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Guten Morgen Israel – Ein neuer Lebensabschnitt

Noch zwei Tage, dann werden wir unseren Sohn in die Hände der Armee übergeben. Auch beim dritten Kind ist die Aufregung noch immer groß.

Guten Morgen Israel – Ein neuer Lebensabschnitt
Dov Eilon

Boker Tov liebe Leser!

So langsam habe ich genug von diesem Winter. Dieses Mal habe ich ihn viel mehr wahrgenommen, als in den vergangenen Jahren. Natürlich sind die enormen Regenfälle, die uns dieser Winter beschert hat, ein Segen für das Land, ein Segen für uns. Und ich bin ja aus meiner Kindheit auch niedrige Temperaturen gewohnt. Aber nach über 31 Jahren, die ich hier lebe, habe ich mich wohl angepasst und ja, ich empfinde 8 Grad am Morgen schon als kalt. Enorm sind auch die Temperaturunterschiede auf kleinster Fläche. Wenn ich Abends wieder zu Hause in Modiin bin, wechsel ich meinen Mantel jetzt immer mit einer leichteren Jacke aus, denn in Modiin ist es viel wärmer als hier in Jerusalem.

Und ich sehne mich nach der warmen Sonne, die wir am Wochenende schon etwas genießen durften. Doch nun soll es ab morgen wieder „winterlicher“ werden mit Regen, Gewitter und alles was sonst noch dazugehört.

Hier erst einmal das Wetter für heute in Israel:

Teilweise bewölkt mit einem leichten Anstieg der Temperaturen im Zentrum uns Süden des Landes, aber das wird sich morgen ändern. Gegen Nachmittag beginnt dann der Wetterumschwung mit vereinzelten Regenschauern und Gewittern, besiders im Norden und Osten des Landes. Morgen soll der Regen dann stärker werden und sich auf das ganze Land ausweiten. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 15 Grad, Tel Aviv 22 Grad, Haifa 17 Grad, Tiberias am See Genezareth 21 Grad, am Toten Meer 22 Grad, Beersheva 20 Grad, Eilat am Roten Meer 25 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um weitere anderthalb Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei –209.88 m unter dem Meeresspiegel.

Was beschwere ich mich eigentlich über den Winter bei diesen Temperaturen, mögen Sie jetzt denken. Aber warten wir einfach ab bis morgen. Hier in Israel kann sich das Wetter ganz schnell verändern.

Letzte Tage als Zivilist

Auf eine Veränderung der anderen Art müssen wir uns auch bei uns zu Hause vorbereiten. Unser Sohn, unser Jüngster, genießt seine letzten zwei Tage als Zivilist. Am Donnerstag werden wir ihn nach Jerusalem zum Beginn seines Dienstes in der Armee begleiten, ich erzählte Ihnen ja schon davon. In den letzten Tagen merke ich einen leichten Anstieg der Aufregung in mir. Ja, ich bin aufgeregt, auch, wenn ich schon zwei Kinder in der Armee gehabt habe. Ich stelle mir vor, was in dem Kopf unseres Sohnes vorgehen mag, zwei Tage vor einer enormen Veränderung. Zwei Jahre und acht Monate wird er sein Leben nun in die Verantwortung der Armee übergeben, dem Land Israel und seinen Bürgern dienen. Dem Land haben wir unsere Existenz zu verdanken, jetzt ist die Zeit gekommen, dem Land etwas zurückzugeben. Keiner unserer Kinder beschwerte sich, als es Zeit für den Dienst in der Armee, der Dienst ist ein Teil unseres Lebens hier. Dennoch dienen heute weniger Jugendliche in der Armee, als früher. Jeder dritte Wehrpflichtige wird heute nicht mehr eingezogen, daüber berichteten wir leider auch hier bei Israel Heute. Das ist schade. Wir alle sollten Verantwortung für unser Land und unsere Gesellschaft zeigen.

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt – so war es damals mit unserer Tochter.

Die letzten Tage als Zivilist nutzt unser Sohn, um sich nochmal mit Freunden zu treffen, die wie er noch nicht eingezogen sind oder am Wochenende zu Hause waren, denn die meisten von Ihnen sind schon mitten in ihrem Armeedienst. Auch sein jetzt auslaufendes Abo im Fitnessclub wird in diesen Tagen von unserem Sohn eiskalt ausgenutzt. Alles noch einmal machen, noch etwas erleben. Im Zimmer hat er sich schon seit Monaten oft stundenlang mit seiner Gitarre eingeschlossen. Wir waren beeindruckt von dem Ergebnis. Im letzten halben Jahr ist er auch ein paar Mal mit Freunden ins Ausland verreist. Er wollte noch so viel wie möglich erleben. Diese Flüge waren unsererseits mit der ständigen Sorge um das Wohl unseres Kindes verbunden. Gleichzeitig waren wir aber auch stolz auf ihn, auf seine Unabhängigkeit, sein Erwachsenwerden. Ja, damit müssen wir Eltern fertig werden. Auch an die Frage “Abba, wo ist der Autoschlüssel?“ habe ich mich langsam gewöhnt, aber ich gebe zu, dass es mir nach wie vor schwerfällt, was soll ich machen?

Noch zwei Tage, sogar etwas weniger, 47 Stunden, und wir übergeben unseren Sohn in die Hände der israelischen Armee. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt, für ihn und für uns.

Und nun wünsche ich Ihnen im Namen der gesamten Israel Heute – Redaktion einen wunderbaren Dienstag. Machen Sie es gut.

Schalom aus Jerusalem!

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