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Tacheles mit Aviel – Auf dem Kampffeld herrscht Harmonie, im Hinterland nicht!

Tacheles, offen und unverblümt sage ich meine Meinung. Es sieht so aus, als ob die Einheit im Volk nur auf dem Kampffeld herrscht, nicht aber im Hinterland und Politik Israels. Das ist eine Tragödie!

Volk
Israelische Soldaten vor einer militärischen Operation im Gazastreifen nahe der Grenze zwischen Israel und Gaza am 13. Dezember 2023. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

„Wenn wir zu dem zurückkehren, was vor dem Krieg im Land war, sind wir verloren“, warnte der stellvertretende Kommandeur der Golani-Brigade, Oberstleutnant Ohad, der im Gazastreifen 82 Kämpfer verloren hat, darunter unseren Nachbarn Dekel Swissa (23) am 7. Oktober. Genau davor hat die junge Generation Angst. Während sie im Gazastreifen mit voller Kraft für Volk und Vaterland kämpfen, streiten ihre Brüder und Schwestern im Hinterland weiter wie bisher. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob die Einheit innerhalb des Volkes hält.

Unter den Soldaten und Reservisten herrscht Harmonie im Krieg, ob im Gazastreifen oder im Norden an der libanesischen Grenze. Ich weiß das, weil ich das von allen Soldaten und Offizieren höre, die ich treffe, egal ob sie religiös oder politisch links sind. Auf dem Schlachtfeld herrscht eine beneidenswerte Brüderlichkeit, die im zivilen Hinterland langsam verloren geht. Wenn die Reservisten erschöpft für kurze Pausen ins Land zurückkehren, sind sie erstaunt über den politischen Diskurs im Hinterland. Dieser ist wie vor dem schwarzen Schabbat böse, aggressiv und rücksichtslos gegenüber dem Nächsten. Alles andere als das, was die Soldaten auf dem Schlachtfeld in Gaza erleben. Das ist eine Blamage für die ältere Generation im Volk.

Ähnliches habe ich nicht nur von meinen Söhnen gehört, die von den politischen Auseinandersetzungen in den Medien die Nase voll haben. Im Gazastreifen herrscht Einigkeit unter den jungen Leuten, aber sobald sie im Hinterland sind, ist alles vorbei. „Ich bereue, dass ich nach 80 Tagen herausgekommen bin“, sagt unser Nachbar Daniel (21), ein Fallschirmspringer, der seit dem 7. Oktober ununterbrochen in Gaza ist. Seine Eltern sind mit uns befreundet und es war für beide keine leichte Zeit. Nun saß Daniel eines Abends mit seinem Vater bei uns. Auch Anat und mein jüngster Sohn waren da. Daniel will sofort zurück in den Gazastreifen, er will lieber mit seinen Kameraden kämpfen, als den Mist in der Gesellschaft mitzumachen. Wir waren fassungslos. So wie Daniel haben sich in den letzten Wochen viele Reservisten und Soldaten in den Medien darüber geäußert, dass die israelische Gesellschaft wohl nichts aus dem Überfall gelernt hat.

Im israelischen Parlament hört man wieder die gleiche aggressive Kritik gegenüber anderen Mitgliedern der Knesset oder der Regierungskoalition. Nach dem ersten Schock und der Verwirrung über den barbarischen Angriff beschimpfen sich die Politiker wieder wie zuvor. Alle reden von einer Brüderlichkeit im Volk, die es aber nicht gibt, weil unsere Volksführer keine Vorbilder sind. In Gesprächen mit Freunden und Kollegen gebe ich zu, dass unsere Generation defekt und ausgedörrt ist. 1.400 Israelis wurden abgeschlachtet, und unsere Volksführer streiten immer noch darüber, wer in der Politik mehr Recht hat, die linke Ideologie oder die rechte Ideologie. Unsere TikTok-Kinder verteidigen das Land und unsere Volksführer toben, als ob nichts passiert wäre.

