
Dov Eilon
Der heutige Morgen begann ganz alltäglich. Nach dem Wochenende wollte ich noch ein paar Dinge einkaufen – Butter, Tomaten, etwas Brot, und auch Honig, wenn er im Angebot war. Also fuhr ich wie gewohnt zum Supermarkt.
Es war kurz nach neun, als mein Handy vibrierte. Eine Warnung des Heimatfrontkommandos der israelischen Armee: Es könnte in meiner Region in den nächsten Minuten Raketenalarm geben. Eine Rakete aus dem Jemen sei unterwegs. Ich war vorbereitet, irgendwie – man kennt das ja inzwischen. Aber man gewöhnt sich nie ganz daran.
Und tatsächlich: Wenige Minuten später heulten die Sirenen los, begleitet vom schrillen Alarmton meiner App. Die funktioniert übrigens wirklich ausgezeichnet. Im Supermarkt selbst hatte zunächst niemand darauf reagiert. Die Mitarbeiter waren damit beschäftigt, frische Ware einzuräumen. Ich war gerade auf der Suche nach dem billigen Honig, als auch dort der Alarm ertönte.
Ich sah, wie der Käseverkäufer in Richtung Sicherheitsraum ging, und schloss mich ihm an. Einige Kartons standen im Weg, offenbar hatte man hier nicht mehr so recht mit einem Ernstfall gerechnet. Kein Wunder – wir haben inzwischen Dutzende Raketenangriffe der Huthis erlebt. Da stumpft man ab. Man arrangiert sich mit dem Absurden.
Siehe dazu: Raketenalarm und Malawach: Leben im Schatten der Huthis
Zusammen mit ein paar anderen Kunden und Mitarbeitern wartete ich im Sicherheitsraum. Dann hörten wir eine Explosion – laut, dumpf, viel näher als sonst. Kurz darauf kam die Bestätigung: Eine Rakete der Huthis hatte erstmals den Bereich des Ben-Gurion-Flughafens getroffen – nur wenige Hundert Meter vom Terminal entfernt. Mehrere Menschen wurden verletzt. Eine größere Katastrophe konnte nur durch Zufall und Glück verhindert werden.

Ich rief sofort zu Hause an. Zum Glück war mein jüngster Sohn an diesem Sonntag zu Hause geblieben. Er konnte die schwere Eisentür des Sicherheitsraums – seines Zimmers – rechtzeitig schließen. Meine Frau tut sich damit immer ein bisschen schwer.
Nach dem Alarm ging es weiter mit dem Einkauf. Den Honig habe ich vergessen. Ich rief noch meinen ältesten Sohn in Tel Aviv an. Auch dort hatte man die Sirenen gehört. Alles in Ordnung, sagte er. Nur das Flugzeug, in dem seine Frau und ihre Mutter aus Budapest zurückkamen, musste über Israel kreisen – genau in dem Moment, als die Rakete sich näherte. Ein herrlicher Willkommensgruß, dachte ich mir. Zum Glück sind sie sicher gelandet, der Flughafen nahm den Betrieb wieder auf.
Und dennoch hat der Vorfall Folgen: Zahlreiche internationale Fluggesellschaften haben daraufhin ihre Flüge nach Israel für die nächsten Tage gestrichen – darunter Air India, Lufthansa, Austrian Airlines, Brussels Airlines und andere. Einige Maschinen mussten bereits während des Alarms umkehren oder in der Luft kreisen, wie das Flugzeug aus Budapest, das meine Schwiegertochter zurückbrachte.

Und wir? Wir machen weiter. So sind wir Israelis. Wir lassen uns nicht unterkriegen. Der Alltag geht weiter, auch wenn die Realität manchmal kaum zu fassen ist.
In der kommenden Ausgabe des Israel Heute-Magazins schreibe ich ausführlich über diesen Alltag – unser Leben im Schatten der Bedrohung, zwischen Nachrichten über Geiseln und Explosionen am Himmel, zwischen Politik und Normalität. Wir funktionieren. Weil wir funktionieren müssen.
Und doch frage ich mich: Was jetzt? Wird Israel reagieren? Müssen erst Menschen zu Schaden kommen, bevor wir den Huthis klarmachen, dass man uns nicht ungestraft angreift?
Am Israel Chai.




