Inmitten des laufenden Iran-Krieges reiste Außenminister Gideon Sa’ar zu einem zweitägigen Staatsbesuch nach Berlin – mit einer vollen Agenda und einer klaren Botschaft: Die deutsch-israelischen Beziehungen sollen trotz wachsender europäischer Kritik vertieft werden. Der Besuch fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem Berlin und Washington wegen der wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges zunehmend auf Konfliktkurs liegen.
Gespräche über Iran, Libanon und Antisemitismus
Sa’ar traf am Mittwoch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die er als „wahre Freundin“ Israels bezeichnete. Die beiden diskutierten die bilateralen Beziehungen, regionale Entwicklungen rund um Iran und Libanon sowie die Bedeutung der Antisemitismusbekämpfung.
Sa’ar erläuterte den Zweck der IDF-Präsenz im Südlibanon: die Verhinderung von Panzerabwehrraketenangriffen der Hisbollah auf israelische Gemeinden sowie das Abwehren von Invasionsplänen der Terrororganisation. Er wies außerdem darauf hin, dass Israel das einzige Land in der Region sei, in dem die christliche Bevölkerung wächst.
Neben dem Treffen mit Klöckner umfasste Sa’ars Programm Gespräche mit Bundeskanzler Friedrich Merz, Außenminister Johann Wadephul – es war bereits das achte Treffen der beiden Minister innerhalb eines Jahres – sowie mit Innenminister Alexander Dobrindt, Antisemitismusbeauftragtem Felix Klein, Forschungsministerin Dorothee Bär und dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, Armin Laschet.
Honored to meet the President of the German Bundestag @JuliaKloeckner,
a true friend of Israel, in Berlin.
We discussed bilateral ties, Iran, Lebanon and the importance of combating antisemitism.I described the purpose of the IDF’s presence in southern Lebanon: denying… pic.twitter.com/yot3f8X4F2
— Gideon Sa’ar | גדעון סער (@gidonsaar) May 6, 2026
Gedenkstätte Gleis 17 und Kritik von NGOs
Am Rande seines Besuchs legte Sa’ar an der Gedenkstätte Gleis 17 am Bahnhof Grunewald einen Kranz nieder und zündete eine Kerze an – gemeinsam mit dem israelischen Botschafter Ron Prosor und Rabbiner Yehuda Teichtal. Der symbolische Akt am Ort, von dem aus Tausende Berliner Juden in die Vernichtungslager deportiert wurden, unterstrich den historischen Rahmen des Besuchs.
Nicht unkommentiert blieb der Besuch von Nichtregierungsorganisationen. Die Hilfsorganisation Ärzte der Welt kritisierte das Treffen von Klöckner und Sa’ar als „falsches Signal“ angesichts fortgesetzter Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht. Statt diplomatischer Routine brauche es eine unmissverständliche Positionierung für den Schutz der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten.
Kanzler Merz hatte in den vergangenen Wochen die wirtschaftlichen Folgen des US-israelischen Krieges gegen den Iran scharf kritisiert – was die Beziehungen zu US-Präsident Trump belastet hatte. Sa’ar reiste dennoch mit einer klaren Prioritätensetzung an: „Die Stärkung der Beziehungen zu Deutschland und der laufende Dialog mit ihm sind zentral für unsere Außenpolitik. Unser Ziel ist es, unsere Beziehungen zu Deutschland zu vertiefen – einschließlich unserer Sicherheits- und Wirtschaftsbeziehungen.“




