Guten Morgen Israel – Corona ist noch da

Vielleicht müssen wir uns noch einmal den Corona-Einschränkungen fügen, um diese Zeit dann endlich hinter uns zu lassen.

von Dov Eilon | | Themen: Guten Morgen
Weihnachtsbaum und Chanukka Kreisel in Jaffa Foto: Tomer Neuberg/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Und wieder hat Corona die Kontrolle in den Nachrichten im Radio und Fernsehen übernommen. Es ist wieder zum Thema Nummer 1 geworden. Man könnte den Eindruck bekommen, als hätte die Coronakrise gerade erst begonnen. Dabei sah doch alles schon so rosig aus, die  Tests für die Schutzimpfungen haben gute Ergebnisse erzielt, Israel hat seine Bestellungen bei den Herstellern erhöht, die ersten Impfstoffe sollen vielleicht noch in diesem Monat in Israel eintreffen. Alles in Butter, oder?

Eben nicht. Die Zahlen der täglichen Neuinfizierungen steigen stetig an und auch der Anteil der positiven Testergebnisse wird immer größer. Unser Gesundheitsministerium macht sich Sorgen und möchte eine dritte Welle und einen dritten vollständigen Lockdown vermeiden und überraschte daher selbst unsere Regierung mit der Forderung, alle Geschäfte, also wirklich alle, egal, ob sie an der Straße liegen oder in einem der offenen Einkaufskomplexen, wieder zu schließen. Auch die Schulen sollen wieder geschlossen werden, dabei hatten die Schüler der Mittelstufe gestern gerade ihren ersten Schultag nach Monaten zu Hause und Unterricht per Zoom. Aber es ist ja noch nichts entschieden, der Corona-Ausschuss entschied gestern, noch nichts zu entscheiden und verlängerte erst einmal Testphase, in der 15 Einkaufszentren geöffnet sein dürfen. Wie immer hat man Angst, Entscheidungen zu treffen.

Unterdessen machen sich die Ladenbesitzer Sorgen, denn sie haben ja gerade erst tausende von Angestellten aus dem unbezahlten Urlaub geholt. Sollen diese nun wieder nach Hause geschickt werden? Heute früh wurde ein Leiter eines großen Einkaufszentrums gefragt, ob er wieder schließen werde, wenn so entschieden würde. Die Antwort war, dass dies das Zeichen dafür sein würde, dass die Regierung ihren Kurs verloren hätte. Daher werde man weiter offen bleiben. Es sei nicht möglich, die ganzen Angestellten wieder nach Hause in den unbezahlten Urlaub zu schicken. Diese Antwort mag verständlich sein, aber sie ist auch besorgniserregend. Was wäre, wenn nun alle die Entscheidungen der Regierung ignorieren würden? Können wir einfach machen, was wir wollen und unsere Regierung ignorieren? Das klingt nicht gut, auch wenn ich Verständnis für die Sorgen der Ladeninhaber habe.

Wir brauchen noch etwas Geduld, dann haben wir es vielleicht bald hinter uns. Jerusalem, gestern.

Gestern war ich zu Erledigungen kurz in Jerusalem. Ich war im Stadtteil Kiriat Hayovel, wo ich damals vor 32 Jahren als Student meine erste Wohnung gemietet hatte. Daher bin ich immer gerne dort und erinnere mich an meine Anfangszeit in Israel. Während des zweiten Lockdowns wurde im Fernsehen der Inhaber eines Spielzeug- und Schreibwarengeschäft interviewt. Er erzählte von seiner Not, von seiner Angst, sein Geschäft nach mehr als 30 Jahren zu verlieren. Er hätte sich von seinem Sohn Geld geliehen, um sich über Wasser zu halten, sagte er unter Tränen. Ich hatte wirklich Mitleid mit ihm. Das Geschäft befindet sich im kleinen Geschäftszentrum von Kiriat Hayovel. Als ich gestern dort vorbeilief, warf ich einen Blick in sein Geschäft und freute mich, das es wieder offen war und Kunden empfing. Ich weiß nicht, was sein wird, wenn man sich erneut für die Schließung aller Geschäfte entscheiden wird. Wir befinden uns in einem Dilemma. Gibt es überhaupt einen richtigen Weg, aus dieser Misere herauszukommen? Oder müssen wir einfach nur warten, bis dieses Virus durch den Impfstoff erst einmal vertrieben werden kann? Wann wird hier endlich alles wieder normal werden? Oder wird es das vielleicht gar nicht?

Das „Wahrzeichen“ von Kiriat Hayovel. „Hamifletzet“ (המפלצת) – Das Ungeheuer. Die Kinder lieben es

Sie sehen, ich habe Fragen über Fragen, Antworten wird es so schnell nicht geben. Wir müssen uns einfach noch etwas gedulden. Das schaffen wir, oder? In der Zwischenzeit können wir schon mal Pläne für die Zeit nach Corona machen. Unser ältester Sohn macht das auch und hat seinen für diesen Monat geplanten Flug nach Holland erst einmal auf Mai 2021 verschoben. Auch ich bin optimistisch und freue mich schon auf den Moment, wo wir endlich wieder Touristen in unserem Land sehen werden. Wer wird wohl der Gast sein, den wir als Ersten in unserer Redaktion begrüßen werden? Ich bin gespannt. In diesem Jahr werden wir die Feiertage noch unter uns verbringen müssen. Der Weihnachtsbaum und die bunten Chanukka Kreisel in Jaffa sind trotzdem schön anzusehen (siehe Titelbild oben).

Und jetzt das Wetter:

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt bis bewölkt und etwas wärmer. Im Süden kann es noch zu etwas Nieselregen kommen, sonst wird es trocken bleiben.  Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 16 Grad, Tel Aviv 23 Grad, Haifa 20 Grad, Tiberias am See Genezareth 22 Grad, am Toten Meer 21 Grad, Beersheva 19 Grad, Eilat am Roten Meer 22 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei  – 209.96  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 116  Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen aller meiner Kollegen von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Montag und einen guten Start in die neue Arbeitswoche. Bei uns in der Redaktion wird schon fleißig an der Januar Ausgabe des Israel Heute – Magazins gearbeitet. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!

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