Tacheles mit Aviel – „Tut jeder, was recht in seinen Augen ist?“

Tacheles, offen und unverblümt sage ich meine Meinung. Wer mich kennt, weiß das. Mit Klartext und ohne Umschweife werde ich Themen auf den Kern der Sache bringen. „In jenen Tagen war kein König in Israel; ein jeder tat, was recht war in seinen Augen.“ Ist das, was in Israel passiert?

Anarchisten. Die Proteste in ISrael werden immer gewalttätiger.
Die Proteste in ISrael werden immer gewalttätiger. Foto: Noam Revkin Fenton/Flash90

Es kommt darauf an, wen man fragt. Zurzeit werden alle Gegner der umstrittenen Rechtsreformen im Volk als Anarchisten verurteilt. Gestern Nacht wurde die Frau des Premierministers in einem Tel Aviver Friseursalon eingeschlossen, während sich draußen Tausende von Demonstranten gegen die Regierung versammelten. Die Polizei wurde gerufen, um die Demonstranten fernzuhalten, und Sara Netanjahu musste stundenlang auf ihre Befreiung warten. Der Vorfall ereignete sich, als Premierminister Benjamin Netanjahu eine Erklärung an die Nation abgab, in der er die Demonstranten, die in Tel Aviv mit der Polizei zusammenstießen, mit den Siedlern verglich, die Anfang der Woche im Palästinenserdorf Hawara randalierten. Das ist Anarchie.

„Ich unterstütze voll und ganz den Minister für Nationale Sicherheit, den Polizeikommissar und die Polizisten, ein Demonstrationsrecht gibt kein Recht auf Anarchie“, unterstrich Netanjahu. „Wir werden Gewalt gegen Polizisten, Straßensperren und eklatante Verstöße gegen staatliche Gesetze nicht akzeptieren. Die Polizei muss gegen Gesetzesbrecher vorgehen, die den Alltag der Bürger Israels stören.“ Während des Tages betonte Minister Itamar Ben-Gvir mehrfach, dass keine Blockierungen von Straßen zugelassen und alle Blockaden der Anarchisten geöffnet werden.

Israelische Demonstranten blockieren eine Straße und liefern sich Auseinandersetzungen mit der Polizei
Israelische Demonstranten blockieren eine Straße und liefern sich Auseinandersetzungen mit der Polizei

Der gleiche Ben-Gvir sagte vor etwa 18 Monaten im Knessetausschuss, dass Straßensperren nicht schön sind, aber auch nicht so schlimm. Das Sperren von Straßen ist ein legitimes Mittel. „Hört zu, wir sind in einer Demokratie. In einer Demokratie blockiert man eine Straße“, erklärte Ben-Gvir als es ihm passte. Damals war er in der Opposition und setzte sich für die Proteste orthodoxer Juden und religiöser Siedler ein, die in Jerusalem Straßen blockierten. Keiner dieser Juden wurde von Ben-Gvir als Anarchist verurteilt. Für andere waren diese Demonstranten auf den Straßen Jerusalems doch Anarchisten, weil diese politisch auf der anderen Seite standen. So sind auch für Ben-Gvir nur diejenigen Anarchisten, die mit seiner politischen Agenda nicht übereinstimmen, wie diejenigen, die jetzt gegen das Vorhaben seiner Regierung protestieren.

Vorige Wochen haben ein Vater und sein Sohn, beide Offiziere in der Reserve, ihren Rang zurückgegeben. Darüber berichtete das israelische Radio Reschet Bet. Shai und Yoni Kahana, beide Major in der Reserve haben im Radio erklärt, weshalb. „Wir haben mehr als 12 Jahre im Wehrdienst und professionellen Dienst gedient, mehr als 35 Jahre in der Reserve. Wir haben vom Sechstagekrieg 1967 bis heute an allen Kriegen Israels teilgenommen und in Notfällen und Routineeinsätzen gedient.“ Sie fuhren fort und sagten, dass sie dem Staat Israel die Treue geschworen hatten, einem demokratischen Staat, aber jetzt ändert sich der Staat Israel. „Eine schwarze Flagge wird über Israel gehisst und deshalb ist unser Eid ungültig und wir geben unseren Rang zurück. Es ist unglaublich, dass wir nun die sogenannten Anarchisten sind“.

Beide Seiten des Konflikts wollen nur das Beste für ihr Land.
Beide Seiten des Konflikts wollen nur das Beste für ihr Land.

In Israel nennen wir solche Familien, die jahrelang das Heimatland verteidigten „Salz der Erde“ und diese werden nun als Anarchisten verschrien, weil sie die Rechtsreformen als eine Gefahr für Israels Demokratie betrachten?

„Anarchisten gegen den Zaun“ nennt sich eine Gruppe linksextremer Aktivisten, die jeden Freitag zusammen mit den Palästinensern in Judäa und Samaria gegen den Schutzzaun und Israels Politik demonstrieren. Diese Gruppe von Menschen ist oft mit den israelischen Soldaten zusammengestoßen.

