Wer außer Bibi kann die Unterstützung der Christen besser nutzen?

Unter den israelischen Politikern gibt es nur wenige, die Israels christliche Anhänger so gut verstehen wie Netanjahu.

von Ryan Jones | | Themen: Benjamin Netanjahu, Christen
Foto: Amos Ben Gershom/Flash90

Dieser Artikel wurde erstmals im Mai 2019 veröffentlicht, ist aber angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen in Israel wieder aktuell geworden. Mehr dazu finden Sie in Stan Goodenoughs neuestem Artikel „Bibi kommt zurück“ – Biden bleibt weg.

 

Doch eines muss man ihm lassen: Benjamin Netanjahu hat zu Christen einen weitaus besseren Draht, als seine politischen Rivalen und versteht es, sich die Unterstützung der Christen für Israel zunutze zu machen.

Jahrelang wurde die Unterstützung aus der christlichen Welt geschätzt, aber nicht unbedingt im Zusammenhang mit Gefahren, die den jüdischen Staat bedrohen, ernst genommen. Netanjahus herzliche Beziehungen zu proisraelischen evangelikalen Christen weltweit waren daher nie mehr als eine interessante Nebensächlichkeit. Das hat sich in den letzten zwei Jahren geändert. In seiner Zeit in den USA eignete er sich die „Sprache“ an, die in der evangelikalen Welt gesprochen wird, und das kommt ihm auch heute noch zugute.

Mit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und der von Jair Bolsonaro zum Staatspräsidenten Brasiliens ist klar geworden, dass freimütige bibelgläubige Christen auf der westlichen politischen Bühne keine Seltenheit sind. Einige stehen heute sogar in wichtigen Nationen auf der Kommandobrücke.

Natürlich bleibt die Frage, ob ein Donald Trump als „wiedergeborener Christ“ gelten kann. Vizepräsident Mike Pence und Staatssekretär Mike Pompeo scheinen es jedenfalls wirklich zu sein. „Verbreitet die Gute Nachricht! Predigt zu gelegener Zeit und zu ungelegener Zeit!“, sagte Pence letztes Jahr vor Christen. Auch Pompeo hörte sich wie ein prophetischer Lehrer an, als er in Israel sagte: „Präsident Trump wurde für eine Zeit wie diese eingesetzt, wie Königin Esther, um das jüdische Volk vor der iranischen Bedrohung zu retten. Ich glaube, dass der Herr hier wirkt.“ Pompeo erklärte gegenüber CBN, von seinem Glauben an Jesus Christus als Retter geleitet zu sein.

Es ist ungewöhnlich, dass sich ein westlicher Regierungsbeamter so äußert. Außer man besucht Brasilien, wo der neue Präsident ähnliche Töne anschlägt. Während seiner Wahlkampagne 2018 wiederholte er stets: „Brasilien über allem, Gott über allen.“ Im Interview mit CBN betonte er: „Ich glaube an das Wort Gottes.“ Bolsonaro ist Katholik, seine Frau Michelle evangelikal. Dies und seine biblische Rethorik brachte ihm 70 Prozent der Stimmen evangelikaler Wähler ein.

Netanjahu weiß wohl besser als jeder andere israelische Politiker, dass christliche Wähler, die heute die Wahlen in den USA, Brasilien und anderswo beeinflussen, Israel nicht nur aufgrund gemeinsamer Werte unterstützen, sondern besonders der Bibel wegen. Es gibt einige andere Länder, die anerkanntermaßen die gleichen Werte wie der Westen haben, doch keines dieser Länder war je Wahlkampfthema in Amerika, Brasilien, Kanada oder Europa. Israel hingegen ist Thema, weil bibelgläubige Wähler in diesen Ländern dem jüdischen Staat religiöse und prophetische Bedeutung zuschreiben, die über die Politik hinausgehen.

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