Schneider Aviel

Auch Israel wurden Kriegsverbrechen vorgeworfen

Fakten verfehlen ihre Aufgabe, wenn Emotionen im Spiel sind. Am Ende glaubt jeder, was ihm passt.

| Themen: Palästinenser, Russland, Ukraine
Demonstranten protestieren in Tel Aviv gegen die russische Invasion in der Ukraine Foto: Avshalom Sassoni/Flash90

Nichts beschäftigt die Weltmedien derzeit mehr als das Massaker in Butscha. Die Bilder und Videos aus dem Vorort der ukrainischen Hauptstadt Kiew haben weltweit Entsetzen ausgelöst. Medien und Regierungen sprechen von einem russischen Kriegsverbrechen. “Das Grauen und die Folgen”, schrieb Die Zeit. “Mit Entsetzen haben deutsche Politiker am Wochenende auf die mutmaßlichen russischen Kriegsverbrechen an Zivilisten in der ukrainischen Kleinstadt Butscha reagiert.” Der Focus sieht das Massaker in Butscha als “die Hölle des 21. Jahrhunderts”. Die Medien sprechen von einem wachsenden Entsetzen über das Massaker in der ukrainischen Stadt. “Nach dem Abzug der russischen Truppen aus der Region um Kiew bietet sich ein Bild des Grauens”, so die DW. Man muss nur googeln und kann mit einem Klick sehen, wie entsetzt die Menschen über das Massaker in der ukrainischen Stadt Butscha sind. Auch die israelischen Medien befassen sich ausführlich mit den Schlagzeilen aus Butscha.

Russland sieht in den Bildern aus Butscha eine “westliche Verschwörung” und weist die schweren Anschuldigungen von Kiew zurück. “Die ukrainische Regierung hat die Situation in Butscha inszeniert”, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. “Es war ein erfundener Angriff mit dem Ziel, Russland zu diskreditieren.” Seine Sprecherin wurde noch deutlicher und sagte, die USA und ihre westlichen Verbündeten hätten die grausamen Bilder in Auftrag gegeben. In Jerusalem kenne ich Kollegen, die in dem Butcha-Massaker tatsächlich eine westliche Verschwörung sehen. Was ist wahrer, das Kriegsverbrechen der Russen oder die westliche Verschwörung?

Und warum erwähne ich das, weil Israel im Laufe der Jahre beschuldigt wurde, ein “Apartheidstaat” zu sein, der gegenüber den Palästinensern angeblich ein “koloniales Programm”, einschließlich “Völkermord” und “ethnischer Säuberung”, betrieben haben soll, das mit dem Holocaust vergleichbar sei. Damit will ich nicht sagen, dass in Butscha ein Kriegsverbrechen stattgefunden hat oder nicht. Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, wie oft Israel Kriegsverbrechen und Massaker an Palästinensern vorgeworfen wurden. Nach jeder Operation in Gaza wird Israel eines Kriegsverbrechens beschuldigt. Schreckliche Fotos von toten palästinensischen Kindern oder weinenden Müttern auf Trümmern überschwemmen die Medien und machen es oft leicht, seine Wut an Israel auszulassen. Instinktiv haben die Menschen automatisch Mitleid mit den Opfern auf den Bildern und Videos. Dagegen muss sich Israel bis heute wehren.

Archivbild -Demonstration gegen Israel in Tel Aviv im Mai 2019. Bild: Tomer Neuberg/Flash90

Ich bin davon überzeugt, dass Israel niemals Kriegsverbrechen begangen hat. Dafür kenne ich die DNA der Menschen im Volk zu gut. Einer der Nachteile der israelischen Soldaten ist die Barmherzigkeit. Auch wenn es in den ausländischen Medien Einzelfälle gibt, wonach ein israelischer Soldat einen Palästinenser tödlich geschlagen oder erschossen hat, so ist dies kein System innerhalb der israelischen Armee. Diese Soldaten werden mithilfe von palästinensischen Familienangehörigen vor ein Militärgericht gestellt. Das schüchtert die israelischen Soldaten ein, weil sie Angst haben, vor Gericht gestellt zu werden. Das ist an sich schon ein heikles Thema in der israelischen Gesellschaft.

Israel kümmert sich mehr um seine Feinde als die Feinde um sich selbst. Und doch wird Israel immer wieder beschuldigt, Kriegsverbrechen begangen zu haben. Israel möchte nur eines: in Frieden und Ruhe leben. Und dafür muss sich Israel verteidigen, und das ist kein Kriegsverbrechen. Die täglichen Ausschreitungen während des Ramadan am Jerusalemer Damaskustor sind zu einem Trend unter jungen Palästinensern geworden, die größtenteils nicht einmal Bürger der Stadt sind. In arabischen Netzwerken werden diese Jugendlichen von ihren palästinensischen Glaubensbrüdern dafür kritisiert, dass sie der palästinensischen Mehrheit die Festtage verderben.

Auf TikTok beschweren sich Palästinenser, dass man sich deshalb nicht wundern dürfe, dass gegen die palästinensischen Anstifter vorgegangen werden müsse. Ich erwähne dies, weil viele Palästinenser selbst zugeben, dass Israel kein Kriegsverbrecher ist. Aber diejenigen, die das nicht akzeptieren wollen, werden Israel immer und für alles verantwortlich machen, auch für Kriegsverbrechen.

In den arabischen Netzwerken wird dieses Video aus TikTok verbreitet:

Jemand am Damaskus-Tor zeigt zunächst die Clowns, die gekommen sind, um Familien und Kinder in den Ramadan-Nächten glücklich zu machen, dann schimpft er über die jungen Muslime, die sich in der Nähe aufhalten und den Familien die Festtagsstimmung verderben. Er protestiert dagegen, dass sie die Polizei provozieren, die daraufhin Rauchgranaten abfeuern und die Menschenansammlung auflöst. “Warum zerstören diese jungen Leute den Ramadan und die Freude der Familien? Warum soll der Platz geräumt werden? Wir hatten seit 5-6 Jahren keinen Ramadan mehr”, sagt er.

Das gilt auch für den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der weltweit gehasst wird. Die Medien und Regierungen haben Putin bereits wegen Kriegsverbrechen verurteilt. Israels frühere Premierminister Ariel Sharon und Benjamin Netanjahu wurden beide weltweit als Hardliner verunglimpft. Wir kennen diese Angriffe. Ich schreibe das nicht in Bezug auf Wladimir Putin, sondern beziehe mich auf die häufigen Anschuldigen, denen Israel ausgesetzt ist. Auch besteht für mich ein großer Unterschied zwischen der israelischen und der russischen Armee. Was in Butscha passiert ist, sehen wir alle auf Bildern und Videos.

Wenn ich behaupte, dass Israel keine Kriegsverbrechen begangen hat und die Russen schon, dann überzeuge ich nur die Überzeugten. Fakten verfehlen ihre Aufgabe, wenn Emotionen im Spiel sind. Und am Ende glaubt jeder, was ihm passt. Und die Wahrheit kommt am Ende immer ans Licht.

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