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Israels stiller Handel mit Gaza: Unternehmen erzielen Millionenumsätze trotz Krieg

Neue Unternehmensangaben zeigen erstmals das Ausmaß des Handels zwischen israelischen Firmen und dem Gazastreifen. Während die Öffentlichkeit kaum Einblick in diese Geschäfte hat, werden jährlich Waren im Milliardenwert nach Gaza geliefert.

Gibt es in Gaza ebenfalls einen voll gefüllten Rami-Levy-Supermarkt? Foto: Yonatan Sindel/Flash90
Gibt es in Gaza ebenfalls einen voll gefüllten Rami-Levy-Supermarkt? Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Israels Supermarktkette Victory hat auf Druck der israelischen Wertpapieraufsicht erstmals offengelegt, wie stark ihre Geschäfte mit dem Gazastreifen gewachsen sind. Das Unternehmen meldete für das erste Quartal Verkäufe im Wert von 99 Millionen Schekel nach Gaza. Diese Umsätze machten einen wesentlichen Teil des Anstiegs der Gesamterlöse aus.

Die Veröffentlichung gewährt einen seltenen Einblick in einen Wirtschaftszweig, der normalerweise weitgehend im Verborgenen bleibt. Weder die israelische Steuerbehörde noch die Zollverwaltung veröffentlichen die Namen der beteiligten Unternehmen. Die Behörden berufen sich auf ihre gesetzliche Verschwiegenheitspflicht. Auch die meisten Unternehmen vermeiden öffentliche Angaben zu ihren Geschäften mit Gaza.

Zu den wenigen Firmen, die entsprechende Umsätze offenlegten, gehört der Landwirtschafts- und Exportkonzern Mehadrin, der zuletzt Einnahmen von 60 Millionen Schekel aus Verkäufen in den Gazastreifen meldete. Medienberichten zufolge verfügen auch andere große Einzelhändler über die erforderlichen Genehmigungen. Die Supermarktkette Rami Levy bestreitet jedoch, während des Krieges Waren nach Gaza zu verkaufen. Unternehmensvertreter erklärten, man besitze zwar die entsprechenden Lizenzen, nutze diese aber derzeit nicht.

Nach Angaben der israelischen Militärverwaltung COGAT gelangten Anfang 2026 täglich zwischen 600 und 800 Lastwagen in den Gazastreifen. Rund 70 Prozent davon transportierten Lebensmittel. Auf Grundlage von UN-Daten und Marktschätzungen wird der jährliche Wert der eingeführten Nahrungsmittel auf etwa fünf Milliarden Schekel geschätzt.

Im September 2025 führte die israelische Zollverwaltung ein neues Verfahren ein, das große israelische Lieferanten und Handelsketten stärker in die Versorgung Gazas einbezieht. Ziel sei eine bessere Kontrolle der Warenströme und die Verhinderung einer Umleitung von Gütern an terroristische Organisationen. Nur Unternehmen, die bestimmte Umsatzgrößen überschreiten, dürfen an diesem Programm teilnehmen.

Die Waren werden direkt an zugelassene Händler im Gazastreifen verkauft. Nach Angaben von mit dem Vorgang vertrauten Quellen sind derzeit 18 Händler von Shin Bet und Zollbehörden zugelassen. Die Finanzierung erfolgt offenbar überwiegend über internationale Hilfsgelder. Eine einzelne Lastwagenladung kann einen Wert von bis zu einer Million Schekel erreichen.

Nach dem Kauf werden die Waren an festgelegte Grenzübergänge gebracht, dort kontrolliert und anschließend innerhalb des Gazastreifens verteilt.

Nicht alle israelischen Unternehmen wollen an diesem Geschäft teilnehmen. Die Einzelhandelskette Yochananof erklärte, sie habe bewusst auf eine Aufnahme in die Liste der zugelassenen Lieferanten verzichtet. Das Unternehmen begründete dies mit dem Krieg und den Ereignissen des 7. Oktober.

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Patrick Callahan

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