Vor der Knesset wurde schon wieder gegen Bibi demonstriert. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Vorgestern brach mitten im Krieg eine neue politische Krise aus. Es kam zu heftigen Reaktionen, nachdem am Mittwochabend ein Urteilsentwurf durchgesickert war, aus dem hervorging, dass die Richter das umstrittene Angemessenheitsgesetz, das im Sommer als Teil der Justizreform der Regierung verabschiedet worden war, knapp ablehnen würden. In einer möglicherweise bahnbrechenden und umstrittenen Entscheidung ist das 15-köpfige Gremium, in dem alle Mitglieder des Obersten Gerichtshofs vertreten sind, mit acht Stimmen für und sieben Stimmen gegen die Aufhebung des Gesetzes gespalten. Ein solcher Schritt wäre das erste Mal, dass das Oberste Gericht Israels ein verfassungsähnliches Grundgesetz aufhebt. Und das würde viele rechtsgerichtete Wähler und Politiker verärgern. Justizminister Yariv Levin warnte die Richter des Obersten Gerichtshofs, dass eine solche Entscheidung das Volk spalten würde. Warum musste dieser Fall gerade jetzt verhandelt werden?


Die vier israelischen Fernsehsender bombardieren sich gegenseitig, weil jeder auf seiner politischen Wahrheit besteht. Kanal 13 schimpft auf die Rechte in der israelischen Politik und insbesondere auf den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu, der für alles Böse im Land verantwortlich ist, während Kanal 14 Bibi und alles Rechte in den Himmel lobt. Linke Ideologie ist in ihren Augen der Teufel in der israelischen Gesellschaft. Dazwischen toben sich auch N12 und der Fernsehsender Kan 11 aus und kritisieren ständig den Nächsten. Die Harmonie stimmt nicht, und das merken die Soldaten, sobald sie zurückkommen. „Wenn die israelischen Medien während der Staatsgründung Israels 1948 so gesendet und berichtet hätten wie heute, gäbe es den Staat Israel nicht“, sagt Israels anerkannter und ältester Nahost- und Armeekommentator Ron Ben Ishai (81). Das ist durchaus möglich. Die Einmischung der Medien ist oft ein Hindernis.

Während des Krieges herrscht eine politische Stille, die sofort verloren geht, wenn man im Hinterland ist. „Du verstehst nicht, wie verzweifelt wir sind, mitten im Kampf nach Hause zu kommen. In den Kämpfen sind wir alle vereint, ein Körper, und hier im Land ist alles beim Alten geblieben. Der gleiche Streit, der gleiche Hass, die gleichen Parolen, die gleichen Lager“, sagte mir vor ein paar Tagen ein Reservesoldat, den ich im Café neben unserer Redaktion traf. Er spürt wie viele andere, dass Israel verloren ist, wenn es sich nicht zusammenreißt.

Minister Benny Gantz, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und andere Minister während einer Plenarsitzung für Israelis, die von Hamas-Terroristen im Gazastreifen entführt wurden, im Plenarsaal der Knesset, dem israelischen Parlament in Jerusalem, am 25. Dezember 2023. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Wie ich schon in den ersten Wochen gesagt habe, muss die gesamte Knesset Israels, 120 an der Zahl, ausgetauscht werden, nicht nur die derzeitige Regierung. Die junge Generation ist die Hoffnung für Israel, nicht die alte. Die scheint immer noch alles kaputtzumachen und predigt nur Einheit im Volk. Die junge Generation, unsere TikTok-Kinder, sie kämpfen für die Einheit in Gaza. Als die alte Generation sich beim Auszug aus Ägypten nicht von ihren Manieren trennen konnte, wurde sie in der Wüste durch die neue Generation ersetzt. Wer in das Gelobte Land einzog, war die Wüstengeneration, die in der Wüste geborenen und aufgewachsenen Kinder Israels – die biblischen TikTok-Kinder des Mose. Irgendetwas stimmt nicht mit den Eltern der TikTok-Kinder im Land und schon gar nicht mit den Volksvertretern in Israels Knesset und Regierung. Es muss etwas passieren, um den Streit an der Spitze und in den Medien zu beenden. Nach dem Krieg muss die junge Generation dringend das Zepter im Volk übernehmen.

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Patrick Callahan

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10 Kommentare zu “Tacheles mit Aviel – Auf dem Kampffeld herrscht Harmonie, im Hinterland nicht!”

  1. Bernd Holl sagt:

    Als du das vor einigen Tagen bereits geäußert hast, war ich tief betroffen und entsetzt. Den Krieg mag Israel gewinnen, aber die innere Einheit?
    Vielleicht sollten wir verstärkt für einen Geist der Buße im Volk beten. Ich denke, alle müssen in sich gehen und ihr Verhalten ändern.
    Ich bete und hoffe, daß Israel die Kurve kriegt, was die Einheit im Volk betrifft.
    Schalom aus Würzburg und Gottes Segen für das neue Jahr!

