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Zwischen Eisbahn und Anklagebank

Die Debatte um Israels Bobfahrer Adam Edelman zeigt, wie schnell israelische Athleten politisch markiert werden.

Adam Edelman und Menachem Chen aus Israel im Zweierbob-Wettbewerb bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Milano-Cortina, 16. Februar 2026. Foto: EPA/Andrea Solero

Es war nur ein Lauf im Eiskanal von Cortina. Zwei Athleten im Bob. Startsignal. Beschleunigung. Kurven. Ziel. Platz 26 nach zwei Durchgängen. Sportlich unspektakulär.

Und doch wurde genau dieser Moment zu einer politischen Bühne.

Der israelische Bobfahrer Adam Edelman stand während der Live-Übertragung des Schweizer Senders RTS plötzlich nicht wegen seiner Zeit im Mittelpunkt, sondern wegen einer schwerwiegenden politischen Zuschreibung.

Der Kommentator erklärte wörtlich, Edelman habe in sozialen Netzwerken mehrere Beiträge „zugunsten des Genozids in Gaza“ veröffentlicht. Zur Einordnung fügte er hinzu, „Genozid“ sei der Begriff, den eine UN-Untersuchungskommission für die Region verwende.

Das ist keine beiläufige Bemerkung. Es ist eine massive Anschuldigung.

Zugleich zitierte der Kommentator eine frühere Aussage Edelmans über den Krieg Israels: Es sei „der moralisch gerechteste Krieg der Geschichte“.

Edelman steht öffentlich hinter Israel. Das ist seine Haltung. Und er formuliert sie ohne Umschweife.

Doch seit wann wird ein israelischer Athlet während eines olympischen Rennens zum Gegenstand einer politischen Legitimitätsprüfung? Und warum geschieht genau das bei Israel?

Der Kommentator verwies in diesem Zusammenhang auf IOC-Regeln, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine angewandt wurden. Athleten, die den Krieg aktiv unterstützt hätten, seien demnach nicht teilnahmeberechtigt. Die implizite Parallele war offensichtlich.

Hier liegt der Kern des Problems.

Nicht die sportliche Leistung wurde bewertet, sondern die politische Legitimität eines israelischen Sportlers. Während er im Bob durch den Eiskanal fuhr, wurde er faktisch in eine moralische Debatte über den Gaza-Krieg hineingezogen.

RTS entfernte den Beitrag später aus seiner Mediathek und erklärte, der Kommentar sei im Rahmen einer Sportübertragung unangemessen gewesen. Das Internationale Olympische Komitee stellte klar, dass Aussagen einzelner Journalisten nicht seine Position widerspiegelten. Israels Kultur- und Sportminister Miki Zohar forderte eine deutliche Verurteilung der Äußerungen.

Platz 26 nach zwei Läufen. Sportlich unspektakulär – doch im Mittelpunkt stand nicht die Zeit im Eiskanal, sondern die politische Debatte um den israelischen Athleten. Foto: EPA/Andrea Solero.

Der Vorfall wirft eine grundsätzliche Frage auf: Warum genügt es bei einem israelischen Sportler, öffentlich hinter seinem Land zu stehen, um eine Debatte über seine Teilnahme auszulösen? Warum wird seine Haltung sofort politisch aufgeladen, während Athleten anderer Nationen in erster Linie als Sportler wahrgenommen werden?

Sport war nie frei von Politik. Aber es gibt einen Unterschied zwischen politischer Realität und politischer Etikettierung. Wenn während eines Wettkampfs der Begriff „Genozid“ fällt und einem Athleten zugeschrieben wird, er habe diesen unterstützt, verlässt man den Rahmen sportlicher Einordnung.

Der Eiskanal von Cortina ist wieder ruhig. Das Rennen ist protokolliert.

Olympische Spiele sollen verbinden. Doch Verbindung setzt Fairness voraus.

Und genau daran wird sich zeigen, ob Sport noch Sport sein darf – oder ob Israel auch dort zum politischen Sonderfall erklärt wird.

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Patrick Callahan

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