Guten Morgen Israel – Schiv‘a

Ein paar Worte über sieben Tage Trauer, der Schiv’a, nach dem Tod eines Menschen und der gegenseitige Trost beim gemeinsamen Zusammensitzen

Guten Morgen Israel – Schiv‘a
Ayala Shalmayev

Boker Tov liebe Leser!

Letzten Dienstag haben wir erfahren, dass der Vater eines sehr guten Freundes verstorben ist. Da es im Judentum üblich ist, vom Todestag an 7 Tage „Trauer zu sitzen“, haben wir uns sofort überlegt, an welchem Tag wir vorbeigehen können, um den Hinterbliebenen unseren Trost auszusprechen. Am Freitag, sobald die Kinder in der Schule und im Kindergarten waren, fuhren wir also los Richtung Süden, nach Omer. Omer ist eine Stadt in der Umgebung der Wüstenstadt Beer Sheva. Der Himmel war tief grau, wie Sie auf dem Foto oben sehen können. Dennoch schien die Sonne über uns.

Mein Mann ist seit Kindestagen mit dem Sohn des Verstorbenen befreundet. Ich kenne ihn und seine Familie auch sehr gut. Die Familie musste schon viel Trauriges erleben. Der Freund meines Mannes hat eine 9 Jahre ältere Schwester und ein paar Jahre nach ihm kam nochmals ein Mädchen auf die Welt. Als sie 3 Jahre alt war, fiel sie aus dem Fenster und verstarb noch an der Unfallstelle. Wenige Jahre später, als unser Freund 11 Jahre alt war, starb seine Mutter an einer Lungenentzündung. Harte Schicksalsschläge für diese junge Familie. Unser Freund ist gerade mal 38-jährig und hat bereits eine Schwester, Mutter und Vater verloren.

Es waren einige Freunde und Verwandte bereits da, als wir eintrafen. Wir umarmten unseren Freund und seine Schwester und sprachen unser Beileid aus. Es ist üblich den Trauernden zu sagen „ani mischtatef/et be zar´cha“ was soviel heißt wie „ich nehme Anteil an deiner Trauer“ und „Sche lo ted‘u od zar“ was soviel heisst wie: „möget Ihr keine weitere Trauer erleben“. Wir saßen alle zusammen in der Stube. Snacks und Getränke standen auf dem Tisch. Wir haben über alles mögliche geredet, nicht nur über die Trauer und den Verstorbenen. Unser Freund hat dann noch ein Fotoalbum seines Vaters geholt, vom Sechstagekrieg, als er als junger Soldat gekämpft hat. Manche Fotos waren schwarz/weiß, andere farbig. Sehr eindrückliche Fotos. Er erzählte uns auch, dass sein Vater nun neben seiner Mutter begraben wurde, dass sie seinen Platz also schon vor 25 als sie verstarb, für ihn reservierten.

Im Judentum wird man gleich nach dem Tod beerdigt. In der Regel noch am selben Tag, wie im Beispiel des Vaters unseres Freundes, oder spätestens am nächsten Tag. Danach sitzt man, im Haus der nächsten Angehörigen für 7 Tage zusammen, es heißt „Shiv’a“, was von der Zahl sieben „Sheva“ kommt. Freunde, Verwandte und Nachbarn kommen in diesen Tagen vorbei und nehmen Anteil an der Trauer. Man tröstet sich gegenseitig und ist füreinander da. Das Essen, was man in diesen Tagen zu sich nimmt, ist sehr einfach und die Angehörigen der nächsten Trauernden kümmern sich darum. Jede „Shiv’a“ verläuft jedoch etwas anders. Mein Mann kann sich z.B. daran erinnern als er als Kind an einer Shiv’a war. Die Frauen schrien und weinten sehr laut, und schlugen sich immer wieder die Hände an den Kopf. Es kommt also auch sehr auf den Hintergrund und die Traditionen an; bei den Aschkenasen zum Beispiel verläuft alles etwas ruhiger. Im Judentum wird jedoch intensiv getrauert. Ich kann mich an die Schweiz erinnern – bei einem Todesfall haben die Angehörigen kaum Zeit zum Trauern. In der Regel ist die Beerdigung eine Woche danach und in dieser Woche muss alles für die Beerdigung vorbereitet und organisiert, Trauerkarten und Todesanzeigen geschrieben werden, Kontakt mit Behörden und Kirchen usw. Da bleibt keine Zeit zum Trauern, obwohl dies so wichtig wäre. Im Judentum trauert man wie gesagt intensiv 7 Tage und man ist in dieser Zeit nie allein und wird von allen Seiten getröstet und unterstützt. Nach 7 Tagen geht man nochmals auf den Friedhof, genauso nach 30 Tagen Trauerzeit. 1.Mose 50,10:  Als sie nun nach Goren-Atad kamen, das jenseits des Jordans liegt, da hielten sie eine sehr große und feierliche Klage. Und Josef hielt Totenklage über seinen Vater sieben Tage.

Auf dem Rückweg kam der blaue Himmel zum Vorschein

 

Und jetzt noch das Wetter für heute in Israel:

Teils heiter, teils wolkig mit einem bedeutenden Anstieg der Temperaturen, die sogar leicht über die normalen Werte zu dieser Zeit liegen werden. Aber noch ist der Frühling nicht da und am Wochenende soll der Winter in seiner vollen Kraft zu uns zurückkehren. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 18 Grad, Tel Aviv 20 Grad, Haifa 17 Grad, Tiberias am See Genezareth 20 Grad, am Toten Meer 21 Grad, Beersheva 20 Grad, in Eilat am Roten Meer angenehme 24 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um weitere anderthalb Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei –210.185 m unter dem Meeresspiegel.

Im Namen der Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen und sonnigen Mittwoch.

 

Schalom aus Jerusalem!

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