    • Patricia Schekahn sagt:

      Danke, ich stimme zu, dass Buße der Weg zur Einheit ist. Wenn jeder meint, er hat Recht und der andere Nicht, muß da nicht erst im Inneren eine Veränderung auf beiden Seiten geschehen?
      Denke ich an den Text Adon haSlichot, dieser Pijuth listet in alphabetischer Reihenfolge Eigenschaften Gottes auf, freue ich mich immer im Herzen, weil ich mir gewahr werde, nun komme ich z u r ü c k um zu Gott aufzuschauen. Das hört nie auf bis unser Messias wiederkommt. Schalom, Schabbat Schalom alle zusammen.

  2. Aviel Schneider sagt:

    Was im Hinterland passiert ist einfach eine Tragödie. Ich habe mich gehütet, nicht vorher darüber zu schreiben. Blamage. Wie ich schon im Oktober schrieb, müssen wir alle 120 Volksvertreter auf den Mond schießen und die junge Generation die volle Bühne in der Politik übergeben. Schabbat Schalom!

    • j-glaesser sagt:

      Jeremia Kapitel 31 / Brief an die Hebräer Kapitel 8
      31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

    • Andrew Manner sagt:

      Ja!
      …“Nach dem Krieg muss die junge Generation dringend das Zepter im Volk übernehmen.
      …“
      Ich hatte die gleichen Gedanken, schon am Anfang deines Texts!
      ->Neuwahlen! mit einer neuen Partei der „treuen und vereinten Verteidiger Israels“???

  3. marie.luise.notar sagt:

    Mehr als erschütternd….dabei dachten wir zu Beginn des Krieges, dass dieser das Volk zusammenschweißen würde…..Normalerweise sollten die ältere Generation die weise Generation sein….Ich segne die Soldaten weiterhin mit viel Gnade, Schutz und Bewahrung und die ältere Generation ??? mit neuen ERkenntnissen und Lernen aus den alten Fehlern….

  4. j-glaesser sagt:

    Als Israel unter Mose und Josua aus Ägypten auszogen musste die ÄLTEREN auch in der Wüste sterben. Nur die Israelis die beim Auszug unter zwanzig Jahre waren erreichten das verheißene Land Eretz Israel (Ausnahme Josua und Kaleb).

  5. René David sagt:

    Guten Abend Aviel
    Ich kann dir nur zustimmen was du über Israel und sein Volk sagst.
    Seit mehr als 10 Jahren trage ich einen Spruch auf Hebräisch an meinem Hangelenk der da heisst: “ Höhre Israel es gibt nur einen Gott. “
    Shalom Israel
    Alles Liebe
    René

  6. Eva-Maria Jannasch sagt:

    Ich bin sehr besorgt über das Verhalten der Regierenden!!! Haben sie den Allmächtigen Gott vergessen!
    Höre Israel, dein Gott ist immer noch Deselbe wie zu Moses Zeiten.
    SHALOM In Liebe zum Volk Israel
    Eva-Maria

  7. Tim Laier sagt:

    Todesangst und ein gemeinsames Primärziel machen aus politischen Gegnern Kameraden.
    Aber letztlich kämpft jeder Soldat für „sein“ Israel.
    Der linksliberale Soldat kämpft sicherlich nicht für ein rechtskonservatives Israel und der rechtskonservative Soldat kämpf umkehret sicherlich nicht für ein linksliberales Israel.
    Ist es nicht eine Wunschtraum, dass die junge Generation besser sei?
    Wäre es nicht besser, wenn die Politik für die Interessen des ganzen Volkes eintritt? Und würde es sich dafür nicht anbieten, dass (fast) alle Altersklassen repräsentiert werden?

    Mein nicht ernstgemeinter Vorschlag:

    Zweistaatenlösung!

    Ein Staat für die Linksliberalen (Israel) und einer für die Rechtskonservativen (Juda).
    Natürlich auch noch viele Bundesstaaten, damit auch wirklich jede Ideologie seinen Platz hat. Wer sich nicht festlegen will, kann das gute alte Zelt packen und von Ideologie-Hausen nach Ideologie-Stadt ziehen wie ihm wohl ist.

    Maranatha!

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