Wochenlesung – וַיַּקְהֵל– Wa`Jakhel – Er versammelte ; 2.Mose 35,1 – 38,20 ; 1.Könige 7,40 – 50
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Bezalel ist eine seltene Figur in der Bibel. Er ist der Künstler, der Gestalter der Schönheit im Dienst Gottes. Der Mann, der zusammen mit Oholiab die Geräte für das Heiligtum erschuf. Das Judentum hat die visuellen Künste nie verherrlicht, und das aus gutem Grund, denn in den Zehn Geboten gibt es ein klares Verbot, man darf sich keine Bilder oder Statuen anfertigen: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Abbild machen“.
Ein solches Tun wird mit Götzendienst in Verbindung gebracht. Denn tatsächlich waren in der antiken Welt Statuen und Bilder eng mit heidnischen Kulten verbunden, und der Gedanke, das Werk menschlicher Hände anzubeten, widerspricht dem Glauben Gottes in der Bibel.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Das Judentum ist eine Kultur des Hörens, nicht des Sehens. Als Glaube an einen unsichtbaren Gott misst es dem gesprochenen Wort eine größere Heiligkeit bei als sichtbaren Objekten. Auch das ist ein Grund, warum die bildende Kunst im Judentum oft kritisch gesehen wurde. Und dennoch lehrt uns die Geschichte des Heiligtums und Bezalels, dass die Bibel der Kunst und Ästhetik nicht gleichgültig gegenübersteht.
Stattdessen lobten die Weisen das so genannte „Hiddur Mitzwa“ – das Streben, die Gebote schön und würdevoll zu erfüllen. Die heiligen Gewänder der Priester galten „zu Ehren und zur Zierde“.
Bezalel, auf Hebräisch בְּצַלְאֵל, „im Schatten Gottes“ war der von Gott berufene Künstler und Handwerker, der die Leitung über den Bau der Stiftshütte und all ihrer kunstvollen Gegenstände hatte. „Und der HERR redete mit Mose und sprach: Siehe, ich habe Bezalel, den Sohn Uris, des Sohnes Hurs, vom Stamm Juda berufen und ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit, Verstand, Erkenntnis und mit Geschicklichkeit für jede Arbeit, um Pläne zu entwerfen und sie auszuführen in Gold, Silber und Bronze, im Schneiden von Steinen zum Einsetzen, im Schnitzen von Holz – für jede Art von Arbeit.“ Schlüsselpunkt: Bezalel wird mit dem Geist Gottes erfüllt, was bedeutet: Kunst, Kreativität und Handwerkskunst sind hier direkt von Gott gewollt und gesegnet.
In unserer Wochenlesung heißt es, dass Gott Bezalel „mit dem Geiste Gottes erfüllt, mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit allerlei Fertigkeit“, Eigenschaften, die im Buch der Sprüche auch Gott selbst als Schöpfer der Welt zugeschrieben werden: „Der HERR hat die Erde mit Weisheit gegründet und die Himmel mit Verstand befestigt. Durch seine Erkenntnis brachen die Fluten hervor und träufelten die Wolken Tau.“ (Sprüche 3,19-20) Normalerweise wird diese Formulierung in der Bibel nur bei Propheten oder Königen verwendet.
Der Schlüssel zu Bezalels Wesen liegt in seinem Namen BeZalel, im Schatten Gottes, das wiederum mit BeZelem in der Hebräischen Wortwurzel verbunden ist und Ebenbild heißt – also wie das Ebenbild Gottes während der Weltschöpfung. Seine besondere Gabe bestand darin zu zeigen, dass Kunst der Schatten ist, den Gott auf die Welt wirft. Religiöse Kunst ist keine „Kunst um der Kunst willen“, sie verweist immer auf etwas, das darüber hinausgeht. Das Heiligtum selbst war ein Mikrokosmos, ein Spiegelbild der Welt – mit einem großen Unterschied: Der Mensch, der sich darin aufhielt, spürte die Gegenwart von etwas, das über die Welt hinausweist. Und das nennen wir: „Und Mose konnte nicht in die Stiftshütte gehen, solange die Wolke darauf blieb und die Herrlichkeit des HERRN die Wohnung erfüllte“. Das jüdische Volk glaubt nicht, dass das Schöne heilig ist, sondern umgekehrt, das Heilige ist das Schöne, das Heilige ist das Erhabene. Deshalb ist es wichtig zu verstehen: Kunst im Judentum hat immer ein geistliches Ziel, sie soll unser Bewusstsein dafür schärfen, dass die Welt ein Kunstwerk ist, das vom höchsten Künstler, dem Schöpfer der Welt, zeugt. Gott ist selbst der Schöpfer – der erste Künstler. Der Mensch, als Ebenbild Gottes, ist zur Kreativität berufen, Gottes erste Kunstwerk.
Schabbat Schalom!
Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :
- Jerusalem – Beginn 17:11, Ausgang 18:27
- Tel Aviv – Beginn 17:33, Ausgang 18:29
- Haifa – Beginn 17:22, Ausgang 18:28
- Beersheva – Beginn 17:33, Ausgang 18:29
- Eilat – Beginn 17:22, Ausgang 18:29
Wenn ihr mehr über die Wochenabschnitte lesen möchtet, könnt ihr mein Buch „Und wählt das Leben“ erwerben.




