Krieg findet nicht nur an der Front statt. Für die meisten Menschen ereignet er sich mitten im eigenen Leben. Er dringt in den Alltag ein, ohne ihn aufzuheben. Die Arbeit geht weiter, die Kinder haben ihre Bedürfnisse, oft mehr denn je, Einkäufe, Haushalt, Organisation: Alles scheint äußerlich normal. Und doch verändert sich innerlich alles.
Die Seele beginnt, auf zwei Ebenen zu funktionieren. Eine Spur läuft im Automatikmodus: Sie erledigt, organisiert, macht weiter. Die andere ist permanent angespannt, hört Nachrichten, erschrickt bei Geräuschen, findet nur schwer zur Ruhe. Selbst der Schlaf in der Nacht verändert sich. Diese innere Spaltung erschöpft. Nach außen wirkt vieles wie gewohnt, doch im Inneren sammeln sich Müdigkeit, Sorge und Anspannung an.
Es gibt nicht immer den einen großen Zusammenbruch. Viel häufiger ist es eine schleichende Akkumulation: noch eine Nacht mit Nachrichten, noch eine Sorge um jemanden, noch eine Wachsamkeit, die nicht nachlässt. Mit der Zeit sickert das in jede Ecke des Lebens. Einfache Dinge sind nicht mehr einfach. Ein normales Gespräch wird von Eilmeldungen...
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