Aber auch das Verhalten der radikalen Siedlerjugend wird als ein anarchistisches Verhalten betrachtet. Auch sie legen sich oft mit israelischen Soldaten an, wenn es unter anderem um illegale Außenposten geht. In diesem Fall sind es natürlich die linken Geschwister, die diese Siedlerjugend als Anarchisten bezeichnen. Diese Jugend zählt vielleicht nur hunderte Menschen und wird oft selbst von ihrer eigenen religiösen Bevölkerungsgruppe als unerzogen oder radikal bezeichnet.

Wahrscheinlich hat jede Menschengruppe ihre Anarchisten, die aber oft nur von den Nächsten im Volk als solche betrachtet werden. Aber sind diese Menschen alle wirklich Anarchisten? Nur, weil politische Gegner das so interpretieren. Das erinnert mich an eine Frage, die mir gestern jemand via WhatsApp stellte. Warum verurteilen wir in Israel den russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht als Kriegsverbrecher? Auch Israel wird als Kriegsverbrecher verurteilt, macht es Israel deswegen zum Kriegsverbrecher? Wurde nicht auch US-Präsident George Bush im Nahen Osten als Kriegsverbrecher verschrien?

„König Bibi“ wird geliebt und gehasst. Wird er ein König des gesamten Volkes werden?

In diesen Tagen haben wir in Israel einen König, Benjamin Netanjahu. Die Mehrheit im Volk wählte ihn und seine Verbündeten. Und ich denke nicht, dass jeder das tut, was recht in seinen Augen ist, sowie es die Bibel im Buch der Richter beschreibt. Dieser Vers ist die biblische Beschreibung von Anarchie. Israel ist davon noch weit entfernt, muss aber dennoch vorsichtig sein. Wir haben einen König im Volk, auch wenn er nicht von allen im Volk geliebt wird. Entweder die Regierung macht einen Kompromiss oder es gelingt der Regierung, die Gegner zu überzeugen, dass die Rechtsreformen kein Putsch sind. Das ist in der Macht des Königs. Unzufriedenheit im Volk ist niemals gut für einen König. Die Verantwortung liegt in seinen Händen und in den Händen unserer Volksvertreter im israelischen Parlament in Jerusalem.

 

 

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Patrick Callahan

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4 Kommentare zu “Tacheles mit Aviel – „Tut jeder, was recht in seinen Augen ist?“”

  1. Serubabel Zadok sagt:

    Die Justizreform ist lebensnotwendig für Israel und muss umgesetzt werden.

  2. marie.luise.notar sagt:

    Geht es immer mehr in dieselbe R i c h t u n g , die damals–im judäischen Krieg– vor 2000 Jahren herrschte, als viele Juden gegen ihre Brüder kämpften..bis dann endgültig die Römer die Überhand hatten, und am Ende auch die Festung Massada gestürmt wurde….????????? Gott b e w a h r e….siehe auch PS 107…

  3. spenglersilvia sagt:

    Ja, das jüdische Volk hatte immer einen König – einen menschlichen, weil es sein wollte wie die anderen Völker. Schweren Herzens erfüllte der Allmächtige den Wunsch Seines geliebten Volkes und wusste, was dann kommt. So kam Saul an die Macht. Tat er, was Gott gefiel? Dann David – einer nach Gottes Herzen, weil er alle seine Irrtümer und Sünden einsah und zur Buße bereit war – so ging es weiter, wenn ein König Gottes Wille tat, ging es auch dem Volk gut – besonders bei Salomo zu sehen, der um Weisheit bat und auch erhielt – aber zuletzt doch andere Götter aufstellte. Nach Frieden kam Krieg und Gewalt.
    Auch heute ist der wahre König nicht Netanjahu – sondern Israel, auch die Nationen, sind unter der Herrschaft Jeshuas, des Judenkönigs und Gottessohns. Ehe nicht nach Seinem Willen gefragt und gehandelt wird, gibts keinen Frieden.

  4. spenglersilvia sagt:

    Demokratie ist nicht Lösung des Problems, weder bei uns noch in Israel.
    Bald ist Purim – ich erinnere mich mit Euch an Esther, eine mutige Frau, durch sie und ihr Vertrauen wurde das Volk erlöst – wenigstens für eine Zeit.
    Diese Geschichte ist nicht nur Vergangenheit – sie wiederholt sich ständig im gleichen Muster. Bei uns genauso, und wir alle werden erleben, was Jeshua über
    die Drangsal der letzten Zeit sagt: ER wird nur bewahren, wer SEIN Wort bewahrt,
    und das ist die Tora, die Propheten – aus Gottes Mund ergangen und deshalb immer noch gültig. Für Sein Volk – immer, immer noch Seins, und die sich ihm
    in Demut anschließen. Shalom!!

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