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Immer weniger: Noch 111.000 Holocaust-Überlebende in Israel

Israel zählt im Jahr 2026 noch rund 111.000 Holocaust-Überlebende – eine Zahl, die Jahr für Jahr weiter sinkt. Hinter den nüchternen Statistiken steht eine Generation, die zunehmend verschwindet – und mit ihr die letzten direkten Zeugnisse der Shoah.

Der Holocaust-Überlebende Avigdor Neumann, der das Konzentrationslager Auschwitz überlebt hat, posiert am Vorabend des Holocaust-Gedenktags am 13. April 2026 in Jerusalem für ein Porträt. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

Nach Angaben israelischer Behörden leben aktuell etwa 111.000 Überlebende im Land. Allein im vergangenen Jahr sind rund 12.000 von ihnen gestorben. Weltweit gibt es nur noch etwa 196.000 Holocaust-Überlebende, verteilt auf mehr als 90 Länder. Etwa die Hälfte von ihnen lebt in Israel.

 

Die Zahlen

Das israelische Statistikamt teilte mit, dass die weltweite jüdische Bevölkerung Anfang 2025 bei rund 15,8 Millionen lag. Davon lebten etwa 7,2 Millionen in Israel – rund 45 Prozent der Gesamtzahl – und etwa 6,3 Millionen in den Vereinigten Staaten.

In Israel stammen rund 60,5 Prozent der Holocaust-Überlebenden ursprünglich aus Europa. Besonders viele von ihnen kamen aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Rumänien und Polen. Gleichzeitig gibt es auch größere Gruppen von Überlebenden aus Ländern wie Marokko, Irak, Tunesien, Libyen und Algerien.

Was die Einwanderung betrifft, kamen etwa 6 Prozent der Überlebenden noch vor der Staatsgründung 1948 ins Land. Rund 30 Prozent wanderten in den Jahren unmittelbar nach der Unabhängigkeit ein, und ein ähnlicher Anteil folgte zwischen 1952 und 1989. Etwa ein Drittel der heute in Israel lebenden Überlebenden kam erst seit den 1990er Jahren, vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion.

Die große Mehrheit der Überlebenden lebt heute in Städten: Etwa 95 Prozent wohnen in urbanen Gebieten. Rund 42 Prozent konzentrieren sich dabei auf größere Städte wie Jerusalem, Tel Aviv–Jaffa, Haifa, Aschdod, Netanja, Petach Tikwa, Beerscheva und Rischon LeZion.

 

Eine sehr alte und verletzliche Generation

Die verbliebenen Überlebenden sind heute hochbetagt. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 87 bis 88 Jahren, viele sind über 90, einige sogar über 100 Jahre alt.

Ein Großteil von ihnen waren während des Holocaust noch Kinder. Rund 96 Prozent gehören zu den sogenannten „Child Survivors“, die die Verfolgung als Minderjährige erlebten.

Auch die soziale Lage vieler Überlebender ist schwierig. Schätzungen zufolge lebt etwa ein Drittel in Armut, und rund 20 Prozent haben Schwierigkeiten, grundlegende Bedürfnisse wie Lebensmittel oder medizinische Versorgung zu bezahlen.

Hinzu kommt, dass viele allein leben und auf Unterstützung angewiesen sind. Staatliche Programme und Hilfsorganisationen versuchen, diese Versorgung sicherzustellen – doch mit zunehmendem Alter steigen auch die Herausforderungen.

 

Die Not unter Holocaust-Überlebenden

Daten, die am Montagmorgen von der Organisation für emotionale Unterstützung ERAN und der Stiftung für das Wohlergehen von Holocaust-Opfern veröffentlicht wurden, deuten auf einen starken Anstieg der psychischen Belastung bei in Israel lebenden Holocaust-Überlebenden seit Beginn des Krieges „Swords of Iron“ im Oktober 2023 hin.

Den Daten zufolge gingen bei ERAN mehr als 11.600 Anrufe ein, etwa ein Drittel davon während der Operation „Brüllender Löwe“.

Zudem wurden rund 50 Holocaust-Überlebende während der Kampagne gegen den Iran in ihren Häusern verletzt, während viele andere aufgrund fehlender angemessener Schutzräume während der Sirenenalarme mit ständiger Angst zu kämpfen haben.

Gleichzeitig benötigen 36 % der Überlebenden Unterstützung beim Kauf von Grundnahrungsmitteln, und 27 % mussten aufgrund finanzieller Notlagen oder eingeschränkter Mobilität auf Mahlzeiten verzichten.

Die Daten zeigen zudem, dass mehr als 70.000 Überlebende (65 %) allein leben und die meisten von ihnen (75 %) als pflegebedürftig eingestuft werden, wobei von starker Einsamkeit und Hilflosigkeit in Notsituationen berichtet wird.

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Patrick Callahan

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