission erfüllt war? Was war seine Schuld, dass er so bestraft wurde?
Mose ist die Person, die 18 Mal als ein „Diener Gottes“ bezeichnet wird. Außer ihm wird nur Josua, der Sohn Nuns, zweimal so genannt. Warum also war Gott so streng mit ihm? Ich bin sicher, dass die Tora uns hier eine wichtige Botschaft vermitteln will, aber was für eine Botschaft ist das?
In vielen anderen Religionen wird die Grenze zwischen Mensch und Gott verwischt. In vielen Religionen verhalten sich die Götter wie Menschen, und manche Menschen erscheinen als Halbgötter. Der Unterschied in der jüdischen Vorstellung ist jedoch klar: Wir kommen aus dem Staub, aus der Erde, und es ist Gott, der uns Leben eingehaucht hat. Es gibt eine klare Trennung zwischen Gott und Mensch. Gott ist Gott und der Mensch ist Mensch.
Wir müssen zuerst diesen Unterschied erkennen, und erst dann können wir nach einer Verbindung mit Gott streben. Der Mensch bleibt Mensch, auch wenn er noch so erhaben ist. Wir sind aus Fleisch und Blut, wir sind sterblich. Wir verstehen, dass das Geschenk des Lebens nicht ewig ist. Nichts in der materiellen Welt währt ewig. Wenn wir das begreifen, verstehen wir, dass jeder von uns eine Art „Jordan-Fluss“ hat, den er nicht überqueren wird, ein Ziel, das er nicht erreichen wird. So erging es auch Moses, dem größten Führer des Volkes Israel.
Das Leben ist wie eine unvollendete Sinfonie. Wenn wir vom Tod des Mose jenseits des Jordans lesen, dann ist das ein Trost. Keiner von uns sollte sich schuldig fühlen, gedemütigt oder frustriert über das, was er erreichen wollte, aber nicht erreicht hat.
Die tiefere Erkenntnis ist, dass dies in der Natur des Menschen liegt. Selbst die größten Menschen haben Fehler gemacht, sind gescheitert und waren nicht immer erfolgreich. Auch die Größten hatten Momente der Verzweiflung. Ihre Größe lag nicht in ihrer Vollkommenheit, sondern darin, dass sie trotz aller Schwierigkeiten weitermachten. Sie lernten aus ihren Fehlern und weigerten sich, die Hoffnung aufzugeben. Schließlich erwarben sie die größte menschliche Eigenschaft, die nur durch Scheitern erlangt werden kann: Demut.
Das wahre Leben gehört dem, der jeden Morgen aufsteht und einen Schritt weiter in Richtung des Gelobten Landes macht, auch wenn er weiß, dass er es selbst nie erreichen wird – aber andere werden es mit seiner Hilfe erreichen. Die Erkenntnis, dass selbst Moses, der größte Führer, das Ende seiner Mission nicht sah und dass auch er Fehler machen konnte, ist das größte Geschenk, das Gott uns gegeben hat.
Am Ende der letzten Parascha gibt es drei wichtige Dinge, über die wir nachdenken sollten:
- Wir sind alle sterblich und deshalb ist jeder Tag unseres Lebens kostbar.
- Wir alle können scheitern und Fehler machen, aber aus jedem Fehler können wir lernen und wachsen.
- Wir werden unsere Reise nicht vollenden, deshalb sollten wir andere dazu inspirieren, das fortzusetzen, was wir begonnen haben.
Nachdem wir nun alle Wochenlesungen hinter uns haben, ist ein ganzes Jahr zu Ende gegangen – zu Ende, aber nicht vollendet. Wir sehen uns nächste Woche wieder mit Gottes Weltschöpfung im ersten Buch Mose (Genesis).
Schabbat Schalom!
Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :
- Jerusalem – Beginn 17:23 Ausgang 18:39
- Tel Aviv – Beginn 17:45 Ausgang 18:41
- Haifa – Beginn 17:33 Ausgang 18:40
- Beersheva – Beginn 17:45 Ausgang 18:41
- Eilat – Beginn 17:29 Ausgang 18:35





Danke für die tollen Gedanken und Impulse, ist mir immer sehr wertvoll darüber nachzusinnen.
Jakobus 4,6
Deshalb spricht er: »Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.«
Ist es nicht erstaunlich, das jeder große Glaubensheld unvollkommen war und Fehler gemacht hatte? Jeder musste durch die Schule Gottes gehen und dennoch hat Gott großes mit denen getan. Selbst die Fehltritte haben ihren Platz gefunden in der Bibel und sind uns ein Beispiel wie wir nicht handeln sollen. Und gleichzeitig auch voll von Glaubenstaten, denen wir nachahmen können. Wenn Gott mit jedem der Gläubigen ans Ziel kam, obwohl die fehlerhaft waren, dann darfst auch du darauf vertrauen, dass Gott dich ans Ziel bringt. Die letzte Stunde hier auf Erden (auf der Reise) kennt keiner, aber der Weg zu Gott ist uns nicht unbekannt. Das Vaterhaus (der Himmel) ist jedem wiedergeborenen Menschen, der aus Gott geboren ist sicher! (Joh.3,5-7). Grundlage hierfür, ist das ein für alle Mal vollbrachte Opfer seines Sohnes Jesus Christus am Kreuz! Das jeder für sich persönlich in Anspruch nehmen kann, durch Glauben und Bekenntnis. Es gibt kein zu schlecht, es gibt aber ein zu spät. Zu Jesus darf der Pharisäer und der Zöllner kommen, die Hausfrau und die Hure, der Fischer und der König, wichtig ist nur das man erkennt wer man vor Gott ist, nämlich ein Sünder. Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person und jeder Mensch ist vor Gott schuldig.
Johannes 3,14-18
Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben hat. Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richtet, sondern dass die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des einzigen Sohnes Gottes.